Montag, 8. September 2008

03.09. - 07.09.2008 - Muggia (Italien)– Balearen (Spanien) - 1613 Seemeilen

03.09.2008 – Ankunft in Menorca
Nun liegen wir seit ca. 10.00 Uhr vormittags im zweitgrößten Naturhafen der Welt (nach Pearl Harbour auf Hawaii) und lassen die Seele baumeln. Nachmittags begeben wir uns in das Zentrum von Mahon. Es ist eine nette Kleinstadt mit viel englischen Flair. Briten haben hier ihre Spuren hinterlassen, auch was die Verständigung betrifft kommt man hier mit Englisch wesentlich weiter als in Italien. Wir marschieren zum Hafen, wo gerade ein großes Kreuzfahrtschiff angelegt hat über die Stufen zum Placa d’Espanya, wo sich der Fischmarkt befindet und daneben am Placa del Carmen der Dom mit angeschlossenen Markt, und im Kellergeschoss ein SPAR.

Abends wird gekocht und eigentlich wollten wir noch ein bisschen Nightlife, aber wir sind zu müde oder vielleicht auch schon zu alt.


04.09.2008 – Mao, wir kommen
Aufwachen, schnell unter die Dusche (im Container) und dann gleich zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Eigentlich wollten wir heute mit einem Leihwagen die Insel umrunden, doch haben wir uns kurzfristig für eine gemütlichere Variante unseres Tagesprogramms entschieden – eine Stadtbesichtigung von Mao per Pedes. Wir wandern also durch alle wichtigen Einkaufsstraßen von Mao. Menschen gibt es genug, die sichtlich alle so wie wir den gleichen Gedanken hatten und man bekommt von Babywindeln bis zur Hacienda mit eigenem Strand einfach alles.

Im Parc des Freginal, das ist das Zentrum Mao’s, trinken wir Kaffee, dann trenne ich mich von gabi, Michi und Werner, um an Bord mein Tagebuch zu schreiben, die Homepage zu aktualisieren und Skype zu installieren.

Heute Abend ist Premiere – wir können ab nun mit Skype telefonieren. Pitty hat sich noch schnell eine Webcam besorgt und um 19.00 Uhr sitzen wir schon an Bord in der Marina Menorca und quatschen mit Pitty und Weuzi und können uns dabei sogar zusehen. Es ist schon ein sehr witziges Gefühl, über diese große Entfernung sich so verständigen zu können.

Der Magen beginnt aber während des Gesprächs laut zu knurren und das bedeutet, essen gehen. Wir steuern an der Hafenmole ein Lokal an, wo wir typische Menorquinische Küche serviert bekommen, die ausgezeichnet schmeckt: Gefüllter Tintenfisch, Huhn mit Krabben und Gemüse, Rote Paprika mit Fisch und Garnelen, Katalanische Vanillecreme – einfach köstlich.

05.09.2008 – Bahia Fornells
Bevor wir von Mao ablegen, müssen wir noch Proviant bunkern, vor allem Obst, Gemüse, Wasser und Bier. In der Hoffnung, unseren Einkauf, der nämlich ganz schön schwer war, auch zugestellt zu bekommen (so wie es an der Kassa beim Spar zu lesen war, zumindest für Einkäufe ab 60,00 €), waren wir beim erstellen unserer Einkaufsliste nicht kleinlich. Leider müssen wir unsere sieben Sachen dann doch selbst heim schleppen, zum Glück haben wir für solche Fälle aber einen kleinen Trolli. Es ist schon wieder zwei, schnell singen wir noch ein Happy Birthday für Barbara, unserer Nachbarin aus Hamburg, die heute Geburtstag, bevor es losgeht.

Schon als wir die lange Bucht hinaus fahren, bläst uns guter Wind ins Gesicht und als wir aus dem Schutz der Landmassen kommen, setzen wir alle Segel und fahren bei ca. 15 Knoten Windstärke einen gemütlichen Schlag zur Bahia Fornells. Wir legen heute das erste Mal auf unserer Reise an einer Boje an. Der Wind hat auch hier noch nicht nachgelassen. Kurz nachdem wir an der Boje hängen, kommt ein Segler mit gebrochenem Mast an uns vorbei – der Anblick war nicht schön.

Hier in Fornells soll man ausgezeichneten Langusten essen können (ab 50,00 € aufwärts), wie uns Christof, der Mann von Barbara erzählt. Wir genießen aber lieber unsere Spagetti und fahren dann mit dem Dingi in den Ort.

Als wir wieder zurück zu unserem Schiff wollen, müssen wir mit Schrecken feststellen, dass der Wind noch etwas zugelegt hat. Mittlerweile bläst es mit bis zu 25 Knoten (diesen Wert haben wir danach an Bord gemessen). Gabi weigert sich standhaft, in das Dingi zu steigen – sie will nicht so jung(?) sterben und so spazieren wir noch etwa eine halbe Stunde durch Fornells, das leider außer unendlich viel Reihenhäusern für Sonnenanbeter nicht allzu viel zu bieten hat. Doch dann wagen wir das schier unmögliche. Wir werfen uns todesmutig in unser Minidingi (= 1,90m), legen uns ordentlich in die Riemen und kämpfen uns Meter für Meter durch die Wellen und mit viel Kraft schaffen wir es dann doch noch bis zur Tattoo. Etwas durchnässt, aber glücklich freuen wir uns, wieder an Bord zu sein.

06.09.2008 – Nach Cala Morell und Ciutadella
Nach einem gemütlichen Morgen verlassen wir diese Bahia Fornells. Das nächste Ziel soll eine Badebucht sein. Gabi sehnt sich schon sehr nach glasklarem Wasser und Schnorcheln. Wir entscheiden uns für die Cala Morell, die Gabi noch von ihrem letzten Menorcaurlaub mit Ingrid kennt.

Wir segeln gemütlich, weil auch der Wind heute sehr gemütlich bläst und treffen um ca. 15.00 Uhr in der Cala Morell ein. Eigentlich ist diese Bucht sogar für unser Schiff fast ein bisschen zu klein. Die Bojen sind nicht für uns geeignet, wie uns der ortskundige Buchtaufseher zu verstehen gibt. So werfen wir den Anker für ein paar Stunden.

Interessant sind hier die Nekropolen, die sich in geringer Entfernung befinden. Wir werden von Gabi an diese antike Kultstätte geführt und sind wirklich beeindruckt von der Leistung unserer Vorfahren.

Bald heißt es wieder Anker auf, denn wir wollen unser Tagesziel Ciutadella im Westen von Menorca noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Und es war eine kluge Entscheidung, denn die Einfahrt nach Ciutadella ist kein einfaches Unterfangen, wie wir auch im Hafenhandbuch lesen konnten.

Schon vor der Einfahrt wurden wir durch wirklich wilde Kreuzseen gebeutelt. Und erst wenn man durch einen wirklich engen Schlauch gefahren ist, beruhigt sich das Meer etwas. Am Ende konnten wir dann am Fähranleger festmachen. Eine Frau Hafenkapitän, die überaus freundlich und hilfsbereit war, erklärte uns, dass wir leider in einer Stunde nochmals ablegen müssen, denn dann kommt die Fähre aus Palma. Danach können wir aber wieder an diesen Platz zurückkehren.

Schnell wird noch ein Risotto zubereitet (mit unserem ersten selbst gefangenen und konservierten Fisch), und noch ist es nicht verdaut, schon müssen wir unseren Platz kurzfristig in eine nahe gelegene Marina verlegen. Wir liegen nun an einem von den Wellen auf und abschwingenden Steg. Die Wellen leisten hier ganze Arbeit. Während der zwei Stunden, die wir hier warten, bis die Fähre den Hafen wieder verlassen hat, ertönt in Minutenabständen ein ohrenbetäubendes Scheppern und Klirren, jedes Mal, wenn sich die Kette spannt, an der die Schwimmstege am Felsen befestigt sind. Eine Nacht wollen wir an diesem wirklich gespenstischen Platz nicht verbringen müssen.

Endlich hören wir das monotone Brummen der Turbinen, die die Fähre langsam wieder in das offene Meer schieben. Schnell kehren wir an unseren sicheren Liegeplatz zurück und verlassen kurze Zeit später das Schiff, um Ciutadella kennen zu lernen.

Die Stadt beeindruckt uns alle sehr, obwohl hier noch sehr viele Touristen durch die Gassen flanieren. Aber die wirklich eindrucksvollen Bauwerke aus hellen glänzendem Stein geben dieser Stadt ein angenehmes Flair.


07.09.2008 – Mallorca ist erreicht
Seit Muggia haben wir 1.613 Nautische Meilen (1 nm = 1,852 km, 2.987 km) zurückgelegt, leider mangels Wind einen Grossteil unter Motor (224,6 Std. = ca. 1.200 nm, 684l, 1.063,00 €, vor der Abreise in Muggia war der Tank noch ca. zur Hälfte gefüllt). Die Dieselkosten haben unser geplantes Budget in die Höhe getrieben, genauso wie der nicht eingeplante Austausch unserer Lichtmaschine und die Montage der Rollreffanlage, die auch etwa 900,00 € gekostet hat. Trotzdem war schon unser erstes Monat auf See eine herrliche Zeit, wie wir uns alle es nie zu Träumen gewagt hätten.

Da um 9 die Fähre aus Palma ankommt, müssen wir schon früh ablegen. Schnell bezahlen wir noch unseren Liegeplatz und holen uns einen aktuellen Wetterbericht. Etwa um acht heißt es also Leinen los. Der Himmel über Ciutadella ist schwarz und der Wind bläst auch, diesmal in die richtige Richtung, nämlich nach Mallorca.

Auf offener See werden wir von anständigen Wellen, so ca. 3 bis 4m hoch, empfangen. Schnell werden die Segel gesetzt, diesmal auch das zweite Reff im Großsegel und dann geht es nach Pollensa im Osten von Mallorca.

Unter Segel sind Wellen in dieser Höhe gar nicht so unangenehm, wie wenn man nur mit dem Motor unterwegs ist. Daher ist diese Fahrt auch nicht schlecht, ist sie doch auch eine gute Vorbereitung für die wirklich langen und anstrengenden Überfahrten.

Nun genießen wir wieder das gemütliche Bordleben, schreiben Tagebuch, gehen schnorcheln, duschen, essen, schlafen.

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