06.04.2009 – Wieder an Bord
Um 07.30 weckt mich Adelaide. Es gibt Kaffee und Baguette mit Marmelade. Um 08.00 verlassen wir die Wohnung. Adelaide begleitet mich noch zur Metrostation und hilft mir beim Kauf des Tickets. Ohne ihre Hilfe hätte ich das nie geschafft.
Dann fahren wir noch gemeinsam eine Station mit der M4. Um 09.30 stehe ich wieder am riesigen Flughafen Charles de Gaulle und nun kämpfe mich von Schalter zu Schalter. Glücklicherweise nur mit dem Handgepäck, denn die schweren Stücke, voll mit Proviant für die Rückreise, konnte ich schon am Flughafen Schwechat abgeben.
Ich bekomme einen Fensterplatz in der 45sten Sitzreihe. Neben mir nimmt ein älterer Herr Platz. Wir kommen ins Gespräch. Sein Name ist Brian Daniels und er kommt aus Wales. Heute lebt er jedoch die meiste Zeit des Jahres in Griechenland bei Athen. Nun fliegt er nach Antigua, wo er seinen Bruder auf dessen Yacht besucht, die in English Harbour vor Anker liegt.
Die Reise ist unterhaltsam. Brian ist begeisterter Trial- und Motorradfahrer. Wir erzählen uns gegenseitig von unseren Abenteuern. Dazwischen werden wir mit guten Speisen und Getränken vom Bordpersonal verwöhnt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Nur mit geringer Verspätung landen wir am Princess Juliana Airport in der Simpson Bay. Vorher dreht der Pilot noch eine Runde über die Insel St. Martin und ich bin vom Blau des Meeres fasziniert. Nur das Wasser der Lagune strahlt aus der Luft nicht in diesen wunderschönen Farbtönen. Es sieht auch von oben eher trüb und grau aus.
Um 13.52 setzen wir auf St. Martin auf. Bis alle Fluggäste, es sind an die 300 Personen, das Flugzeug verlassen haben, vergeht noch viel Zeit. Ich bin auch nicht in Eile und einer der letzten. Vor dem Schalter der Einwanderungsbehörde treffe ich alle meine Begleiter wieder.
Es dauert dann eine halbe Ewigkeit, bis auch ich abgefertigt bin. Jeder Einreisende muss haargenau angeben, wo er sich auf der Insel aufhält. Wer z.B. ein Schiff gechartert hat, muss den Namen der Marina und des Schiffes kennen. Ohne diese Angaben wird dem Urlaubsgast der Pass solange abgenommen, bis diese Informationen bekannt sind. Seltsam, aber wahr.
Das Gepäck liegt schon bereit. In der Ankunftshalle führt mich ein Mann zu einem Taxi. In einer endlosen Autoschlange schleichen wir zur Simpson bei Marina. Der Fahrer ist gereizt und flucht ununterbrochen, wahrscheinlich wegen der vielen entgangenen Geschäfte. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Fahrzeuge auf dieser kleinen Insel unterwegs sind. Und diese Fahrzeuge sind wahrlich keine Kleinwagen, sondern meist riesige Pickups.
Um 15.30 stehe ich auf der Pier der Simpson Bay Marina. Michi und Werner sind noch mit dem Putzen des Schiffes beschäftigt. Der Liegeplatz ist der Selbe wie vor meiner Abreise. Auch Klaus von der Friendship ist wieder nach St. Martin zurückgekehrt. Schon vor Wochen haben wir mittels Email vereinbart, den heutigen Abend gemeinsam zu verbringen.
Wie ich so an Bord sitze und mir die Schilderungen der letzten Woche anhöre, spüre ich, wie mich plötzlich eine große Müdigkeit überfällt. Erst jetzt wird mir bewusst, dass dieser Tag ein sehr langer ist. Denn daheim wäre es nun schon wieder fast 22.00 Uhr, hier scheint aber die Sonne und es ist erst 16.00 Uhr.
Am Abend essen wir Spagetti mit Tomatensauce. Anschließend treffen wir uns mit Klaus und seinem Sohn Swen und marschieren zu „Lady C“. Das ist das Lokal, wo wir schon einmal Spare Rips aßen.
Heute gibt es kübelweise Bier und Unmengen zu erzählen. Als schon fast alle Gäste das Lokal verlassen haben, begeben wir uns auch wieder an Bord. Klaus holt noch ein paar Flaschen Bier und das Erzählen geht weiter. Irgendwann übermannt mich die Müdigkeit aber endgültig und ich falle in meine Koje.
07.04.2009 – Philipp ist da
Gut ausgeschlafen erwache ich. Auf ein ordentliches Frühstück freue ich mich nun auch schon. Vormittags möchte ich die Homepage auf den letzten Stand bringen. Michi und Werner fahren mit dem Dingi zum Supermarkt und bestellen Bier und Wasser für die nächsten zwei Wochen. In diesem Geschäft bekommt man seine Einkäufe dann direkt in die Marina geliefert.
Ich sitze gerade in Jimbos Bar und surfe im Internet, als mir plötzlich zwei bekannte Gesichter auffallen. Sabine und Hannes aus der Steiermark betreten das Lokal. Die beiden ankern derzeit mit ihrer Amel 46 in der Simpson Bay. Kennen gelernt haben wir die uns durch Thomas und Kiki auf Dominica bei Portsmouth. Das liegt nun schon wieder viele Wochen zurück.
Knapp vor 13.00 Uhr muss ich mich aber von den beiden verabschieden. Heute trifft unser neues Crewmitglied ein, mein ehemaliger Arbeitskollege Philipp. Ich begebe mich zum Flughafen. Am Monitor in der Ankunftshalle sehe ich, dass Flug AF488 pünktlich um 13.40 landet. Und genau auf die Minute springt die Anzeige auf „gelandet“.
Es dauert dann aber noch geraume Zeit, bis Philipp endlich vor mir steht. Doch das wundert mich keinesfalls. Vorher läutet mein Telefon und Philipp fragt nach dem Namen der Marina. Ohne diese Angabe hätte er sonst nicht einreisen dürfen.
Wir besteigen ein Taxi und quälen uns, so wie ich gestern, in einer endlosen Kolonne bis zu unserem Ziel. Als wir vor der Tattoo stehen, sehe ich, dass die Lieferung des Supermarktes auch gerade angekommen sein muss. Dass Cockpit und auch der Salon sind voll mit Kartons voll Bier und Plastikflaschen mit Wasser.
Am Abend gibt es Koteletts mit Kartoffeln und Salat. Auch Philipp scheint von der langen Reise geschlaucht zu sein und fällt bald müde in seine Koje.
Es ist überhaupt seine erste Nacht auf einem Schiff.
08.04.2009 – Wir legen ab
Heute am Nachmittag wollen wir ablegen. Unser Ziel sind die British Virgins Islands, eine Gruppe von kleinen und kleinsten Inseln, etwa 90 Seemeilen westlich von Sint Maarten.
Nachdem wir gefrühstückt haben, erledigen Michi und Werner noch einige Arbeiten am Schiff, währenddessen Philipp Souvenirs besorgt und ich zum Zoll und zur Immigration gehe, um uns ordnungsgemäß abzumelden. Dann besorgen wir frisches Obst und Gemüse im Gourmet Marche.
Philipp und ich sind am Weg zur Marina. Kurz vor der Hebebrücke, die die Simpson Bay von der Simpson Bay Lagoon trennt, erblicke ich zwei völlig unerwartete Gesichter. Thomas und Kiki lachen uns entgegen. Sie haben kurzfristig ihre Pläne geändert. Gestern sind sie von Barbuda losgesegelt Ursprünglich wollten sie nach St. Barth. Der Wind war schwach und so erreichten sie die kleine Insel erst bei Dunkelheit. Da es dort jedoch unmöglich ist, in der Nacht zu ankern, sind sie weiter nach Sint Maarten gefahren. Nun ankern Sie mit Hannes und Sabine in der Simpson Bay
Wir erreichen die Marina. In Jimbos Bar, das Lokal liegt direkt vor dem Marinaeingang sitzen schon Michi und Werner und unterhalten sich mit Sabine und Hannes. Kurze Zeit später stoßen auch Thomas und Kiki dazu.
Leider müssen wir uns aber bald von diesen lieben Menschen verabschieden. Doch wir sehen uns hoffentlich wieder, wenn wir von den B.V.Is. zurückkehren. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.
Klaus, unser deutscher Nachbar, hängt heute den ganzen Tag am Mast. Er muss seinen demolierten Radarreflektor tauschen. Swen, sein Sohn, hilft ihm bei dieser anstrengenden Arbeit. Dieses kleine Gerät ist lebenswichtig, speziell wenn man, so wie Klaus, alleine auf hoher See unterwegs ist. Es zeigt sein Schiff am Radar anderer Schiffe an, und das noch dazu in starker Vergrößerung. So besteht kaum Gefahr, dass man von anderen Schiffen überfahren wird. Auch Klaus hat den Plan begraben, sein Schiff huckepack über den Atlantik zurückführen zu lassen. Der Preis dafür ist einfach zu hoch. Ursprünglich war es genau dieser Klaus, der uns auch auf diese Idee brachte.
Klaus ist wirklich ein witziger Typ. Nur von der Karibik hat er nicht viel gesehen. Insgesamt nur drei Inseln: Barbados, Grenada und Sint Maarten. Diese dafür aber ausgiebig. Dafür hat er anscheinend die Liebe seines Lebens kennen gelernt.
Wir verabschieden uns, aber Klaus werden wir sicher wieder hier treffen, bevor wir dann alle die Rückreise antreten.
Glücklicherweise habe ich am Zoll nochmals gefragt, wann die Brücke geöffnet wird. Die Zeitangabe im Hafenhandbuch ist falsch. Nicht um 17.30, sondern schon eine Stunde früher hebt der Brückenmeister das schwere Stahlgerüst. Glück gehabt, denn sonst hätten wir einen ganzen Tag verloren. Um 16.00 Uhr legen wir ab. Vor der Brücke drehen wir kleine Runden. Die Schlange der Wartenden wird länger und länger. Riesige Yachten warten ebenfalls auf die Ausfahrt.
Pünktlich um 16.30 schaltet die Ampel von rot auf grün – freie Fahrt. Als eine der letzten Yachten passieren wir die Durchfahrt. Wir nehmen Kurs auf Virgin Gorda, die uns am nächsten liegende Insel der British Virgin Islands. Kurs 285°, Wind aus NO, Windstärke zirka 10 bis 12 Knoten, die Wellen kommen auch aus dieser Richtung. Gemütlich schaukeln wir dem Ziel entgegen. Wir rollen die Genua aus und segeln mit knappen 4 Knoten unserem Ziel entgegen.
Eine günstige Gelegenheit, wieder einmal zu fischen. Und es dauert nicht lange, da dehnt sich das rote Gummiband – unsere Bissanzeige. Ein Fisch hat angebissen. Schnell rollt Michi die Leine auf. Schon aus der Ferne ist die Beute zu sehen. An Bord bemerken wir, dass auch noch ein anderer an unserem Fang Interesse hatte. Denn die Schwanzflosse ist abgebissen und auch am Rücken sind Spuren scharfer Zähne zu sehen.
In der Dämmerung tauchen plötzlich Delfinflossen aus dem Wasser. Ein Rudel begleitet uns fast eine halbe Stunde. Dann verschwinden sie in der Nacht so wie sie aufgetaucht sind.
Michi zerlegt den Fisch fachgerecht. Wir braten die saftigen Filets in der Pfanne und essen dazu Gemüse und Brot. Keine einzige Gräte trübt den Genuss. Michi, dass hast du wirklich gut gemacht! Nur Philipp fehlt es etwas an Appetit. Aber das ist kein Wunder, ist es doch heute der erste Segeltag in seinem Leben. Und eine Nachtfahrt am Atlantik ist sicher kein Honiglecken. Dafür hält er sich wirklich tapfer.
Um 22.00 beginnt meine erste Wache. Am Radar tauchen immer wieder kleine Punkte auf. Irgendwann kommt uns auch ein Segler entgegen, der über die Wellen hüpft. Ich bin froh, dass es Mitternacht ist. Nun kann ich endlich schlafen.
09.04.2009 – Virgin Gorda
Virgin Gorda nannte Columbus die Insel angeblich, weil sie angeblich die Form einer fetten Jungfrau hat. Darüber lässt sich sicher streiten. Doch noch liegen einige Seemeilen vor uns.
Um 04.00 beginnt meine nächste Wache. Ich habe heutevkaum ein Auge geschlossen. Entsprechend unausgeschlafen fühle ich mich nun auch. Und auch danach kann ich kaum schlafen. Warum? Keine Ahnung.
Um die Mittagszeit erreichen wir die Marina Virgin Gorda Harbour. Wir sind schon sehr hungrig, doch wir müssen noch geduldig warten, bis man uns einen Liegeplatz zuweist. Die Mitarbeiterin im Marinabüro ist nicht gerade die Freundlichkeit in Person und würdigt uns keines Blickes. Doch endlich können wir an einem der Stege festmachen. Endlich kann gefrühstückt werden.
Anschließend müssen wir zu Zoll und Einwanderungsbehörde. Um auf den British Virgins einzureisen, muss man pro Person zwei Formulare ausfüllen und zusätzlich eines für alle. Macht also neun Formulare. Natürlich will man von uns wissen, ob wir auch Drogen, Alkohol, Haustiere, Krankheiten oder andere Dinge einführen. Die Dame vom Zoll unterstellt uns außerdem, dass wir schon gestern eingereist sind. Wir hätten Sie nicht anlügen müssen. Endlich sind alle Papiere gestempelt, wir bezahlen 13,00 US$ für die Einreise und können das Büro verlassen.
Draußen vor dem Zollgebäude werden auf einer großen Wiese Zelte für das Osterfest aufgestellt. Philipp und ich holen unsere Badehose und suchen einen Strand. Hinter dem Zoll gibt es einen kleinen Sandstrand. Es reicht zum Baden, doch besonders beeindruckend finden wir es hier nicht. Unmittelbar neben uns wird gerade ein kleiner Frachter entladen. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf.
Wir kehren zurück und bestellen in der Marinabar ein Bier. Dann wollen wir uns in Spanish Town, dem größten Ort der Insel, ein bisschen umsehen. Nach nur wenigen Metern Fußmarsch erkundigen wir uns nach dem Zentrum. Wir befinden uns im Zentrum. Ein netter Herr bietet sich an, uns mit seinem Auto in eine nette Bar zu führen. Nach ungefähr 100 Metern Autofahrt lässt er uns wieder aussteigen. Wir haben das Ziel erreicht, die Green Bar. Wir bestellen Carib-Bier. Es beginnt zu regnen. Der Regen wird stärker und stärker. Es tropft durch das Dach.
Endlich lässt der Regen etwas nach und wir können an Bord zurückkehren. Auch hier ist alles total nass. Und auch dunkel ist es nun schon geworden. Wir essen Salat und Brot. Im Cockpit ist das Sitzen nicht sehr gemütlich, denn schwere Regentropfen lassen nur wenig Platz. Das ist aber heute nicht schlimm, denn die Müdigkeit übermannt mich und bald schlafe ich tief und fest.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen