29.08.2008 – Noch ein Arbeitstag
Wir konnten unsere Arbeitsliste heute um einige wichtige Punkte verkürzen: Motoröl und Ölfilter wurden gewechselt, die Genuawinschen wurden einem Komplettservice unterzogen, die Großsegel-Mastrutscher wurden geschmiert, Vorsegel- und Fallabweiser wurden oberhalb der Saling montiert (damit sich das Groß- und Vorfall nicht immer in den Maststufen einhängt), und noch einige andere kleinere Arbeiten konnten wir erledigen. Michi verbrachte einen guten Teil des Tages auf dem Mast.
Um 19.30 Uhr sollte der Segelmacher mit der geänderten Genua zum Schiff kommen. Leider mussten wir nach einem Anruf durch unseren Marinero Roberto erfahren, dass Andrea, so heißt der Segelmacher, heute nicht mehr kommt, sondern erst morgen am Vormittag.
Den Sonnenuntergang genießen wir dann entspannt an Bord. Dann suchen wir noch ein nettes Lokal für unser Abendmahl und landen im „Schweizerhaus“, ein riesengroßes Restaurant, welches auch wirklich gut besucht war. Die Pizza schmeckt gut, doch das Tiramisu schmeckt von Pitty tausendmal besser. Vorher warfen wir noch einen Blick in zwei schwimmende Restaurants, 30,00 € pro Person für ein Fischmenü waren uns aber einfach zuviel.
30.08.2008 – Wir legen ab
Auch der heutige Tag beginnt mit Warten. Der Segelmacher hat gestern natürlich keine Zeit genannt, wann er zu kommen geruht. Gegen 12.00 Uhr bitten wir den Marinero Roberto (der Bursche aus Köln) den Segelmacher nochmals anzurufen: „Er kommt sofort und wir sollen das Geld schon bereithalten“, war seine Antwort.
„Sofort“ dauerte dann schlussendlich aber nochmals ca. zwei Stunden. Roberto hatte bis dahin noch zweimal angerufen und wurde jedes Mal vertröstet. Er war schon sehr sauer, denn erstens hatte er schon Mittagspause, zweitens wartete seine Freundin daheim mit dem Essen und war wahrscheinlich auch schon sauer. Es war ihm auch wirklich sehr unangenehm, denn er war es ja, der uns den Segelmacher vermittelt hatte.
Ende gut, alles gut – um Punkt zwei steht der Segelmacher am Steg, wir schlagen die geänderte Genua sofort an – sie passt – wir zahlen und legen ab. Dann müssen wir noch zur Tankstelle, um die Tanks wieder zu füllen. Da es jetzt leider schon ca. 15.00 Uhr geworden ist, beschließen wir heute nur einen kurzen Schlag zu machen.
Bei guten Windverhältnissen segeln wir mit neuem Vorsegel zum Capo di Pula, wo wir vor Anker gehen. Wir befinden uns in einer wunderschönen Bucht, in unmittelbarer Nähe antiker Nora-Ausgrabungsstätten, wo Puniern und Römern ihre Spuren hinterlassen haben und die Phönizier ihre erste Niederlassung gegründet haben, denn dieser Ort war früher eine wichtige Hafenstadt auf Sardinien, noch vor Cagliari.
Das Abendessen kommt heute wieder aus unserem Wok – ein sehr nützlicher Reisebegleiter und sehr gesund. Es gibt Kartoffel mit Speck, Staudensellerie und Karotten. Gabi hat es gut gemeint und zum Nachtisch zwei Joghurt mit Kaffe und zwei mit Erdbeeren besorgt. Doch Joghurt mit Kaffee ist nicht nach Werners und meinem Geschmack – wir dürfen daher die Erdbeerjoghurt verdrücken.
