23.11.2008 – Muskelkater
Diesen Muskelkater werde ich sicher mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Schon während des Liegens in der Nacht spüre ich bei jeder noch so kleinen Bewegung jeden Muskel meiner Beine. Als es mich dann doch aus dem Bett treibt, erkenne ich erst das wahre Ausmaß dieser Verspannung. Jede Bewegung muss ganz vorsichtig getan werden, denn sonst sind die Schmerzen unerträglich. Es sind nicht nur die Beine davon betroffen, sondern eigentlich alles von Kopf bis Fuß.
Ich passe daher den Tagesablauf an meine körperliche Verfassung an. Michi und Gabi sind da schon etwas lebendiger und machen Mindelo wieder unsicher. Bewaffnet mit der Kamera begeben sich die beiden auf die Suche nach neuen Motiven. Werner genießt die Ruhe auch ohne Muskelkater und ich schreibe die Erlebnisse der letzten Tage nieder.
Die Zeit vergeht unheimlich schnell und bald ist es später Nachmittag. Ohne dass etwas sich etwas Wichtiges ereignet hat, beginnt es wieder dämmerig zu werden. Hier verlässt uns die Sonne etwa gegen 18.30, eigentlich noch viel zu früh. Und es wird dann sehr schnell dunkel. Auch am Nachbarschiff, auf der Marionette ist es heute schon den ganzen Tag sehr still. Markus und seine Crew haben im Anschluss an die Wanderung die Nacht noch bis um vier in der Disco verbracht. Es war dann nicht zu überhören, als sie wieder an Bord zurückkehrten, in Begleitung von zwei hübschen Schwedinnen, die Gustav, er ist auch Schwede, kennen gelernt hat und ihnen das Schiff zeigen will.
Im Nautic-Club gibt es Crepes, süß und pikant. Das wissen wir schon seit unserem ersten Besuch. Heute ist es endlich soweit, wir gehen Palatschinken essen. Die Wartezeit ist enorm. Anfangs waren wir noch sehr hungrig und jeder von uns wollte sich im Anschluss an eine Crepe mit Käse und Schinken auch eine mit Schokolade, Banane und Kokos bestellen. Während wir so warten, verlässt uns aber der Hunger und wir teilen uns schlussendlich noch zwei süße Crepes.
Wir kehren noch gar nicht spät zurück auf unsere Tattoo und ich falle sehr schnell wieder in meine Koje.
Gute Nacht!
24.11.2008 – Gabi muss uns verlassen
Heute ist Montag, der 24. November. Es ist Gabis vorletzter Tag auf den Kap Verden. Schade! Sie hat leider nicht viel von den letzen Wochen gehabt, außer Zahnschmerzen und Arztbesuche. Zum Glück konnte ihr Dr. Vera Spencer, Zahnärztin und Mutter eines einmonatigen Babys, aus Mindelo, soweit helfen, dass die Schmerzen nachließen. Wahrscheinlich war ein falsches Medikament für die zeitweise unerträglichen Schmerzen die Ursache. Gabi hat wirklich gelitten – und trotz allem waren wir viel gemeinsam unterwegs. Vielleicht hat das etwas geholfen, die Schmerzen zu vergessen?
Mit einem ausgiebigen Frühstück beginnen wir den Tag. Es fehlt uns hier an nichts, denn obwohl fast alles aus dem Ausland importiert werden muss, ist die Auswahl an Produkten in den Supermärkten gar nicht so gering.
In der Markthalle erhält man das Gemüse und Obst, dass auf den kleinen Feldern von den Bauern um Mindelo angebaut wird.
Die Preise der Nahrungsmittel unterscheiden sich allerdings auch nicht sehr von unserem europäischen Niveau. Diesen Unterschied merkt man an der sichtbaren Armut vieler Menschen in Mindelo, die sich hier nur durch Bettelei ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Und es vergeht kein Einkauf, wo wir nicht zumindest einmal von einem Burschen oder einem Mann, nie aber von einem Mädchen und nur ganz selten von älteren Frauen, um ein paar Escudos oder auch nur für etwas zu essen angebettelt werden. Es sind meistens dieselben Gesichter – Carlos ist auch so einer, der sich auf eine wirklich liebenswerte Art bemüht, ein paar Escudos zu erhaschen. Und wenn ich eine kleine Münze in der Tasche habe, dann wandert sie in seine Hände. Er bedankt sich dann so intensiv, dass es mir fast unangenehm ist. Carlos ist 13 Jahre alt.
Um 18.00 legt die Marionette ab mit dem Ziel Martinique. Markus, der Skipper, hat jedem seiner Crew nur 450,00 Euro für die Überfahrt von Las Palmas nach Martinique abgenommen. Das war leider etwas zu wenig, wie er sich selbst eingestanden hat. Nun sind nur mehr 450.00 Euro in der Kassa. Zeit zum Ablegen.
Heute wird also der ganze Tag damit verbracht, Proviant zu besorgen, sich für die nächsten zwei Wochen noch einmal ordentlich zu duschen und beim Zoll auszuklarieren. Diese junge Mannschaft waren wirklich nette Nachbarn. Es ist Schade, dass sie uns nun verlassen. Vielleicht trifft man sich aber wieder in der Karibik. Wir wünschen ihnen eine gute Reise und winken ihnen nach, bis sie den Hafen verlassen haben.
Am heutigen Abend wird so gespeist wie am Abend zu Gabis Ankunft vor einer Woche. Es gibt wieder eine kräftige Suppe, diesmal mit Huhn, gekocht von Werner. Denn dass muss auch einmal gesagt werden – Suppe kochen kann er, der Werner!
Um 19.30 ist es dann soweit. Gabi und Michi begeben sich zum Taxi. Um ca. 22.00 geht ihr Flug nach Praia – die Hauptstadt der Kap Verden, auf der Insel Santiago - wo Michi dann auch noch den nächsten Tag verbringen wird.
25.11.2008 – Kiesl reist an
Werner und ich werden heute wieder ein paar Kleinigkeiten am Schiff erledigen. An erster Stelle steht die Montage der Leesegel.
Für alle, die nun wissen wollen, was das ist: Da unser Schiff unter Segel fast nie aufrecht segelt, ist es notwendig, wie bei einem Gitterbett eine Sicherung gegen unerwartetes verlassen des Bettes während der Stunden des Schlafes anzubringen. In unserem Fall sind das keine Holzstäbe, sondern einfach ein Stück Stoff, welches unter der Matratze befestigt wird und mit einem Gurt nach oben gespannt wird. Ob es wirklich hilft, werden wir erst merken.
Sonst tut sich heute nichts Aufregendes.
Abends werde ich dann Kiesl vom Flughafen abholen
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