Sonntag, 26. April 2009

22.04 - 25.04.2009 - Karibik ade, scheiden tut (nicht so) weh

22.04.2009 – Letzte Vorbereitungen
Das Scheiden nicht immer wehtun muss, erfahren wir am eigenen Leibe. Das soll aber nicht heißen, dass es uns nicht gefallen hat. Doch ein Jahr von Familie und Freunden getrennt zu sein, ist eine sehr große Belastung. Und das spüren wir alle. Jeder will nur zurück zu seinen liebsten. Und das auf dem schnellsten Weg. Lieber heute als morgen.

Leider ist unsere Tattoo kein „Fliegender Holländer“. Doch wir werden aus ihr herausholen, was möglich ist. Wir bitten den Wettergott, uns gnädig zu sein. Und das alles genauso hält, wie bisher.

Heute wird der Plan gemacht, was noch alles zu erledigen ist. Am Schiff, speziell Motor und Rigg müssen vorher noch auf das Gründlichste überprüft und gewartet werden. Die Proviantkiste muss für zirka dreißig Tage gefüllt werden, Trinkwasser und auch andere Getränke müssen ihren Platz haben.

Klaus von der Friendship ist wirklich ein Fachmann. Mit Hilfe seines Wantenspannungsmessgerätes können Michi und Werner das Rigg unserer Tattoo optimal trimmen. Klaus kommt ein paar Mal vorbei und überprüft die Arbeit. Währenddessen stelle ich den Speiseplan für die nächsten Wochen zusammen. Und danach die Einkaufsliste.

Nach dem Rigg kommt der Motor an die Reihe. Ölwechsel von Motoröl und Getriebeöl. Auch ein Wechsel des Dieselfilters von der Treibstoffzuleitung steht an. Unsere Liste wird zwar kürzer, doch es ist noch eine Reihe von Punkten, die offen sind. Aber Morgen ist auch noch ein Tag.

Abends gibt es einen Salat mit all den Resten, die noch an Bord zu finden sind. Derzeit sind unsere Vorräte ziemlich am Ende, ausgenommen Konservendosen. Die heben wir uns aber für die Rückreise auf.

Über Funk haben wir uns mit Thomas und Kiki ein Treffen bei Lady C vereinbart. Mit einer kleinen Verspätung treffen wir im Lokal ein. Thomas und Kiki warten schon. Eine kleine Band ist mit dem Aufbau ihrer Anlage beschäftigt. Wir bestellen uns Bier im Kübel. Hier gibt es Mengenrabatt. Man bezahlt fünf Bier und bekommt sechs. Thomas bestellt Sparerips, von denen man hier auch soviel bestellen kann, wie man verzehren kann. Doch bei der zweiten Portion müssen wir ihm helfen.

Dann beginnt die Zweimannband zu spielen, und das tun sie super. Der Sänger hat wirklich eine tolle Stimme. Die Nacht wird lang und länger. Und irgendwann zu später Stunde, die Musik ist schon lange aus, verabschieden wir uns und wanken an Bord. Doch wir müssen diese Abende noch genießen, denn bald haben wir eine lange Durststrecke vor uns.


23.04.2009 – Die letzten Einkäufe werden verschoben
Alles schläft, nur ich bin wach. Ein Blick auf die Uhr verrät mir: es ist an der Zeit aufzustehen. Ich hole aus dem Supermarkt des Chinesen frisches Baguette. An Bord schläft noch immer alles. Ich wecke Michi und Werner.

Nach dem Frühstück, ich bin heute noch etwas schlapp vom gestrigen Abend bei Lady C, besprechen wir unseren Tagesplan. Spätestens am Samstag, das ist der 25. April, wollen wir aufbrechen. Um 12.00 Uhr haben wir uns mit Kiki und Thomas verabredet. Sie kommen mit Eiern und Speck und wir frühstücken gemeinsam. Wir zwar schon zum zweiten Mal, aber das macht nichts.

Der Dieselgrobfilter wurde gereinigt, der Dieselfeinfilter wurde getauscht, der Motor muss noch entlüftet werden. Alle Splinte und Sicherungsstifte am Rigg sind zu erneuern, das Material dazu muss bei „Budget“, dem Speziallist für Segler gekauft werden. Die Kurzwellenantenne ist neu zu montieren, derzeit steht sie etwas geknickt da. Die Leuchtstoffröhre über der Pantry muss erneuert werden, usw. Ich bin an Bord, als Kiki und Thomas mit ihrem Dingi anlegen. Thomas sieht auch noch etwas mitgenommen aus. Wir plaudern über dies und das, dann gibt es Eier mit Speck, Käse, Joghurt mit Papaya und Kuchen.

Nachmittags um ungefähr 16.00 Uhr gehe ich in Jimbos Bar und telefoniere über Skype mit Pitty, Pauli und Erwin. Die Kellnerin ist neugierig und schaut mir über die Schulter: „Who ist this, your Wife!“ Ich antworte mit „yes“ und die nächste kommt, um mir neugierig über die Schulter zu schauen.
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Dann wird wieder gearbeitet. Die Liste wird kürzer. Punkt um Punkt kann gestrichen werden. Doch den großen Lebensmitteleinkauf verschieben wir lieber auf morgen. Wir müssen auch noch tanken, alle Reservekanister füllen, Wasser bunkern, das Dingi reinigen und verstauen, und und und. Es gibt noch viel zu erledigen!

Abends verspeisen wir den Rest unseres Baguettes mit Käse und Wurst. Um 20.30 Uhr treffen wir uns wieder mit Kiki und Thomas, in Jimbos Bar. Thomas erzählt, wie sein Schiff Kiki von den Philippinen nach Italien kam. Noch spannender ist aber die Geschichte, wie die beiden bei La Linea ankerten, als der Sturm kam. Riesige Brecher zerrten mit immensen Kräften an der Ankerkette, doch glücklicherweise überstanden alle dieses Unwetter fast schadlos. Auch wir waren zu dieser Zeit in der Nähe, jedoch hatten wir einen sicheren Platz in der Marina Sotogrande. Um 23.00 Uhr verabschieden wir uns.

Nur mehr zwei Tage. Unser größter Wunsch: Gutes Wetter, guten, aber nicht zu starken Wind, sanfte Wellen. Wir werden den Wetterbericht sehr genau betrachten. Gute Nacht!


24.04.2009 – Letzte Handgriffe
Heute ist es soweit. Nein, die Abreise kann noch nicht erfolgen, aber unser Großeinkauf findet heute statt. Vorerst versuchen wir aber noch, ein Manometer für unseren Getriebeöldruck zu bekommen. Wir fahren mit dem Dingi an das gegenüberliegende Ufer der Simpson Bay Lagoon. Hier befinden sich einige große Firmen. Die Mitarbeiter von F.K.G. sind sehr hilfsbereit und auch ihr Chef. Doch sie haben leider nicht die gewünschten Teile und schicken uns zu NAPA. Hier bekommen wir dann unseren Öldruckmesser.

Michi führt Werner und mich zur nächsten Station und fährt dann selbst wieder zurück an Bord, um die offenen Arbeiten zu beenden. Werner und ich gehen dann zum „Grand Marche“, einem wirklich großen Supermarkt. Unsere Einkaufsliste wird kürzer und kürzer. Nach fast zwei Stunden zahlen wir und unsere ganzen Vorräte für die nächsten Wochen werden in einem Kleinbus verladen, dessen Heckklappe leider klemmt.

Michi hat während unserer Abwesenheit die Rollgenua repariert. Es waren einige Nähte aufgegangen. Diese sind nun alle wieder ordentlich vernäht.

Wieder zurück in der Simpson Bay Marina beginnt nun das große Verstauen. Ich muss dann nochmals über die Lagune fahren, um den Öldruckmesser zurück zu bringen. Leider konnten wir ihn nicht montieren. Nun müssen wir die Heimreise leider ohne dieses sehr wichtige Kontrollinstrument antreten. Bei „ACE“ kaufe ich dann noch den für uns lebenswichtigen Brennspiritus. Ohne diesen könnten wir nichts kochen.

Am Abend treffen wir uns wieder mit Thomas bei Lady C. Kiki ist zu müde und kommt heute nicht. Dafür kommt Klaus noch zu später Stunde. Die Nacht ist sehr unterhaltsam und erst zu später Stunde kehren wir an Bord zurück. Leider können wir die Souvenirs, die netten Carib-Küberln nicht mitnehmen. Ein Security-Mann nimmt uns unsere Beute wieder ab. Aber Thomas verspricht, einen zweiten Versuch zu wagen.

Werner führen wir in der Marina vorsichtshalber mit dem Schubkarren zum Steg, damit er uns heute nicht ins Wasser fällt.

Und morgen müssen wir tanken, endlich die Scheuerleiste austauschen und noch ein paar Kleinigkeiten erledigen. Dann müssten wir soweit sein.


25.04.2009 – Letzter Tag Karibik
Nun ist es wirklich soweit. Die Arbeiten an Bord sind so gut wie erledigt. Alles ist überprüft worden, die Vorräte sind verstaut, die Wassertanks sind voll, zusätzlich zu unseren 400l Nutzwasser haben wir noch 150l Trinkwasser in Plastikflaschen mit. Auch unsere Dieselvorräte haben wir aufgestockt, um in einer eventuellen Flaute nicht zuviel Zeit zu verlieren. Insgesamt 18 5l-Flaschen haben wir nun zusätzlich zu den 3 25l-Kanistern an Bord. Das sind nun insgesamt 165l Reserve zu den 400l in den zwei Dieseltanks.

Ich montiere heute noch die neue Scheuerleiste, die uns der Tischler in der Nanny Cay Marina auf Tortola angefertigt hat. Das ist eine unangenehme Arbeit, denn die alten Schrauben halten bombenfest und lassen sich nur mit Gewalt entfernen. Außerdem kann ich nur am Bauch liegend arbeiten. Doch kurz vor 03.00 Uhr bin ich fertig. Eine denkwürdige Arbeit. Gleich am allerersten Tag in der Karibik haben wir uns die Scheuerleiste im Hafen von Barbados zerstört (am 16.12.2008) und nun, am wahrscheinlich letzten Tag in der Karibik haben wir es endlich geschafft, sie zu reparieren.

Nun noch schnell in Jimbos Bar, wo ich mit Patricia, Lilli und Pauli und Erwin über Skype telefoniere. Eine wirklich tolle Sache. Ursl, Robert, Babsi, Walter und Weuzi sind heute bei Pitty zum Essen eingeladen. Eine günstige Gelegenheit, mit allen ein wenig zu plaudern.

Dann rufe ich noch Bodo und Ilona an. Das habe ich mir schon vor Tagen vorgenommen. Die beiden sind am ersten April von Barbuda zu den Azoren aufgebrochen. Nun müssten Sie schon am Ziel sein. Es klingelt. Bodo hebt ab. Er erzählt mir von der Überfahrt. Zwanzig Tage waren sie unterwegs, bevor sie auf der Insel Flores gelandet sind. Die Wind- und Wetterverhältnisse waren für die frühe Fahrt durch dieses Gebiet sehr günstig. Nur zwei Tage hatten sie fast keinen Wind, die restliche Zeit blies er aus Süd auf Nordwest drehend mit 4 bis 7 Windstärken. Die Höchsten Wellen waren ungefähr sechs Meter hoch. Ich habe mir alle wichtigen Daten notiert. Vielleicht hilft uns das bei unserer Routenplanung.

Die letzten Tage waren anstrengend. Auch ist die Anspannung vor dieser großen Überfahrt uns allen anzumerken. Da tut es gut, wenn es etwas Ablenkung gibt. Deshalb verbringen wir den letzten Abend wieder mit Thomas und Kiki. Wir gehen in die Strandbar beim Pelican Point essen, wo wir schon am Montag sehr zufrieden waren. Freundliche Bedienung, gutes Essen und Gute Preise. Ich bin aber hundemüde und könnte auf der Stelle einschlafen. Immer wieder fallen mir die Augen zu.

Im Bett bin ich bald im Reich der Träume. Gute Nacht! Ich freu mich schon auf die Azoren! Warum müssen die denn so weit weg sein?

1 Kommentar:

andij hat gesagt…

hallo meixi,

freut mich das es euch gut geht und ihr bald wieder in wien seid.vieleicht schafft ihr es bis zum 5.6.09 wieder da zu sein da die Petra (Ex Flinsi) und ich ein Festl auf der Alm von der Petra machen.( 6. und 7.6) wir haben da einen ganzen Gasthof gemietet, und es kommen hoffentlich alle alten Freunde usw.... würde uns freuen wenn es sich für Euch auch ausgeht!
Alle, Alles Gute bei der Heimfahrt- Strahler