31.08.2008 – Sardiniens letzter Zipfel
Die Nacht war herrlich, kaum Wellen, kein Geschaukel und angenehm kühl. Sofort nach dem Erwachen springen wir in das glasklare Wasser. Nachdem wir gefrühstückt haben kühlen wir uns nochmals im Meerwasser ab. Michi und Gabi schwimmen an Land und erforschen den nahe gelegenen Wachturm, der ursprünglich von den Sarazenen erbaut wurde und heute als Leuchtturm dient, so wie die antiken Fundstätten, die wir auch von Bord aus sehen können.
Dann heißt es wieder Anker auf und weiter zur Isola di Sant’ Antioco, am südwestlichen Rand Sardiniens. Leider werden unsere Segel auch heute nicht strapaziert, es geht fast kein Wind. Irgendwann heissen wir sie dann doch und Segeln gemächlich einige Stunden mit 2,5 bis 3,5 Knoten unserem Ziel entgegen. Vor Sonnenuntergang werfen wir dann die Maschine an, um die Inselhauptstadt Sant’ Antioco noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Und diese Entscheidung war auch sehr wichtig. Denn …
Die Seezeichen in der Hafeneinfahrt nehmen wir leichtsinnigerweise nicht ernst genug. Erst als wir durch einen Fischer, der wild gestikuliert und schreit, aufmerksam gemacht werden, sehen wir, dass knapp vor uns nicht nur Felsen aus dem Wasser ragen, sondern die Wassertiefe auch schon sehr gering ist. Sofort wenden wir und kehren in die sichere Fahrwasserstraße zurück, wo wir dann brav den Kanal entlang tuckern, der die Insel vom Festland trennt.
Wir wären ja gerne durch diesen Kanal bis an sein Ende gefahren, hätte uns da nicht eine Brücke den Weg versperrt. Leider ist die Durchfahrtshöhe von 8m für unser Schiff zuwenig, wie uns ein Tankwart nahe der Brücke versichert. Wir kehren um und legen dann im verlassenen Industriehafen an der Hafenmauer an, gleich vor einem riesigen Katamaran.
Gerade als wir mit dem sichern des Schiffes fertig geworden sind, strömt plötzlich eine Eskorte von kleinen Fischerbooten in den Hafen, und auch an Land herrscht plötzlich reges Treiben. Feierlich wird eine Marienstatue mit Kind von sechs Trägern über den Kai getragen und auf eines der Boote auf das oberste Deck gehievt, wo sie dann von zwei Matrosen in Uniform bewacht wird. Dann verschwinden alle wieder aus dem Hafen. Wir sind gerade Zeugen des Erlöserfestes geworden, das immer am letzten Sonntag des August gefeiert wird.
Nach einem köstlichen Thunfischsalat begeben wir uns in den Ort, und auch diesmal ist der Weg nicht zu kurz. Nach ca. einer ¾ Stunde erreichen wir den Dorfplatz, wo gerade eine Band ihren Auftritt vorbereitet und Verkaufsbuden vor allem Süsses anbieten. Touristen gibt es hier augenscheinlich kaum welche. Wir marschieren dann weiter durch die Straßen auf der Suche nach einem Kaffeehaus und werden auch bald fündig. Entspannt beobachten wir das Treiben der Menschen – es gibt keine Hektik, die Stimmung wirkt sehr gepflegt, aber es ist fast etwas zu ruhig, wie wir es in dieser Form noch an keinem anderen Ort in Italien kennen gelernt haben. Am Heimweg werden wir dann noch von einem wirklich tollen Feuerwerk überrascht.
01.09.2008 – Aufbruch nach Menorca
Wir haben diesen Zeitpunkt ein paar Mal verschoben, aber es gibt ja nichts, was uns wirklich drängt. Heute ist es soweit. Nachdem wir im Ort Sant’ Antioco noch einige Einkäufe getätigt haben, legen wir um 13.30 ab.
