Freitag, 22. August 2008

17.08 - 21.08.2008 - Vulkanisches

17.08.2008 – Am Berg der Berge
Heute wollen wir den Berg der Berge – den Ätna (3345m) – erklimmen. Unser Leihwagen, ein knallgelber Ford KA steht glücklicherweise zum Abholen bereit – der Verleiher hat nicht sicher gewusst, ob der Wagen pünktlich zurück gegeben wird, den Italien hat derzeit Hochsaison.

Michi ist der Steuermann und bringt uns flott, aber sicher hinauf bis zum Rifugio Sapienza. Hier befinden wir uns auf ca. 1950m Seehöhe. Nun geht es weiter mit der Gondelbahn, die uns bis auf 2500m Seehöhe bringt – zum stolzen Preis von 26,50 pro Person. Von der Gondelbahn geht’s dann per pedes weiter. Werner beendet den Marsch nach ca. 30 Minuten und begibt sich wieder in die Sicherheit der Bergstation – hier kann er sich in Ruhe auf Video die Vulkanausbrüche der letzten Zeit ansehen.

Michi, Gabi und ich sind vom Ehrgeiz gepackt und nach 1,50 Stunden erreichen wir einen der vielen Krater, wo uns Schwefeldampf entgegen strömt. Die Landschaft rund um den Vulkan ist sehr beeindruckend –schwarzer, feiner Sand und schwarze, aber auch teilweise rötlich schimmernde Felsen – die an eine Mondlandschaft erinnern. Ganz zu schweigen von der fantastischen Aussicht, die man aus knapp 3000m Höhe hat – man sieht fast ganz Sizilien. An einem schönen Platz genießen wir Panini, Kekse und herrliche Weintrauben.

Der Abstieg geht sehr flott voran, denn wir rutschen förmlich die Hänge hinab und am Parkplatz angekommen verkosten wir noch ein paar sizilianische Köstlichkeiten (Pistazien-, Nuss-, Mandelcreme) bei einem der vielen Stände.

Wir nützen die Mobilität und fahren über Linguaglossa weiter nach Taormina.

Mit viel Glück finden wir im Ort einen Parkplatz – noch dazu kostenlos. In Taormina schieben sich Menschenmassen durch die mit unzähligen Souvenirläden und Boutiquen gefüllten Gassen. Knapp vor der Sperrstunde können wir noch das Antike Theater mit seiner herrlichen Aussicht besuchen. Ein Besuch der „Wunderbar“ dauert nur wenige Minuten, denn der Espresso um 5,20 ist uns etwas zu teuer. Taormina lebt von seiner einzigartigen Lage und der herrlichen Architektur, der Trubel ist jedoch zuviel.

Erschöpft erreichen wir um 22.00 Uhr Riposto, wo wir in der „Cantina dell’Porto“ noch ein spätes Abendessen zu uns nehmen.

18.08.2008 – Durch die Strasse von Messina
Um ca. 13.30 Uhr legen wir in Riposto ab. Schon kurz nach der Ausfahrt aus dem Hafen empfängt uns starker Wind und unangenehme Wellen, leider wieder voll auf die Nase (=Seglerlatein).

Bei 6 – 7 Windstärken schieben wir uns langsam gegen Strom, Wind und Wellen durch die Straße von Messina. Unsere Tattoo-Island wird dabei ordentlich gebeutelt und einige Wellen zischen mit voller Wucht über unsere Spreyhood. Es ist 22.00 Uhr, als wir im Hafen von Reggio di Calabria an der Mole anlegen, ein paar Brote verzehren und dann etwas erschöpft in unsere Kojen fallen. Gute Nacht!

19.08.2008 – Vulcano, wir kommen
Tagwache um 05.30 Uhr, dann nehmen wir ein kleines Frühstück ein und danach legen wir ab. Weiter geht’s vorbei an Messina zum Capo Peloro, von wo wir dann weiter nach NW zu den Eolischen Inseln fahren – auch heute ist der Wind gegen uns. Also motoren wir nach Vulcano. Diese Insel ist eine von insgesamt sieben und wird erst seit drei Jahren mit Elektrizität versorgt. Sie wurde uns von einem deutschen Segler in Riposto empfohlen.

Kurzfristig hatten wir schon gehofft, diesen Weg unter Segel zurücklegen können, doch nach einer knappen Viertel Stunde mussten wir die „Wäsche“ wieder wegräumen – kein Wind. Dieser Tag wird dann eben zum gemütlichen Bordtag erklärt. Um 14.30 werfen wir den Anker in der Bucht am „Porto di Ponente“. Baden, tauchen, lesen, zeichnen sind heute unsere Beschäftigungen – es ist einfach traumhaft schön. Abends kochen wir Petersilkartoffel mit Zucchini, Zwiebel und Schafkäse. Schmatz, Mampf!

20.08.2008 – Gran Cratere
Um 06.00 Uhr machen sich Gabi, Michi und ich für den Aufstieg zum Gran Cratere auf Vulcano fertig. Werner bleibt an Bord und übernimmt die Zubreitung des Frühstücks.

Mit dem Dingi geht es an Land, dann ca. 1 km durch den Ort, bis wir am Fuß des Vulkanberges stehen. Noch sitzt niemand an der Kasse und so wandern wir ohne zu zahlen dem Krater entgegen. Oben auf 325m über dem Meeresspiegel angekommen, umrunden wir den Krater, wobei wir stellenweise immer wieder die Luft anhalten müssen, denn Wolken aus Schwefeldampf steigen aus unzähligen kleinen Öffnungen im Boden und es riecht nach faulen Eiern. Die Landschaft ist zwar ähnlich wie die des Ätna, jedoch ist man den vulkanischen Aktivitäten hier viel näher.

Als wir beim Abstieg wieder an der Kassa vorbei kommen – wir hatten leider vergessen, Geld einzustecken – will uns der Kassier nicht weiter lassen. Wir marschieren trotzdem ohne etwas zu Zahlen einfach weiter. Ob er nun die Mafia auf uns hetzt, werden wir spätestens in Palermo merken.

Nach einem herrlichen Frühstück – zubereitet von Werner - legen wir ab in Richtung Cefalu an der sizilianischen Nordküste.

Die Fahrt ist wie bisher – kein Wind, das Meer ist heute auch spiegelglatt und nach ca. 8 Stunden landen wir in Cefalu und werfen den Anker, denn im Hafen sind alle Plätze belegt. Heute gibt es Spagetti mit Pistazien-Pesto, welches wir am Etna gekauft haben. Es schmeckt jedoch eher langweilig, trotzdem sind wir nachher alle satt. Wir begeben uns danach mit dem Dingi an Land und marschieren nach Cefalu.

Die Stadt, die rund um einen Felsen, auf dem eine Burgruine zu sehen ist, erbaut wurde, ist bei Nacht wunderschön und die Stimmung ist einzigartig. Cefalu ist laut Reiseführer ein Zentrum für Künstler. Man fühlt sich fast wie im Mittelalter - enge Gassen gesäumt von alten, meist aus Stein erbauten Häusern, diffuse Beleuchtung und Menschen, die gemütlich durch diese Gassen schreiten, so auch wir. Erschöpft marschieren wir kurz vor Mitternacht wieder an Bord, nachdem wir noch ein letztes bier zu uns genommen haben.

21.08.2008 - Geburtstag
Wir erwachen nach einer ruhigen Nacht, übrigens die erste gemütliche Nacht mit Anker.

Michi hat heute Geburtstag. Aus diesem Anlass gibt es ein extra erweitert Frühstück mit Toasts, Salami, Käse, Marmelade, Obst, und noch andere Leckereien. Danach wird der Anker geborgen und wir motoren (auch heute ist Windstille) zum alten Hafen von Cefalu. Ein Sprung in dieses herrliche, glasklare Wasser ist die beste Erfrischung, die man sich vorstellen kann.

Heute ist unser Ziel Palermo, die Hauptstadt Siziliens mit ca. 1 Mio. Einwohner. Auch hier liegen wir in einer Marina, die außer einer Mooringleine, Strom und Wasser keine weiteren Annehmlichkeiten bietet. Der Weg nach draußen ist auch nicht sehr kurz, aber dafür führt uns ein älterer Marinero mit seinem Auto zum Ausgang, den wir ohne seine Hilfe auch nicht so schnell gefunden hätten.

Werner und ich begeben uns sofort nach der Ankunft auf die Suche nach einem geeigneten Geburtstagsgeschenk für Michi. Es ist auch schnell etwas gefunden: Teil eins in einem Marinashop – Aschenbecher und bruchfestes Glas, Teil 2 in einer sehr netten Buchhandlung – T-Shirt mit Fisch und Karte mit drei lachenden Delfinen, die man uns schenkt. Es ist wirklich sehr schön, wie man überall freundlich und hilfsbereit empfangen wird – dies war bis jetzt überall so, echt toll.

Um Sieben treffen wir uns vor dem Theater Massimo im Zentrum von Palermo, wo wir noch in der Abendhitze durch die Gassen schlendern, bevor wir bei San Andrea (Empfehlung aus Gabi’s Reiseführer) zu einem wundervollen Abendessen von Michi eingeladen werden.

Es ist schon recht spät, als wir zum Heimweg aufbrechen. Durch eine winzige Gasse wollen wir gehen, als uns jemand aufmerksam macht, dass wir uns in einer Sackgasse befinden – es ist der selbe Mann, der uns am Nachmittag an seinem Kiosk bedient hat. Nach einer Schrecksekunde – wir stehen vor einem verschlossenen Hafentor, finden wir doch noch einen offenen Eingang und feiern Michi’s Geburtstag noch ein bisschen an Bord.

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