04.11.2008 – Besteigung des Fortalezza
Fast jedes mal, wenn ich mit Weuzi und Flinse die Insel La Gomera besuchte, haben wir auch dem ehrwürdigen Tafelberg Fortalezza bei Chipude, oberhalb des Valle Gran Rey, einen Besuch abgestattet. So muss es auch diesmal sein.
Das Wetter ist gerade richtig für diese Tour. Der Himmel ist zwar von dicken grauen Wolken bedeckt, im Gegensatz zu gestern ist es jedoch trocken und die Wolken hängen heute auch nicht so tief. Werner erklärt sich bereit, das Schiff während unserer Abwesenheit zu bewachen. Er verzichtet wie immer freiwillig auf erhöhte körperliche Anstrengung. Pitty, Weuzi und ich sind aber schon in Kletterlaune und voll Vorfreude zu diesem Abenteuer. Und in gewisser Weise ist es das wirklich, muss man doch durch einen Kamin steigen und über schmalen Felsgrat klettern, um auf das Plateau zu gelangen. Pitty, die unter leichter Höhenangst leidet, weiß aber noch nichts von diesen Tücken.
Die Fahrt geht in den kleinen Ort Arure, wo wir kurz an einem Aussichtspunkt halten, um den Blick von dort zu genießen. Dann zweigen wir von der Hauptstraße nach Vallehermoso ab und nun geht es zuerst durch Los Hayas in das kleine Bergdorf Chipude. Hier beginnt etwas außerhalb des Ortszentrums die Wanderung auf den Fortalezza. Anfangs führt ein mit Steinen gepflasterter Weg durch Terrassenfelder, wo jedoch nur mehr wenige Terrassen zum Anbau von Wein oder Gemüse genützt werden. Die meisten Terrassen sind nur mit staubiger Erde und dünnem Gras bedeckt.
Wir stehen am Fuße des Berges. Hier beginnt nun ein ca. 30. Minuten dauernder Anstieg über einen steilen und felsigen Weg, der dann knapp vor dem Ziel durch einen Felskamin führt und gleich danach mit der Übersteigung eines schmalen Grates endet, der direkt auf das Hochplateau führt. Diese Passage bewältigt man in der Regel auf allen Vieren. Oben werden wir dafür mit einem wunderbaren Fernblick belohnt, denn heute ist uns das Wetter wohl gesonnen.
Wir umrunden das karg bewachsene Plateau und wagen Blicke in tiefe baumlose Schluchten, wo einem nur alleine durch diesen Anblick der kalte Schauer über den Rücken läuft. In der Ferne zeichnen sich im Dunst Hierro und La Palma ab. Erschöpft, aber glücklich gönnen wir uns ein kleines Picknick, bevor wir den Abstieg in Angriff nehmen. Erst als wir wieder normale Wege erreicht haben, gesteht mir Pitty, dass sie ihren ganzen Mut gebraucht hat, um über den felsigen Steig wieder in das Tal zu gelangen.
Abends treffen wir uns mit Ortiz. Ortiz ist seit Jahren der Freund von Daria aus Wien, die wir schon seit vielen Jahren kennen. Gemeinsam kehren wir mit leeren Bäuchen in die Pizzeria „vom bladen Pizzakoch“ ein, die im alten Ortsteil von Vueltas direkt unter der Wohnung liegt, wo Daria zu der Zeit wohnte, als sie noch in Valle Gran Rey lebte und arbeitete.
Wir bestellen je eine Pizza mit Meeresfrüchten und eine mit Huhn und Gemüse. Beide schmecken ausgezeichnet. Der Höhepunkt ist aber die berühmte „Nutella-Pizza“, von der man eigentlich nicht genug bekommen kann. Und das sage sogar ich, der nicht unbedingt zu den absoluten „Nutella-Fans“ zählt.
Zum Abschluss kehren wir noch bei Christian in der Cacatua-Bar ein. Doch die Anstrengungen dieses Tages sind nicht spurlos vorüber gegangen und so befinden wir uns bald im Traumland.
05.11.2008 – Von Valle Gran Rey nach El Cercado
Mit Wanderkarte und Gomera-Führer bewaffnet, mit bergtauglichem Schuhwerk an den Füssen und zur Sicherheit auch mit einem Regenschutz ausgestattet, natürlich mit ein wenig Proviant im Rucksack, verlassen Pitty und ich um ca. halb zwölf die Tattoo. Weuzi fällt heute ausnahmsweise aus – er benötigt nach dem gestrigen Abend und ein paar Jägermeistern in der Cacatua-Bar einen Tag zur Regeneration – und Werner ist aus bekannten Gründen auch nicht mit von der Partie.
Wir verlassen den Hafen auf direktem Weg durch den Ortsteil Vueltas bis nach la Calera. Von hier weg zieht sich die Tour im ausgetrockneten Flussbett gemächlich in das Tal hinein, welches von mächtigen Felswänden begrenzt wird. Langsam ändert sich die Landschaft und wir nähern uns den Terrassen, wo auf kleinen Flächen Kartoffeln, Obstbäumen und viele andere nützliche Pflanzen von Hand angebaut werden.
Plötzlich endet unser Weg vor einem Grundstück und wir suchen in unserer Karte die Fortsetzung. Leider scheinen wir irgendwann eine Markierung übersehen zu haben, die uns am rechten Weg gehalten hätte, und so kämpfen wir uns zunächst einmal ab hier von einer Terrasse zur nächsten solange in die Höhe, bis wir endlich die Straße erreichen. Unser Führer beschreibt einen Weg mit Stufen, die von einer Kirche an der anderen Seite des Tales entlangführen sollte. Aus der Ferne sehen wir, dass die Beschreibung korrekt ist- Wir folgen nun der Straße, bis wir wieder an einer Einstiegsstelle ankommen.
Pitty hat es heute nicht leicht mit mir. Meine Stimmung erreicht den Nullpunkt und wir stehen kurz davor aufzugeben. Unser Taxi haben wir abbestellt, als sich auch der nächste Einstieg zu unserer Tour als falsch herausstellt. Endlich haben wir aber dann doch den richtigen Weg gefunden und nun sind wir wieder frohen Mutes und melden uns kurz bei Werner und Weuzi, dass wir nun doch unser Ziel erreichen werden und sie uns bitte von El Cercado abholen sollen.
Der Weg führt über unzählige grobe Steinstufen schnell in die Höhe und schlängelt sich immer tiefer in die Schlucht, entlang der steilen, oft senkrechten Wände. Immer wieder müssen wir Verschnaufpausen einlegen und dann werfen wir einen Blick zurück, wo uns von der Talsohle die netten, würfelförmigen Häuser zwischen den üppig grünen Terrassen, bewachsen von unzähligen Palmen, entgegenstrahlen.
Pünktlich um 16.00 Uhr erreichen wir den vereinbarten Treffpunkt. Ich wollte Werner noch schnell eine SMS senden, damit sie uns nicht zu lange warten lassen. Doch als wir die einzige offene Bar in El Cercado erblicken, sitzen Weuzi und Werner schon davor und erwarten uns. Glücklich und sehr verschwitzt bestellen wir frisch gepressten Orangensaft und freuen uns über die herrliche Wanderung.
Abends treffen wir nochmals Ortiz und enden so wie gestern in der Cacatua-Bar, denn heute ist Oldies-Night.
06.11.2008 – San Sebastian
Nach wunderschoenen Tagen in Valle Gran Rey wechseln wir heute den Hafen und uebersiedeln nach San Sebastian, die Hauptstadt von La Gomera.
Zeitlich am Morgen verlassen Pittz und ich das Schiff, um noch ein paar unvergessliche Eindruecke zu sammeln. Wir wandern um den Hafen in Richtung des Meditationszentrums und kommen in ein Tal, welches durch Felsen in den bizzarsten Formen umschlossen ist. Inmitten dieser Felslandschaft befindet sich ein tropischer Obstgarten, wo man sich mit Fruechten eindecken koennte. Leider sind wir zu frueh, denn sonst waeren wir sicher nicht mit leeren Taschen heimgekehrt.
An Bord werden wir von einem Fruehstueck ueberrascht, dass Werner und Weuzi herbeigezaubert haben. Ortiz hat leider unsere Abfahrt verschhlafen, wir wollten uns noch verabschieden, aber um 11.00 muessen wir los. Die Fahrt ist ungewoehnlich ruhig, es gibt heute kaum Wellen. Entlang der Kueste geht es vorbei an steilen Felswaenden, die immer wieder von tiefen Schluchten unterbrochen werden. Und fast in jeder dieser meist sehr gruenen Felseinschnitte sind Spuren menschlicher Tuns zu sehen. Einmal ist es eine verfallene Fabriksanlage, ein anderes Mal ein einsamer Weiler. In manche dieser Taeler schlaengelt sich ein schwarzes Asphaltband von hoch oben bis fast in die Wellen des Atlantiks.
Nach drei erholsamen Stunden treffen wir in der Marina La Gomera ein. Man weist uns einen der wenigen freien Plaetze an der Seite einer amerikanischen Yacht zu, neben Will und seiner Frau aus Texas (die uebrigens nicht sehr erfreut ueber den Wahlsieg Obamas sind – aber meinen, wir in Europa denken da etwas demokratischer. Ob das wirklich so ist?).
Die Marina sieht zwar nicht sehr grosz aus, steckt aber voller Leben und staendig laufen Schiffe ein, die dann doch noch irgendwo in einer freien Luecke untergebracht werden. Hier legen viele der Atlantikueberquerer das letzte Mal an, bevor sie in Richtung Karibik oder vorher noch zu den Kap Verden segeln, so wie auch wir es tun. So tat es uebrigens auch Columbus im Jahre 1492, bevor er Amerika entdeckte.
Abends kochen wir dann einen leckeren kanarischen Eintopf, bevor wir uns auf Landgang begeben und abschlieszend in einer Bar ein Gutenacht-Bier zu uns nehmen.
07.11.2008 – Letzter Tag in La Gomera
Pitty und Weuzi muessen uns morgen (leider) verlassen. Es waere so schoen, haette diese Woche kein Ende (dann wuerde es also nie ein Wochenende geben). Daher muessen wir diesen Tag dafuer richtig geniessen.
Zeitig am Morgen brechen Pitty und ich also wieder auf, waehrend Werner und Weuzi noch im Reich der traeume segeln. Schwitzend erreichen wir die obere Stadt von San Sebastion, von wo wir dafuer mit einem traumhaften Blick auf den heute einmal wolkenfreien Tide geschenkt bekommen. Ein Blick von oben auf die Tattoo sagt uns, dass noch alles zu ruhen scheint. Wir nuetzen die Zeit und schiessen wieder eine Menge Fotos fuer unsere Homepage.
Schnell noch vorbei beim Baecker, um frisches Brot und etwas suesses zu besorgen und dann knurrt der Magen schon so laut, dass unsere beiden Schlafmuetzen schnell aus dem Bett fliehen (Unsinn: das Fruehstueck wartet schon auf uns!)
Der Rest des Tages verlaeft gemaechlich, wir besichtigen nochmals San Sebastian und kehren abends in ein sehr nettes Spanisches Wirtshaus ein. Hier tischt man noch richtige kanarische Kueche auf. Heute fallen wir nicht allzu spaet in die Kojen, denn morgen laeutet der Wecker um sechs Uhr.
08.11.2008 – Abschied mit Traenen
Ich fasse mich kurz. Die Tickets fuer die Faehre haben wir schon gestern besorgt, um jede Hektik zu vermeiden. Knapp nach sieben Uhr stehen wir in einer Menschentraube am Faehrsteg. Um ½ acht werden die Gangways in Position gebracht und wir besteigen die hypermoderne Faehre nach Los Cristianos. Mit fast 40 Knoten gleitet dieses ueberirdische Ding in nicht einmal 45 Minuten nach Teneriffa. Ein Taxi wartet schon an der Mole und zwanzig Minuten spaeter stehen wir mit schwerem Gepaeck am Flughafen.
Der Abschied faellt uns allen sehr schwer, die Zeit war zu schoen und leider viel zu kurz. Doch um 11.07 ist es soweit und der Niki-Flieger steigt mit Pitty und Weuzi in den Himmel. Um 17.00 Uhr, noch bevor ich wieder zurueck bin am Schiff sendet mir Pittzy eine SMS, in der sie mir mitteilt, das sie schon daheim ist – eine verrueckte Welt!
Ich verbringe die Zeit bis zu meiner Rueckfahrt NACH La Gomera um 16.00 Uhr in einem Internetcafe und schlendere anschliessend durch Los Cristianos, wo ich aber froh bin, diesen Ort bald verlassen zu koennen. Hier ist es so, wie ich mir nie einen Urlaubsort vorstellen moechte. Trotzdem tummeln sich tausende Menschen in den Gassen, am Strand und in den vielen kleinen Laeden, die unheimlich viel Ramsch verkaufen.
Um acht holt Werner Michi von der Faehre in San Sebsatian ab und nun sind wir drei wieder gluecklich vereint. Michi erzaehlt von Teneriffa und wir schildern ihm unsere Woche, bis uns vor Muedigkeit die Augen zufallen.
Gute Nacht!
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