Wie leider auch schon in den Wochen bisher, bläst uns der Wind mit 15 – 20 Knoten genau auf die Nase, so wie es auch im Wetterbericht angekündigt war. Mit Kurs 285° motoren die ersten Seemeilen in Richtung Menorca, unserem ersten Ziel in Spanien. Wir setzen die Segel, als Wind und Wellen stärker werden und die Schaukelei unter Motor schon sehr ungemütlich wird. Natürlich müssen wir auch den Kurs etwas ändern, sodass wir unser Ziel nun nicht mehr auf direktem Weg erreichen können.
Gabi richtet unter Deck Melone mit Kärntner Hartwurst (=Ersatz für Proscutto Crudo) und Mozarella mit Tomaten und Basilikum an, dazu gibt es Brot. Hungrig sitzen wir schon im Cockpit, mit beiden Beinen gegen die Wellenbewegung ankämpfend, mit einer Hand einen fest montierten Gegenstand umklammert, den Teller zwischen den Knien eingeklemmt und dann wird die Gabel langsam und vorsichtig zum Mund geführt, in der Hoffnung, diesen auch zu treffen und das gute Mahl nicht daneben abzuladen. Mit etwas Übung gelingt das auch meistens, aber nicht immer, denn manche Wellen sind so unberechenbar und dann muss man die Nahrungsaufnahme kurzfristig unterbrechen. Es wäre zu schade, würden es die Fische bekommen, denn schmecken tut’s köstlich.
Anschließend wird die Wache eingeteilt. Wir haben uns für einen Zweistundenzyklus entschieden: Die erste Wache von 22.00 – 00.00 übernimmt Michi, dann folge ich bis um zwei, und um vier weckt Werner wieder Michi, usw. So könnte jeder vier Stunden schlafen. Die Betonung liegt auf „könnte“, denn an Schlaf ist nicht zu denken. Der Wind hat zwar nachgelassen, die Wellen schaukeln unsere Tattoo aber wild umher und so muss man sich auch im Bett festhalten, denn sonst liegt man unter dem Tisch. Das trifft zwar nur auf die Bewohner des Salons zu, in der Achterkoje ist es aber um nichts gemütlicher. Aber wir jammern nicht, denn auch solche Stunden gehören zum Bordleben.
02.09.2008 – Stille
Bis auf zwei Frachter, einer von hinten und einer von vorne kommend, gab es keine Sichtkontakte zu anderen Lebewesen. Die Nacht war finster, denn auch der Mond lässt sich derzeit nicht sehen.
Die Nachtwache beschränkt sich auf schauen, ob irgendwo ein Licht auftaucht, und wenn dann eines zu sehen ist, zu erkennen, wohin es fährt.
Um ca. 10.00 Uhr haben wir die erste Hälfte der Strecke nach Menorca zurückgelegt. Das Meer hat sich wieder beruhigt, sodass wir an Bord wieder normalen Tätigkeiten nachgehen können. Nach einem ausgiebigen Morgenmahl begibt sich jeder an seine Arbeit: Michi reinigt die Fender, Gabi und Werner lesen, und ich backe das erste Brot an Bord. Derzeit kühlt es gerade aus. Abends werden wir es dann zu unserer Eierspeis genießen.
Im Moment herrscht die totale Flaute, so lassen wir die Angelleine ins Wasser, in der Hoffnung, das auch den Fischen fad ist, und einer vielleicht mit unserem Köder spielen will.
Unser Abendessen: Eierspeis mit Speck und Salat, Sonnenuntergang zum Nachtisch. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit frischt es etwas auf, ca. 10 Knoten Wind aus südwestlicher Richtung. Sofort setzen wir zu Groß- und Besansegel noch die Genua und mit 3,5 bis 4 Knoten Geschwindigkeit segeln wir in die Nacht. Diese Nacht ist das Gegenteil der vorangegangenen Nacht – kein Schaukeln, kein Motorengeräusch, nur ein angenehmens Plätschern der Wellen, wenn sie sanft gegen den Rumpf schlagen.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen