17.09.2008 – Wir verlassen Ibiza
Nach diesen sehr intensiven Tagen in Ibiza tut ein bisschen Erholung ganz gut. Trotzdem war Ibiza wirklich sehr beeindruckend, sowohl das pulsierende Leben in Eivissa wie auch die wunderbare Landschaft der gesamten Insel.
Mittags ist es soweit. Michi und Gabi haben ihre sieben Sachen gepackt und Werner und ich sind zum Ablegen bereit für die Weiterfahrt nach Formentera. Leider ist es mir auch diesmal nicht vergönnt, die Insel zu betreten, doch wir ankern zumindest in einer wirklich wunderschönen Bucht.
Die Strecke ist nicht weit, ganze 13 nm, dann werfen wir unseren Anker in der Cala Sahona. Das Wasser ist türkisblau und herrlich, ein Sprung in das kühle Nass muss sein, obwohl das Wetter nicht wirklich ein Badewetter ist. Heute hat es sogar einmal ordentlich geregnet, zumindest fünf Minuten.
Das Abendessen fällt heute traditionell aus: Kartoffelpüree mit Frankfurter aus dem Glas = Bockwurst. Wir genießen die Bockwurst, ist sie doch ein Geschenk von Gabi und Michi.
Apropos: die beiden lassen es sich heute noch einmal so richtig gut gehen bei einer Paella – lasst es euch gut schmecken.
18.09.2008 – Nur wir zwei
Es ist heute eine Premiere, denn weder Werner, noch ich haben doch eine Überfahrt in dieser Länge, nämlich ganze 139nm nur zu zweit noch nie gemacht. Und heute ist es soweit.
Die Nacht war nicht besonders bequem. Einer unserer Ankernachbarn hat in der Nacht immer wieder seinen Generator laufen lassen, und der war nicht gerade leise. Und irgendwann ist die Guardia Civil gekommen und hat mit Scheinwerfern in das innere jedes Bootes geleuchtet, die in der Bucht vor Anker gelegen sind. Wir waren auch dran. Sie wollten aber sonst nichts wissen und haben sich wieder aus dem Staub gemacht, nachdem sie alle aufgeweckt haben.
Vor der Abfahrt wird dann noch ordentlich gefrühstückt – Ham and Eggs und dann heißt es „Anker auf“. Die Sonne lässt sich heute bitten, es ist bewölkt und schaut eher aus, als würde es Regnen. Wind gibt es auch keinen und so müssen wir von Beginn an mit dem Motor fahren. Wir vertreiben uns die Zeit mit Lesen und festhalten, denn die Wellen beuteln uns ordentlich hin und her. Erst mit Einbruch der Dämmerung beruhigt sich das Meer und wir fahren einer ruhigen Nacht entgegen.
An dieser Stelle muss ich einmal einen sehr treuen Gefährten vorstellen, unseren Quaksi. Quaksi ist unser Autopilot. Ohne Ihn wäre das Leben gerade an solchen Tagen sehr anstrengend. Wir müssten abwechselnd am Steuer stehen – das wäre auf solchen Strecken auch ganz schön Anstrengend und überhaupt nicht spannend. Unser Quaksi ist der ideale Partner: Er lenkt und wir genießen den Tag, auch wenn das monotone gsng – gsssng – gsng –gsgsgs - gsnnnnng manchmal etwas an den nerven zehrt, ist es trotzdem eine unglaubliche Entlastung.
Und heute ist so ein Tag. Abends gibt es Thunfischsalat, der letzte aus unserer Konserve. Dann beginnt zuerst Werners Wache, von neun bis Mitternacht, anschließend bin ich bis drei an der Reihe und dann wieder Werner bis sechs am Morgen.
19.09.2008 - Cartagena
Ich habe die letzte Wache, als plötzlich unsere rote Ladekontrolle wieder aufleuchtet (das erste Mal seit Ancona), danach steigt auch schon die Temperaturanzeige des Kühlsystems. Der Motor muss sofort abgestellt werden, danach ist die Lage abzuklären. Wir befinden uns zwar schon knapp vor der Spanischen Festlandküste, der Wind weht schwach und außerdem glücklicherweise ablandig. Die Diagnose ist schnell erstellt – der Keilriemen ist gerissen. Dies ist glücklicherweise ein einfaches Problem, wäre der Ersatzkeilriemen nicht etwas zu lange. Leider haben wir bis jetzt noch keinen neuen Keilriemen benötigt und sträflicherweise unsere Ersatzteile, die wir von unserem Vorgänger übernommen haben, nicht überprüft, naja. Glücklicherweise können wie uns mit einem Eisenrohr und einem Spanngurt helfen und nach kurzer Zeit brummt unser Motor wieder.
Um 10.30 Uhr erreichen wir Cartagena. Wir sind erschöpft, aber auch glücklich, unser Ziel erreicht zu haben. In der Marina „Yacht Port Cartagena“ werden wir freundlich empfangen und können uns nun ausruhen. Dieser Morgen hat schon ein wenig Energie gekostet.
Der Rest des Tages ist sehr beschaulich und erholsam.
20.09.2008 – