Donnerstag, 16. April 2009

10.04 - 15.04.2009 - Fette Jungfrauen und andere Schätze

10.04.2009 – Spring Bay Beach
Um 06.00 hält mich heute nichts mehr im Bett. Ich bin ausgeschlafen und setzte mich bei Morgensonne ins Cockpit, um die Erlebnisse der letzten Tage niederzuschreiben. Kurz nach 08.00 kehrt dann Leben an Bord der Tattoo ein.

Wir frühstücken und genießen das herrliche Dinkelbrot, das Philipp von daheim mitgebracht hat. Ab nun müssen wir uns dann leider mit dem weniger geschmackvollen Weizengebäck der Region zufrieden geben.

Zunächst versuchen wir, etwas an Information über die Insel Virgin Gorda zu bekommen. Wir haben aber heute Pech. Es ist Karfreitag – hier ein Feiertag. Fast alle Geschäfte haben geschlossen. So packen wir unsere Badesachen in den Rucksack und erforschen die Insel per Pedes. Ein Taxifahrer hält neben uns an und fragt, ob wir seine Dienste benötigen.

Unser Ziel ist der berühmte Strand „The Bath“. „Zu Fuß mindestens eine Stunde“ erklärt der Mann. „No Problem“, antworten wir, denn das schaffen wir spielend. Wir gehen entlang der Hauptstraße. Ein Kreisverkehr. Zunächst stehen wir vor einer Strandbar und blicken über das Meer. Hier sind wir nicht richtig. Umkehren. Der richtige Weg ist aber schnell gefunden. Nach etwa einer halben Stunde weist ein Schild zum „Spring Bay Beach“. Eine unbefestigte Straße führt zu einem schmalen Pfad, links und rechts riesige Kakteen und bunt blühende Sträucher. Überall liegen riesige Granitblöcke. Die ganze Insel ist mit diesen riesigen Steinen bedeckt. Ihre Herkunft ist uns ein Rätsel.

Stufen führen zum Meer. Dann stehen wir vor kristallblauen Wasser in einem von Granitfelsen umrahmten Becken. Eine Gruppe Touristen genießt hier kühle Getränke. Wir marschieren weiter. Weißer Sand, riesige runde Steine und türkisblaues Wasser, auf der dem Meer abgewandten Seite strahlen rote, lila und orange Blüten und keine Menschenseele ist zu sehen. Ein Paradies. Wir stehen am Spring Bay Beach. Das ist für mich einer der schönsten Strände überhaupt, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe.

Das Wasser ist warm und klar. Zum Schwimmen ein Traum. Nach einigen Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Wir versuchen nun, gleich hinter dem Strand durch eine Anlage von sehr geschmackvollen Ferienhäusern in schön angelegten Gärten zur Straße zu gelangen. Doch ein versperrtes Gittertor hindert uns daran und wir müssen umkehren und so zurückgehen, wie wir gekommen sind. Dabei fällt uns ein Haus auf, bei dem auf einem Fahnenmast die österreichische Flagge weht. Welcher Landsmann mag hier wohl residieren. Flöttl? Meinl? Niemand ist zu sehen, nur auf einem Schild an der Einfahrt lesen wir „Sugar Mill Plantation“.

An der Hauptstraße kehren wir in einer netten Bar ein. Hier wird spanisch gesprochen, wie auch an vielen Orten der Insel. Die Kellnerin kommt aus der Dominikanischen Republik. Sie ist sehr nett. Nach zwei Bier kehren wir zurück auf unser Schiff.

Zu essen gibt es heute Spagetti mit Broccoli und Schinken. Dann stürzen wir uns in das Nachleben von Spanish Town. Zuerst besuchen wir die Bar „Green House“. Hier waren wir auch gestern. Doch heute ist das Lokal bis auf den letzten Barhocker voll besetzt. Alle Gäste Inselbewohner. Neben der Theke ist aber noch etwas Platz. Wir bestellen uns Carib.. Reggae in extremer Lautstärke macht eine Unterhaltung unmöglich. Aber auch die anderen Gäste schreien sich gegenseitig nur Wortfetzen in die Ohren. Und wir dachten, wir hätten ein zu empfindliches Gehör.

So verlassen wir nach kurzer Zeit diesen Ort. Michi und Werner begeben sich an Bord, während Philipp und ich noch unternehmungslustig sind. Nur wenige Meter entfernt finden wir ein Lokal mit Livemusik. Die Gäste fast ausschließlich Touristen. Die Stimmung ist gut. Wir bestellen zwei Rumpunch. Als die Band zu spielen aufhört, verabschieden wir uns auch.

Auch in der Marina ist noch alles Wach. Hier liegen vorwiegend Motorboote, deren Besitzer aus Puerto Rico kommen. Untertags fahren sie zum Fischen und abends wird gefeiert. An Bord erzählen wir uns auch noch Geschichten, bevor wir in das Land der Träume wandern.


11.04.2009 – Marina Cay
Unser Ziel ist die winzige Insel Marina Cay. Ich bin schon vor den anderen auf und kann heute die Homepage wieder aktualisieren. Während dieser Zeit beginne ich auch schon, das Frühstück vorzubereiten.

Dann muss ich etwas Geld abheben, bezahle im Marinabüro 90,00 US$ für zwei Tage am Steg und besorge mit Philipp in „Buck’s Supermarkt lebensmittel für die nächsten Tage. Wie wir an Bord zurückkehren herrscht Aufregung. Vor wenigen Momenten hat ein Motorboot mit seinem weit auskragenden Bugspitz unser Heck touchiert. Glücklicherweise konnten Michi und Werner das Schlimmste verhindern. Nur der Lack am Schaft des Außenborders ist etwas zerkratzt. Der Besitzer des Motorbootes entschuldigt sich vielmals. Die Fahrwege zwischen den Stegen sind oft wirklich eng angelegt und machen das Manövrieren mit einem größeren Schiff zu einem Hassardspiel.

Mittags verlassen wir Virgin Gorda Harbour. Der Weg nach Marina Cay, es liegt nördlich von Tortola, beträgt etwa 5 Seemeilen. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das winzige Eiland, rundherum umgeben von Riffen. Nur im Westen der Insel kann man anlegen, hier gibt es Ankerplätze und Bojen. Wir binden uns an einer der Bojen fest.

Dann machen wir unser Dingi startklar. Alle außer Michi rudern wir zum Dingisteg. Michi gelangt schwimmend auf die Insel. Und am weg dorthin findet er schon einige Conche-Schnecken, die er an einem Platz sammelt, um Sie dann am Rückweg mitzunehmen.

Nach dem Dingisteg befindet sich das Marinabüro. Hier bezahle ich die Liegegebühr für eine Nacht: 25,00 US$. Wir gehen zum Strand. Alles sieht hier sehr schmuck aus. Pusser’s Restaurant ist wirklich sehr geschmackvoll. Davor stehen mit Stroh gedeckte Sonnenschirme. Auf jedem ein Schild, mit der Bitte, das Rauchen am Strand zu unterlassen.

Wir gehen in das herrliche Wasser. Heute habe ich die Unterwasserkamera bei mir. Ich hoffe, dass es unter Wasser einiges zu sehen gibt. Vom Ufer fällt der Boden schnell um einige Meter ab. Unter mir sehe ich viele Korallen, leider sind die meisten abgestorben. Doch viele Fische, meist in Schwärmen ziehen ungestört an mir vorbei.

Auf der Insel gibt es außer dem Restaurant noch ein Hotel und am höchsten Punkt eine Bar. Alles ist gut versteckt in einem Kleid aus vielen Pflanzen.

Am Weg zurück führt uns Michi zu den Stellen, wo er seine Conche-Schnecken gelagert hat. Wir beladen das Dingi. Aus einem riesigen Schneckenhaus kriecht plötzlich eine kleine Krabbe. Wir befürdern sie zurück ins Meer.

An Bord beginnt nun das große Schlachten. Gabi und Michi haben schon in Guadeloupe diese sehr schönen Schnecken gefunden und auch zubereitet und gegessen. Doch besitzen diese Tiere außergewöhnliche Kräfte. Mit einem Eisenhacken und vereinten Kräften können Werner und Michi gerade eine kleine Schnecke aus ihrem Haus locken, die anderen lassen sich dadurch nicht beeindrucken. Weder mit der Säge, noch mit unserer wirklich starken Bohrmaschine lassen sich die Häuser kaputt machen.

Und dabei haben wir schon das Rezept vor uns liegen: Conche Fritti. Leider wird nichts daraus. Obwohl mir Gabi noch extra einen Artikel aus Wien mitgegeben hat. Hier wird beschrieben, wie die Frauen der Sacula-Indianer, wahrscheinlich Nachkommen der Arawaks oder Kariben, diese Tiere ganz einfach und ohne Gewalt aus ihren sehr massiven Schalen geholt haben. Die Methode ist aber nicht minder grausam. Man hängt die armen Geschöpfe mit ihrer Öffnungsklappe, dem Operculum, an einem Ast auf und wartet, bis die armen Tiere durch das Gewicht ihrer Schale förmlich aus ihrem Haus gezogen werden. Das dauert Stunden bis Tage.

Diese Methode wenden wir nun auch an und hängen einige der karibischen Riesenflügelschnecken an der Reling auf. Doch der anfangs große Appetit auf diese karibische Spezialität hat schon stark nachgelassen.

So essen wir Abends dann doch unsere Schweinekoteletts. Philipp mariniert die sehr schön aussehenden riesigen Fleischstücke in einer Sauce, bestehend aus Öl, Senf, Tomatenketchup, Honig und Sojasauce. Dazu gibt es Salat. Es schmeckt köstlich.


12.04.2009 – ein aufregender Ostersonntag
Heute ist Ostersonntag. Ein Festtag auch hier auf den British Virgin Islands. Auf Virgin Gorda war schon das halbe Inselvolk seit tagen mit den Aufbauarbeiten für Verkaufsstände, Bühnen und Rummelplatz beschäftigt. Hier auf Marina Cay ist es aber etwas ruhiger.

Heute gibt es dafür auch bei uns weiche Eier. Anstelle der bunten hartgekochten Eier. Dann beginnen wir mit den Vorbereitungen für den Aufbruch. Unser Ziel sind heute die Inseln Cooper Island und am Abend Norman Island. Norman Island soll Robert Louis Stevenson als Vorlage zu seinem Roman „Die Schatzinsel“ gedient haben. Doch bis wir dort sind, ereignen sich heute noch einige Erlebnisse.

Ein Schnellboot der Zollwache treibt langsam in die Bucht, wo wir liegen. Ich grüße freundlich und auch die Besatzung hebt den Arm zum Gruß. Aufmerksame begutachten Sie jedes Schiff. Auch wir werden genau betrachtet. Dann kreisen sie um unser Schiff herum, werfen ihre Fender an die Außenseite und machen zum Anlegen klar. Das Ziel ihrer Begierde sind wir.

Mit zwei Leinen binden sie ihr 825 PS starkes Geschoss an unserer Reling fest. Sie verlangen nach den Zollpapieren und den Reisepässen. Zu viert studieren Sie die Dokumente. Dann belehrt uns der beleibteste von Ihnen, was nun geschieht.

Alle müssen an Deck, er als Einsatzleiter und ein Kollege kommen zu uns an Bord. Ich muss mit ihm in die Kabinen kommen. Nun beginnt er, alles auf den Kopf zu stellen. Nichts entgeht seinem Blick, alles wird genau inspiziert, obwohl ihm das mit seiner Leibesfülle gar nicht so leicht fällt. Und wir führen nebenbei Gespräche über unser Schiff, unsere Reise und was wir so treiben. Nach ungefähr einer Stunde hat er noch immer nicht das gefunden, wonach er sucht. Wonach sucht er eigentlich? Er streift seine Gummihandschuhe ab und verabschiedet sich freundlich. Aber das gehört eben zu seinen Pflichten, wie er uns abschließend erklärt.

Nun können wir beruhigt ablegen. Der Wind ist sehr schwach. Mit Genua und Großsegel segeln wir gerade mit 2,5 bis 3,0 Knoten unserem ersten Ziel entgegen. Wir rollen die Genua ein und starten den Motor. Michi bemerkt, dass das Anzeige des Getriebe-Manometers heute sehr unruhig ist. Immer wieder fällt der Druck stark ab. Wir stoppen den Motor und öffnen den Deckel. Michi kontrolliert den Messstab des Getriebeöls. Es fehlt Öl. Doch wo ist das Leck. Fünf Messbecher sind erforderlich, um das fehlende Öl zu ergänzen. Dann starten wir den Motor und fahren in die Manchioneel Bay auf Cooper Island.

Hier legen wir an einer Boje an und gehen baden. Das Wasser ist herrlich klar. Nach einer Stunde segeln wir weiter in Richtung Norman Island. Nach kurzer Zeit wiederholt sich das Spiel mit dem Manometer. Der Zeiger pendelt wild hin und her. Nun geht Michi der Sache auf den Grund. Im Elektroschrank findet er dann endlich die Ursache. Das Manometer selbst ist schuld am Ölverlust. Das 32 Jahre alte Instrument ist undicht geworden.

Eine Lösung muss nun rasch gefunden werden. Die Ölleitung muss wieder abgedichtet werden. Wir segeln bei wenig Wind, während Michi und Werner das Manometer komplett zerlegen. Nur mit Gewalt kommt man in das Innere der Armatur. Das Anschlussstück aus Messing wird mit einer stumpfen Metallsäge abgeschnitten. Dann steckt Michi eine dünne Schraube durch die Bohrung und dichtet diese mit einer Dichtung und einer Mutter am oberen Ende ab. Nun kann das Verbindungsstück mit der Überwurfmutter an der Kupferleitung wieder angeschraubt werden.

Der Motor wird gestartet. Die Leitung ist dicht. Ein Stein der Erleichterung fällt herab. Es ist später Nachmittag als wir in die schöne Bucht „Pirates Bight“ einlaufen und an einer Boje festmachen. Heute gibt es Eierspeis mit dem Fleisch der Conche-Schnecke, hier auch Lambi genannt.

Anschließend wird gepokert, mit Würfeln. Philipp ist der Star des Abends. Sein Glück ist heute grenzenlos. Und ich bin der Glückliche an seiner Seite. Wir gewinnen in Rekordhöhe. Dann lauschen wir der Liveband – die „Uprising Band“ spielt heute im Restaurant am Strand. Als es vorbei ist, kehrt in der Bucht Stille ein. Auch wir begeben uns nun zu Bett.

Dieser Ostersonntag war ein wahrlich aufregender Tag.


13.04.2009 – Die Schatzinsel
Nach einer sehr angenehmen Nacht wollen Philipp und ich die Schatzinsel entdecken. Nachdem wir gefrühstückt haben, machen wir uns auf den Weg. Zehn Minuten müssen wir rundern, bis wir am Dingisteg anlegen können. Ein Restaurant, ein Tauchshop und ein Souvenirladen sind die wenigen Häuser, die auf der Insel stehen. Noch ist alles geschlossen. Doch gerade als wir über den schmalen Sandstrand gehen, legt die Fähre aus Tortola an und das Personal der Inselgeschäfte geht von Bord.

Philipp und ich marschieren entlang eines staubigen Pfades. Der Weg führt durch trockene Landschaft, bewachsen mit Sträuchern und Bäumen, dazwischen ragen die wie Arme aussehenden Triebe großer Kakteen aus dem Buschwerk. Wir erreichen die erste Anhöhe und werden mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Der Weg führt entlang des Kammes, vorbei an einem Hubschrauberlandeplatz. Wir gehen solange, bis wir in die nächste Ankerbucht blicken, dann kehren wir um.

Im Restaurant erfrischen wir uns bei einem kühlen Getränk und dann rudern wir zurüc an Bord. Hier herrscht Aufregung. Eine Hiobsbotschaft erwartet mich. Als Michi das fehlende Getriebeöl ergänzen wollte und den Einfüllstutzen öffnete, ist ihm eine milchige Sauce entgegengespritzt. Irgendwo muss ein Salzwasser in das Getriebe eindringen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt das Leck im Wärmetauscher.

Wir müssen also eine Möglichkeit finden, den Ölkühler zu tauschen. Die Marina Nanny liegt etwa fünf Seemeilen entfernt auf der Nachbarinsel Tortola. Hier ist die Chance am Größten, die notwendigen Teile zu bekommen. Wir legen unter Segel ab und steuern unser Ziel an. Trotz wenig Wind erreichen wir die Nanny Cay Marina nach etwa eineinhalb Stunden und um 15 Uhr legen wir hier an.

Die Damen im Büro empfangen uns sehr freundlich und weisen uns einen Liegeplatz zu. Ich bekomme auch die Telefonnummer eines Mechanikers, der hier in der Werft, die unmittelbar neben der Marina angesiedelt ist. Nur heute ist Ostermontag und wir müssen uns noch bis morgen gedulden.

Trotzdem beginnen wir schon mit den Vorbereitungen und demontieren den Wärmetauscher. Unseren Vermutungen nach ist er die Wurzel des Übels, denn nur von hier ist es möglich, das Salzwasser durch ein Leck in das Innere des Getriebes gelangt.

Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich. Zunächst freuen wir uns wieder über eine ordentliche Dusche. Und hier werden wir regelrecht verwöhnt. Jedem steht ein eigenes Badezimmer zur Verfügung. So einen Komfort hatten wir noch nirgends. Dusche, Waschbecken und WC in einem gemütlichen Raum, das ist wirklich toll.

Es gibt heute Palatschinken. Doch irgendwie wollen die heute nicht so werden wie beim letzten Mal. Ich komme aber nicht dahinter, warum. Wahrscheinlich liegt es an der Pfanne. Trotzdem lassen wir es uns dann schmecken, denn gefüllt mit der Brombeermarmelade von Michi und Gabi ist mein Ärger schnell verflogen.

Danach gehen wir an Land und suchen eine Bar, wo man ein kühles Bier bekommt. Außerhalb der Marina sehen wir eine Carib-Leuchtreklame – da müssen wir richtig sein. Um die viereckige Bar herum sitzen einige Gäste und starren auf eine riesige Leinwand. Hier wird gerade der Film „Fluch der Karibik“, Teil 3, gespielt. Wir nehmen Platz in der ersten Reihe und schauen uns das monströse Finale dieses Abenteuerspektakels an. Wie passend.

Die Nacht ist sehr ungemütlich. Es ist drückend heiß und windstill und Heerscharen von Mosquitos machen das Schlafen unmöglich. Alleine ihr Summen bringt mich an den Rande des Wahnsinns. Glücklicherweise finde ich noch etwas Mückenspray, sodass ich mir die Viecher so doch etwas vom Leib halten kann.


14.04.2009 – Mr. Lincoln
Eigentlich sind wir heute alle froh, dass diese Nacht vorüber ist. Und wir setzen große Hoffnungen in diesen Tag. Das Frühstück lassen wir trotzdem nicht sausen. Doch gleich danach mach ich mich auf die Suche nach dem Mechaniker, von dem wir gestern die Telefonnummer erhalten haben. Nach zweimal Fragen in der Werft stehe ich vor der Türe von Mr. Lincolns Büro. Verschlossen. Nebenan ist eine Tischlerwerkstatt. Ich trete ein und frage nach Mr. Lincoln, den man hier zum Glück überall kennt. Der Meister geht in sein Büro und bittet seine Frau, Mr. Lincoln anzurufen. Er hebt ab und meint, in etwa einer halben Stunde in der Werft zu sein. Ich kehre um.

Nachdem eine halbe Stunde vergangen ist, starten Michi und ich einen zweiten Versuch. Auch diesmal ist die Türe seines Büros verschlossen. Doch als wir an der Türe stehen und uns umsehen, fragt von hinten eine Stimme, was wir wollen. Ein Mann steht auf einem Boot und wiegt gerade frisch gefangene Fische. Er erklärt, ein Freund von Mr. Lincoln zu sein. Wir erklären ihm unser Problem mit dem Getriebe. Er nimmt sein Telefon, wählt mr. Lincolns Nummer und reicht mit den Apparat. Eine freundliche Stimme grüßt und ich erzähle die Geschichte ein zweites Mal. Mr. Lincoln verspricht, in einer Stunde bei uns am Schiff zu sein.

Und wirklich, es ist nicht viel mehr als eine Stunde vergangen, da taucht ein Mann auf einem Fahrrad auf und kommt auf uns zu. Er grüßt freundlich, doch scheint er nicht Mr. Lincoln zu sein. Er fragt nach unserem Problem und wir zeigen ihm die ausgebauten Teile und öffnen auch den Motordeckel. Seinem Blick nach zu schließen, erfasst er die Situation in wenigen Momenten und meint, dass er in Kürze zurück ist. Er verschwindet wieder.

Philipp und ich verabschieden sich nun auch. Wir wollen einkaufen gehen, denn wir benötigen frisches Obst und noch einige andere Lebensmittel. Wir marschieren aus dem Marinagelände und biegen auf der Hauptstraße nach rechts ab, in Richtung Road Town. Road Town ist die Hauptstadt Tortolas. Philipp erklärt mir, dass der Name dieser Stadt übersetzt nicht etwa „Straßenstadt“ heißt, wie ich eigentlich vermutet habe, sondern aus dem spanischen kommt und „Großer Hafen“ bedeutet.

Es ist sehr heiß und der Weg auf der engen Straße ist nicht ungefährlich. Die an uns vorbeirasenden Fahrzeuge weichen meist nur knapp aus, sodass man immer auf die Seite springen muss, wenn sich eines dieser Monsterfahrzeuge nähert. Wir befinden uns im Ort „Sea Cow Bay“ und hier gibt es gar nichts. Wir fragen in einer Tischlerei nach einem Supermarkt. Der freundliche Mann meint, dass wir da schon nach Road Town müssen. Road Town ist etwa sieben Meilen entfernt. Viel zu weit, um es zu Fuß zu erreichen. Busse fahren aber nur ab und zu, es gibt keinen regelmäßigen Verkehr. Am Besten sei es per Autostopp. Ich winke also einmal mit beiden Händen, als gerade wieder ein Auto an uns vorbeifährt und auch der Fahrer hält sofort an.

In wenigen Minuten haben wir die Stadtgrenze erreicht. Das waren sicher keine sieben Meilen. Wir sehen auch gleich einen kleinen Supermarkt und beginnen, unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Doch das Angebot ist nicht sehr üppig und so ziehen wir weiter. Es muss doch im Zentrum von Tortola noch bessere Einkaufsmöglichkeiten geben. Und tatsächlich, nachdem wir die eher trostlos wirkende Metropole der Insel fast durchquert haben, zeigt uns ein Bursche den richtigen Weg. Etwas versteckt stehen wir nun vor einem Geschäft, wo es wirklich alles gibt.

Philipp und ich füllen unseren Einkaufswagen und voll gepackt mit frischen Lebensmitteln lassen wir uns mit einem Taxi zurück in die Marina führen. Hier gibt es auch Fortschritte. Der Mechaniker von Mr. Lincoln hat unseren Ölkühler einer Druckprobe unterzogen und festgestellt, dass er ein Leck hat. Dies ist also die Ursache, warum Salzwasser im Getriebe ist. Er hat auch schnell das passende Ersatzteil zur Hand. Es ist zwar nicht billig, aber wir müssen in den sauren Apfel beissen. 520,00 US$ kostet es. Und dann kommt noch etwas Arbeitszeit dazu.

Während am Schiff fleißig gearbeitet wird, gehen Philipp und ich an den nahen Strand baden. Als wir zurückkehren, ist der Ölkühler schon eingebaut. Mr. Lincolns Sohn führt mich mit seinem Boot zu einem Geschäft, wo ich Getriebeöl besorgen kann. Beim Aussteigen aus dem Boot wäre es fast wieder zu einer kleinen Katastrophe gekommen. Wir legen an einer relativ hohen Mauer an. Ich greife nach oben, in einer Hand meine Geldbörse. Um mich hochziehen zu können, muss ich die Geldbörse aber aus der Hand geben. Und nur einen Bruchteil später fällt dieses wichtige Stück in das Wasser. Dahinter war nämlich leider ein Hohlraum, den ich nicht sehen konnte. Glücklicherweise fällt dieses wichtige Stück neben mir in das Wasser und mit einem schnellen Griff kann ich sie retten. Puhh, das war knapp.

An Bord erklärt uns Mr. Lincoln, wie wir nun unser Getriebe pflegen müssen. Spätestens in einer Woche müssen wir das Öl nochmals vollständig wechseln, damit ja kein Wasser im Getriebe zurückbleibt. Abends kocht heute Philipp Nudeln mit Broccoli und Shrimps. Das schmeckt wirklich ausgezeichnet. Danach gibt es nun das Rückspiel im Würfelpokern. Heute haben Michi und Werner jedoch mehr Glück als beim letzten Spiel.


15.04.2009 – Sandstrände und Strandbars
Die Reparatur ist noch nicht abgeschlossen. Um 08.30 hat der Mechaniker gesagt, nochmals zu kommen und die Arbeit zu beenden. Daher wird heute schon zeitig gefrühstückt.

Auch um 09.30 ist noch kein Mechaniker zu sehen. Ich mache mich auf den Weg zur Werkstatt. Dort fragt man mich, ob wir das Getriebeöl schon gekauft haben. Eigentlich war vereinbart, dass er das Öl mitbringt. Ein Missverständnis. Werner holt das Öl und endlich steht der Mechaniker an Bord. Er stellt bei näherer Betrachtung des Motors und der Antriebswelle fest, dass diese auch zentriert werden sollte. Das dauert etwa drei bis vier Stunden. Also noch ein Tag in der Marina.

Philipp und ich werden an Bord nicht benötigt und so wollen wir die schönsten Plätze der Insel von land aus erkunden. Wir nehmen ein Taxi und lassen uns für 21,00 US$ zum Long Bay Beach führen. Dieser 1,6 km lange Sandstrand soll einer der schönsten auf Tortola sein. Nach kurzer Fahrzeit lässt uns der Fahrer aussteigen.

Wir stehen an einem langen weißen Sandstrand, der mit Palmen gesäumt ist. Nur auf den ersten Metern liegen viele Menschen, dann wird es zusehends einsamer. Hinter einem schwarzen Felsen entdecken wir eine winzige Strandbar. Wir wandern bis ans Ende, wo der Sand dann von Geröll ersetzt wird. Ein schmaler Pfad führt in ein Wäldchen. Wir marschieren den Pfad entlang und stehen an einem Salzsee, wo der weg endet. Wir kehren um und machen an der Bar von „Nature Boy“ eine Pause. Hier fühlt man sich wieder in der Karibik. Sonne, Sand, nur das Rauschen des Meeres ist zu hören. Eine SMS von Michi reißt mich aus den Träumen: „Alles erledigt und Okay!“ Mir fällt ein Stein vom Herzen. Fast hätten wir vergessen, dass wir uns auch noch andere Plätze auf Tortola ansehen wollten.

Wir gehen also weiter über eine unbefestigte Straße zur Smuggler Cove. Die Dame im Marinabüro hat uns diesen Platz als einen der schönsten und ruhigsten der Insel empfohlen. Wir stehen nach kurzer Zeit in einer Bucht mit glasklaren türkisblauen Wasser, umrandet mit weißen Sand und Palmen. Philipp stürzt sich sofort ins Meer.

Auf einem einfachen Gerüst stehen Flaschen mit verschiedenen Getränken und dahinter steigt Rauch von einem Holzkohlengrill in die Höhe. Zwei Damen betreiben hier ein kleines Restaurant. Wir lassen uns auf zwei Liegen nieder und genießen die Atmosphäre.

Dann wandern wir den Weg weiter. Die Aussicht ist phantastisch. Man sieht von hier die Inselwelt der Jungfraueninseln besonders schön. Jost van Dyke, Saint John und dahinter Saint Thomas, die beide schon zu Amerika gehören. Dazwischen eine Vielzahl winziger Inseln. Nach etwa einer halben Stunde liegt Soper Hole vor uns. Ein große Bucht, in der viele Schiffe ankern. Eigentlich wollten wir heute auch schon hier liegen, wäre uns nicht das Malheur mit dem Getriebe passiert.

Von hier fahren wir wieder mit einem Taxi zu unserer Marina. Der Fahrer heißt Valentin und rast, trotz seines nicht mehr jugendlichen Alters, wie ein Verrückter. Wir sitzen hinten in einem dieser riesigen Taxis, die auf der Ladefläche Sitzbänke und ein Dach haben und meist bunt bemalt sind. Vor der Marinaenfahrt hält er an und wir steigen erleichtert aus.

Philipp ist auch heute der Küchenchef. Es gibt thailändische Kost. Gemüse, Huhn und Shrimps mit Curry in Kokosmilch. Und Reis. Der Wok ist randvoll, doch nichts bleibt über. Mit einer Runde Bauernschnapsen beenden wir den Tag. Müde falle ich heute in meine Koje. Der Tag war herrlich. Heute habe ich endlich weißen Sand in eine Flasche füllen können, denn das habe ich Patricia versprochen, ihr von einem der schönsten Strände ein wenig davon mitzubringen.

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