07.10.2008 – Zurück aus der Heimat
Nachdem sich nun auch Werner und ich nach fast zwei Monaten Seeleben eine Woche Heimaturlaub gegönnt haben, kehren wir heute nachmittags zurück an Bord unserer Tattoo-Island. Michi ist ja schon seit 18. September in Wien.
Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass diese Woche eine wunderschöne Urlaubswoche war – eine der schönsten überhaupt, ganz ohne Stress und lästigen Verpflichtungen, sich einfach mit Familie und Freunden treffen, plaudern, gut essen, radln, usw. – das war wirklich traumhaft schön.
Aber irgendwann hat auch der schönste „Traum“ ein Ende und nun stehen Werner und ich wieder am Deck und prüfen, ob sich unsere Tattoo-Island in der Zeit unserer Abwesenheit auch erholt hat. Erfreulicher Weise sind keine Spuren von Vogelkot zu finden und auch sonst gibt es nichts zu bemängeln. Sie war während unserer Abwesenheit sehr gut aufgehoben.
Unser Tagesprogramm halten wir heute klein. Da wir schon seit vier Uhr morgens auf den Beinen sind und die Reise von Wien über Zürich nach Malaga auch nicht spurlos an uns vorüber gegangen ist, werden nur einfache Arbeiten durchgeführt.
Abends schauen wir noch einmal ins Internet-Cafe und dann zu unserer lieben Wirtin, die wir schon bei unserer Ankunft in Caleta besucht haben. Auch diesmal werden wir wieder verwöhnt. Es gibt Huhn und Schwein mit Pfeffersauce, dazu Brot und Salat und als Dankeschön wieder ein Minimagnum.
Satt und Müde fallen wir in unsere Kojen und träumen von morgen. Fast hätt ichs vergessen: Werner hat ja heute Geburtstag, seinen 44., aber gefeiert wird erst, wenn Michi an Bord ist.
08.10.2008 – Michi kommt
Tagwache ist um 08.30. Ich schau zwar schon einmal um sieben auf die Uhr, dreh mich dann aber sofort wieder um und schlafe noch eine Runde – denn um sieben Uhr ist es hier noch stockfinster.
Endlich wird es hell und wir können mit den Vorbereitungen unseres Frühstücks, wie üblich wieder in der erweiterten Version, beginnen. Dann werden noch ein paar kleine Handgriffe erledigt, der Wassertank wird gefüllt und um zwölf legen wir dann von Puerto Caleta de Velez ab. Unser heutiges Ziel ist die Stadt Malaga.
Michi stößt heute zu uns, gegen 21.30 soll seine Maschine am Flughafen Pablo Ruiz Picasso landen. Damit er dann nicht zu später Stunde mit dem Taxi zu uns nach Caleta kommen muss, was wahrscheinlich kostspielig ist, fahren wir ihm entgegen. Die Fahrt ist nicht untypisch und durchaus schon mit voran gegangenen zu vergleichen. Der Wetterbericht hat leider nur die Windrichtung erraten, mit der Windstärke liegt die Vorhersage leider etwas daneben.
Mit 25 bis 30 Konten Wind (statt der vorhergesagten 5 Knoten) auf den Bug stampfen wir die 17 Seemeilen nach Malaga. Glücklicherweise kommen die Wellen heute nicht von der Seite, denn das wäre wesentlich schlimmer, so fühlt man sich wie auf einer richtigen Schaukel, und ab und zu wird man gehörig rauf und runter geschaukelt.
Im Hafen von Malaga gibt es zwar Platz für riesige Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe, jedoch nicht für so kleine Yachten wie unsere. Es gibt zwar auch eine Marina, die hat aber für Gäste auch keine Liegeplätze. So müssen wir an der Mole anlegen, im Wissen, dass dieser Platz unverschämt teuer ist – diese Information fanden wir in unserem Hafenhandbuch. Und sie ist absolut korrekt. Für 55,00 Euro dürfen wir eine Nacht an der Mole anlegen, dafür wird wahrscheinlich ein Leuchtturm nach uns benannt werden.
Vor uns liegen noch zwei weitere Segelyachten, eine aus Deutschland, die zweite aus Norwegen und alle mit dem Ziel Gibraltar und weiter zu den Kanarischen Inseln.
Da wir nun bald die ersten wirklich langen Etappen vor uns haben, müssen wir unsere Vorräte noch aufstocken.
Einen großen Teil unseres Proviants haben wir schon aus Wien mitgebracht – ein ordentliches Gulasch oder eine Bohnensuppe von Inzersdorfer findet man halt nicht in einem spanischen Supermarkt, auch wenn er noch so gut sortiert sein mag. Jeder hat schon ca. 20 kg an Essbarem mitgeschleppt.
Nun fehlt uns nur mehr Wasser, Milch für Kaffee, Obst und Gemüse. Unser Trolli muss sich heute wieder ordentlich anstrengen. 90l Wasser, 24 Dosen Bier, 6l Milch, Obst und Gemüse werden in zwei Durchgängen an Bord geschafft und verstaut, leider holt sich unser Trolli dabei einen kleinen Reifendefekt. Arbeit macht bekanntlich hungrig und so holen wir uns dann bei „Dönerix“ einen sehr schmackhaften Döner.
Es ist nun schon halb neun und wir warten schon gespannt auf Michi’s SMS, die uns seine Ankunft melden soll. Es vergeht eine Stunde und wir nützen die Zeit und trinken noch einen Kaffee, dann kehren wir noch kurz in die „Brandweinstube“ ein, die wir schon von unserem allerersten Malagabesuch kennen und um ca. 22.00 Uhr piepst mein Handy: „Bin wieder am Boden“. Der Bus, mit dem Michi zum Bahnhof fährt, lässt auch nicht lange auf sich warten und als Werner und ich gerade die Kreuzung zum Bahnhof überqueren, winkt uns Michi schon aus dem Bus entgegen.
Schnell klemmen wir uns das Gepäck unter die Arme und marschieren zurück zu unserem Schiff, wo wir uns dann noch einiges zu erzählen haben, bevor wir an Schlaf denken.
09.10.2008 – Kurz vor Gibraltar
Nur ein kurzer Regenguss hat die Nachtruhe unterbrochen, als mir plötzlich ein paar Regentropfen auf die Nase spritzten. Schnell wird die Luke geschlossen und weitergeschlafen. Die heutige Nacht ist kurz - der Wecker läutet schon um 06.30, damit wir nicht zu spät unser heutiges Ziel, den Ort Puerto Sotogrande, erreichen. Sotogrande liegt nur mehr wenige Seemeilen von der Straße von Gibraltar entfernt und hat für uns hoffentlich noch ein freies Plätzchen.
Die Fahrt ist ruhig und immer wieder werden wir von Delfinen begleitet. Die Angelleine kommt auch wieder zum Einsatz – ein Fisch zum Abendessen wäre nicht schlecht. Ideale Bedingungen, um Tagebuch zu schreiben.
Wir erreichen unser Ziel um ca. 17.00 Uhr. Nach der hier üblichen Anmeldung über Funk legen wir an der Tankstelle an und begeben uns mit den notwendigen Papieren in das Büro der Marina. Die Überraschung ist leider groß, als wir merken, dass man hier groß abkassieren will – für zwei Nächte zahlen wir fast 85,00 Euro, zuzüglich eine Kaution in der Höhe von 30,00 Euro für den Dusche-Schlüssel und 85,00 Euro für einen Elektrostecker, den man dann noch selbst an das eigene Kabel anschließen muss. Glücklicherweise hat einer unserer Nachbarn einen Verteilerstecker und daran schließen wir uns an.
Leider hat uns kein Fisch zum Abendessen begleitet – stattdessen gibt es Penne mit Zucchini und Pesto Siciliana. Wir verlassen dann nochmals unsere Tattoo und tasten uns entlang der Straße in Richtung Sotogrande Zentrum. Vorbei an stilistisch nicht unschönen Apartmenthäusern, vorbei an einem Irish Pub und ein paar Cafe’s, geht es in das Dorfzentrum. An der Hauptstraße steht ein liebevoll restaurierter Wachturm, hier immer „Torre“ genannt, und beidseits typische Häuser Südandalusiens.
Nach einer ersten Erkundung drehen wir um und trinken noch ein Bier bei „KE“. Michi bestellt sich dann noch eine Schokotorte – köstlich.
10.10.2008 – Sturm
Ein fürchterliches Knarren der Heckklüsen unterbricht meinen Schlaf. Immer wenn sich eine der beiden Heckleinen spannt, ertönt dieses wirklich grausliche Geräusch. Ich dreh mich um und will noch nicht auf die Uhr schauen – denn draußen ist es noch stockfinster. Plötzlich spüre ich etwas Feuchtes auf der Nase – Regen. Sofort steh ich auf und schau, ob alle Luken und Löcher geschlossen sind. Dann schließe ich sofort meine Augen. Der Lärm wird immer schlimmer, immer wieder wird unsere Tattoo von heftigen Windböen gebeutelt. Der Sturm heult nun schon wirklich bedrohlich. Ich werfe einen Blick auf unseren Windanzeiger – fast 40 Knoten, das sind ca. 70 Km/h, also nicht gerade wenig.
An Schlaf ist nicht mehr zu denken, ich dreh mich von einer Seite auf die andere und wiederhole das mehrmals, leider ohne Erfolg. Immer wieder fegen Regenschauer über uns hinweg und wir sind heilfroh, ein schützendes Dach über dem Kopf zu haben. Unser Cockpitverdeck ist wirklich eine tolle Sache. Damit es noch länger hält, montieren wir hinten zusätzlich noch zwei Ösen und zurren das Verdeck am Achterdeck fest.
Um 08.30 gibt es dann Frühstück und danach steht der Besuch Gibraltars auf unserem Programm, trotz des widrigen Wetters. Von unserem Liegeplatz gehen wir durch die Anlage direkt über den Sandstrand zur Bushaltestelle. Am Strand beobachten wir riesige Wellen, die kurz vor dem Strand brechen und danach fast die gesamte Fläche überspülen – hier müssen wirklich gewaltige Kräfte im Spiel sein.
Nach Warten im Regen und einer etwas umständlichen Fahrt mit zwei Linienbussen erreichen wir den Busbahnhof von La Linea. Mit wenigen Schritten haben wir dann auch schon den Grenzübergang nach Gibraltar passiert. Gleich dahinter besteigen wir einen typisch englischen Doppeldeckerbus und lassen uns in das Zentrum dieser nur wenige Quadratkilometer großen britischen Enklave führen. Die Route führt übrigens gleich nach der Abfahrt über die Start- und Landebahn des Flughafens von Gibraltar. Sie reicht von einer Seite des Meeres zur Anderen.
„Gibraltar is very British!“ In der Stadt herrscht hektisches Treiben, fast in allen Straßen und Gassen stauen sich Autos, Busse und LKWs, wir erleben das totale Verkehrschaos. Zusätzlich ist die Situation durch den Sturm verschärft. Am Marktplatz wollen wir dann noch auf Fish & Chips einkehren, werden jedoch von einem Polizisten daran gehindert, da kurz vorher ein riesiger Ast fast den kompletten Schanigarten eines Lokals zugedeckt hat, glücklicherweise ohne Gäste. Panisch werden nun alle Passanten aus dem Gefahrenbereich vertrieben. Auch uns drückt eine plötzliche Böe einige Meter vorwärts. Wir finden dann doch ein Schlupfloch in der Sperre und kehren im „Tunnel“ ein. Die Fish & Chips, die man uns serviert, erfüllen voll unsere Erwartungen.
Um 19.45 geht’s dann mit dem Bus wieder heimwärts. Das Wetter hat sich noch immer nicht geändert. Der Sturm bläst unaufhörlich mit bis zu 50 Knoten und die Nacht wird sicher ungemütlich werden, trotz Ohrenstöpsel.
11.10.2008 – Noch immer Sturm
Es ist noch stockdunkel, der Wind heult unaufhörlich. Doch plötzlich wird der Lärm noch stärker – es klingt schrecklich. Ein paar Schiffe neben uns hat sich das Großsegel einer Yacht aus seiner Fixierung im Mast gelöst und selbstständig ausgerollt. Nun wird es im Wind hin und her geschlagen und verursacht einen höllischen Lärm.
Erst am Vormittag findet sich ein Marinero, der dem Spuk ein Ende bereitet. Es sieht heute auch schon ein bisschen freundlicher als gestern aus.
Neben uns liegt das Schiff einer wirklich lieben alten Dame, die gerade ihr Schiff von den Spuren des Sturms befreit. Sie ist Engländerin aus Guernsey und vor einigen Jahren mit einem winzigen Schiff aus ihrer Heimat nach Spanien gesegelt. Nun lebt sie hier auf einem schwedischen Trawler, Baujahr 1930, übrigens ein Jahr jünger als sie. Sie erzählt uns, dass sie hier noch nie so einen Sturm erlebt hat, seitdem sie hier lebt. Sie hat uns übrigens schon gestern angesprochen und gebeten, ihr im Notfall zu helfen, denn dieser Sturm lässt ihr keine Möglichkeit, das Schiff zu verlassen.
Nachdem wir unsere Vorräte noch um Gemüse, Obst, Brot und Bier ergänzt haben, werden heute noch ein paar Arbeiten erledigt. Dann müssen wir noch einen guten Wetterbericht finden, um in Zukunft wirklich zu wissen, wie das Wetter wird. Bis jetzt sind wir mit den Wetterinformationen der Hafenkapitäne und aus dem Internet ganz gut ausgekommen, ab jetzt müssen wir uns aber über unser Satellitentelefon und Kurzwelle mit Nachrichten versorgen und das werden wir heute noch testen.
Wir hoffen, das wir morgen durch die Straße von Gibraltar segeln können, das hängt jedoch ganz vom Wetter ab und auch davon, ob sich das Meer bis dahin schon beruhigt hat.
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