Montag, 27. Oktober 2008

22.10 – 26.10.2008 - Fuerteventura (Starkes Glück)

22.10.2008 – Arbeit ist das halbe Leben
Den heutigen Tag widmen wir unserer Tattoo-Island. Viele kleine Arbeiten wollen erledigt werden. Dazu gehören unter Anderem die Überprüfung des Solarreglers, denn die Stromversorgung mit den Solarzellen funktioniert noch nicht einwandfrei. Wahrscheinlich haben wir eines der vielen Kabel verkehrt angeschlossen – leider ist die Elektroinstallation nicht unser Lieblingskind. Auch der, zum Glück, sehr geringe Verlust von Getriebeöl muss endlich geklärt werden. Die Stopfbuchse wird nachjustiert – nun tröpfelt ein Tropfen in acht Sekunden, das ist okay. Die Luke über der Nasszelle wird neu eingedichtet und auch gleich überprüft – diesen Test hat sie erfolgreich bestanden. Zu guter letzt polieren Michi und Werner noch den Rumpf, der seit Gibraltar mit hartnäckigen Ölflecken verschmutzt war. Das ist eine sehr anstrengende Arbeit.

Gabi besucht am Vormittag den Wochenmarkt in der Marina Rubicon, nicht ohne ein paar nette Mitbringsel zu erstehen und nützt dann die Zeit, um die herrlichen Strände rund um Playa Blanca zu besichtigen.

Ich sitze heute die meiste Zeit vor dem Computer und vor dem Kurzwellenfunkgerät, um endlich gute Wetterberichte empfangen zu können. Laut des Handbuchs „Amateurfunk an Bord“ ist es möglich, mit einem Kabel vom Kopfhöreranschluss des Kurzwellenfunkgerätes zum Mikrofoneingang des Computers Wetterkarten und Wetterberichte als Text oder Fax empfangen zu können. Grundsätzlich funktioniert das Verfahren, doch müssten wir dann laut Fax mit schwarzer Asche zugedeckt werden – aber von einem Vulkanausbruch ist nirgendwo etwas zu sehen gewesen.

Abends gehen wir mit Wolfgang und Christa von der Segelyacht Liv gemeinsam essen ins „Arte y Pasta“, wo wir schon vor ein paar Tagen eine herrliche Pizza serviert bekamen.


23.10.2008 – Überfahrt nach Fuerteventura
Die Nachtruhe wird, wie auch schon gestern, von einem kurzen Regenguss unterbrochen. Schnell raus aus dem kuscheligen Bett und alle Luken schließen, dann zurück unter die Decke und noch für ein paar Stunden schlummern.

Um halb Acht steh ich auf und begebe ich mich zu den Duschen, anschließend eile ich zum Supermarkt, um frisches Brot zu besorgen. Doch leider habe ich Pech - geöffnet wird erst um halb Neun. Also mit leeren Händen zurück aufs Schiff. In der Zwischenzeit sind die anderen auch schon fleißig und haben das Frühstück zubereitet. Nach einer ordentlichen Stärkung wird nun auch der restliche Körper noch ordentlich gepflegt.

Es ist knapp vor zwölf Uhr, unsere vorgesehene Zeit für die Abfahrt. Der Wind bläst beständig mit 20 bis 30 Knoten aus Norden. Wir bereiten alles zum Ablegen vor. Wolfgang von der Liv hilft mit und stemmt sein ganzes Körpergewicht gegen den Zug an der Vorleine, damit sich der Bug solange nicht vom Steg weg bewegt, bis wir unser Heck aus der Box gedreht haben. Mit vollem Motorschub schieben wir uns dann aus dem Hafen, denn nun bläst der Wind mit voller Stärke auf unsere Schiffsseite und versucht uns seitlich zu versetzen. Wir sind froh, als wir endlich die Hafenausfahrt passiert haben. Erst dann entspannt sich die Lage und wir rollen unser Vorsegel aus.

Unsere alte Dame trägt uns mit 5 bis fast 7 Knoten über die Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura und nach nur kurzer Zeit queren wir die hügelige Isla de Lobos (Insel der Seelöwen), die knapp vor der Küste Fuerteventuras aus dem Meer ragt. Hier beginnt das Paradies der Wind- und Kitesurfer. Wohin unser Auge blickt – herrliche weiße und unendlich lange Sandstrände, dahinter geht das Land jedoch in eine eintönige Wüste über, nur selten von hässlichen Hotelklötzen oder den wenigen menschlichen Ansiedlungen bebaut.

Im Hafen von Rosario - Hauptstadt von Fuerteventura – versuchen wir unser Glück, einen Platz für die Nacht zu finden. Denn die Ostküste der Insel bietet nur wenige Möglichkeiten zum Ankern und noch weniger Häfen mit sicheren Liegeplätzen für Transityachten, so wie unsere Tattoo-Island eine ist – so steht es zumindest in unserem Führer „Atlantic Islands“.

Zwar gibt es Platz für die „Aida Bella“ – ein riesiges Kreuzfahrtschiff für ca. 1800 Passagiere - doch für uns hätte der Hafenkapitän nur einen Ankerplatz im äußeren Hafenbecken und das finden wir dann doch zu unbequem. So fahren wir weiter bis Puerto de Castillo bei Caleta de Fustes, unser ursprünglich geplanter Zielhafen.

Die Einfahrt in diesen sehr kleinen Sporthafen ist sehr eng und muss sehr genau angesteuert werden, erschwert wird das durch starken Wind und Wellen. Wir ergattern den letzten freien Platz – welch ein Glück. Das Anlegemanöver gelingt trotz viel Wind unter Mithilfe eines sehr netten Holländers einigermaßen problemlos. Das Hafenbüro ist schon geschlossen und so verschieben wir die bürokratischen Formalitäten auf morgen.

Wir wandern entlang eines wunderschönen Sandstrandes in Richtung Dorfzentrum, zumindest wo wir es vermuten. Der Strand ist fast leer, nur ein Künstler bewacht seine aus feinem Sand geformten Kunstwerke. Und als er uns dabei erwischt, wie wir eines davon fotografieren, entlockt er uns ein wenig Geld für seine wahrscheinlich brotlose Kunst, obwohl er auch einen Kurs zum Bauen von Sandburgen anbietet.

Der Ort, wo wir gelandet sind, gehört zur Gänze den Touristen. Riesige Hotelanlagen, sogar mit einem Golfplatz (ein Wahnsinn bei den sehr begrenzten Süßwasservorräten), Reihenhaussiedlungen bis an den Horizont und Shopping-Meilen bestimmen das Ortsbild, welches vorwiegend von englischen und deutschen Touristen bevölkert wird. Dafür wird auch fast alles in deutscher Sprache angepriesen. Na toll!

Erschöpft kehren wir an Bord zurück, nachdem wir noch schnell einen Leihwagen für die morgige Inselrunde reserviert haben. Gabi verwöhnt uns mit Spagetti, denn unser Frischgemüse muss sowieso aufgebraucht werden. Michi serviert anschließend noch einen Espresso, der uns aber nicht daran hindert, bald ins Traumland einzukehren.


24.10.2008 – Expedition Fuerteventura
Der Reiseführer behauptet, das Fuerteventura die zweitgrößte Insel der Kanaren ist, jedoch auf Grund seines trockenen Klimas und der sehr spärlichen Vegetation nur dünn besiedelt ist.

Um neun sitzen wir vier in unserem froschgrünen Leihwagen und Michi am Steuer führt uns über sehr schöne Strassen in den Süden. Erster Stopp ist in Gran Tarajal, wo wir uns im Supermarkt mit einem Frühstück versorgen, welches wir dann auf der Hafenpromenade genießen. Kaffee und Tee haben wir schon am Schiff in unsere Thermoskannen gefüllt.

Gesättigt geht’s weiter in das Landesinnere, wo man sich in einer Wüste befindet. Doch immer wieder geht die Fahrt vorbei an Oasen, wo Palmen und auch andere Pflanzen gedeihen. Wasser wird mittels kleiner Windräder aus dem Boden gefördert und fließt dann in Speicherbassins, von wo aus die kleinen Grünflächen und Felder bewässert werden. Die Wüste ist also keinesfalls lebloses Land. Nur Tiere gibt es kaum, abgesehen von wenigen wilden Kaninchen, die man aber lieber als nationale Köstlichkeit in der Pfanne sieht. Und Ziegen, die maßgeblich an der Herstellung von Ziegenkäse beteiligt sind und auf den kargen Böden das auslangen finden.

Nach der Kleinstadt Costa Calma, wo es einen Tropenpark zu bewundern gäbe, zweigen wir auf eine kleine Nebenstraße ab, die uns direkt zu einem dieser traumhaften Sandstrände an der berühmten Jandia Playa führt. Hier sind vor allem die Kitesurfer daheim, aber auch andere Badegäste fühlen sich hier sehr wohl. Wir schlüpfen schnell in unsere Badehosen und nehmen ein erfrischendes Bad (geschätzte 23°) im Atlantik. Dann geht’s weiter über eine Autobahn nach Moro Jable, einem total vom Tourismus zerstörten Fischerdorf – wo ist das? Wir werfen kurz einen Blick in den Hafen, wo wir morgen für eine Nacht anlegen wollen, und dann geht’s auch schon wieder zurück bis zum Wegweiser nach La Pared an der Westküste Fuerteveturas.

Hier fühlen sich nur die Wellenreiter wohl, denn auf dieser Seite der Insel bläst der Wind mit konstanter Stärke und das Meer zeigt sich hier in seiner ganzen urtümlichen Wildheit – riesige Wellen rollen ohne jemals enden zu wollen gegen die schon teilweise stark ausgehöhlten Felsen, die nur selten von schmalen Sandzungen durchbrochen werden. Ein Blick vom Felsen in die Tiefe dieser Hölle lehrt einem das Fürchten. In sicherer Höhe genießen wir dann einen Kaffee, in einer Landschaft, wo sich auch der Tourismus noch sehr zurückhält.

Nun führt die Straße durch eine baumlose Berglandschaft, nur selten durch kleine Oasen mit Palmen und kleinen grünen Flecken unterbrochen, die man einfach nur als wunderschön bezeichnen kann. Aber Vorsicht – die kurvenreiche Bergstraße ist sehr eng, zumindest wenn einem ein Autobus entgegen kommt.

Gabi hat sich schon vorher reichlich mit Inselwissen voll gestopft und leitet uns weiter nach Pajara mit seiner schönen Kirche und weiter in die ehemalige Inselhauptstadt Betancuria. Auch hier bewundern wir die schöne Dorfkirche, bevor Gabi, Michi und ich über den Pilgerweg nach Antigua wandern. Hier kommt uns Werners Hang zum bequemen Reisen zugute, denn er führt unser Vehikel an das Ziel unserer Wanderung, von wo wir am frühen Abend zu unserem Ausgangspunkt zurück kehren.


25.10.2008 – Moro Jable
Für Heute haben wir nur die Fahrt nach Moro Jable, diesem zugebauten Fischerdorf geplant, geschätzte Distanz ca. 20nm. Da haben wir uns ganz schön verschätzt, denn als wir dann im Hafen anlegen, haben wir fast 39nm zurückgelegt, dafür alles mit segel und gutem Wind, wenig Geschaukel.

Im Hafen ist nichts los, wir legen am Transitsteg an, der sich aber nach Intervention eines „Einstern-Generals“ als privater Liegeplatz herausstellt. Da sind die Informationen in unserem Hafenhandbuch leider nicht mehr ganz aktuell. So müssen wir unseren Eintopf noch warten lassen, um vorher noch an die Mole zu übersiedeln. Die Nacht verläuft ruhig, sind wir doch von der spanischen Armee bestens bewacht – die Soldaten warten hier sichtlich auf die Fähre und müssen schwer bewaffnet die ganze Nacht den Hafen bewachen.


26.10.2008 – Nationalfeiertag
Die Fahne haben wir schon gehisst, gefeiert wird aber nicht. Uns erwartet heute ein anstrengender Tag. Wir wollen bis heute Abend Las Palmas auf Gran Canaria erreichen. Wir brechen schon zu früher Stunde auf, sogar um eine Stunde zu früh, denn die Zeitumstellung auf Winterzeit ist spurlos an uns vorüber gegangen. Irgendwann erfahre ich es von Pitty, da ist es aber schon zu spät.

Noch in der Dunkelheit verlassen wir den Hafen von Moro Jable. Dann geht’s vorerst noch ein paar Meilen im Schutze der Küste, bis wir in die Meerenge zwischen Fuerteventura und Gran Canaria eintreffen. Von hier bläst uns nun der Wind mit guten 25 – 30 Knoten auf die Seite und wir segeln halb am Wind auf Kurs 270° unserem Ziel entgegen.

Wellenberge heben uns immer wieder hoch hinauf - schnell ein Blick in die Ferne- um kurz danach wieder tief nach Unten in ein Wellental getragen zu werden. So geht das nun auf den nächsten 50 nm. Wir sind aber nicht die einzigen. Etwas schnellere Segler überholen uns zwar bald, doch auch größere Schiffe kreuzen ständig unseren Kurs. In der Nähe von Las Palmas nimmt der Schiffsverkehr sogar an Stärke so zu, dass wir ständig auf der Hut sein müssen, um nicht so einem dicken Frachter in die Quere zu kommen.

Fast auf der ganzen Strecke benötigt man beide Hände und seine ganze Kraft, um sich irgendwo anzuhalten. Aber das kann sicher nicht schaden, haben wir doch noch einige Seemeilen in dieser Art vor uns. Ab und zu wird es auch etwas feucht, vor allem wenn man nicht vorsichtig ist und schnell in Deckung geht, wenn eine ganz besonders freche Welle kurz einmal ins Boot schaut.

Aber irgendwann hat jeder Spaß ein Ende. Um 16.30 Uhr treffen wir nach 55nm im Hafen ein und erhalten trotz eines missglückten Funkverkehrs mit dem Hafenkapitän dann doch einen Liegeplatz für die nächsten Tage in der sehr großen und auch sehr günstigen Marina (ca. 8,00 Euro je Nacht), dicht gelegen an den Hochhäusern, die man schon weit vom Meer aus erkennen konnte.

Hungrig begeben wir uns in die Stadt und auch hier hat Gabi die Fäden fest in der Hand. Endlich erreichen wir den berühmten Strand an der anderen Seite der Stadt und finden bei einem Chinesen genau das richtige: ein Buffet mit vielen köstlichen Speisen, wo man soviel Essen darf, wie man kann – und es schmeckt wirklich!

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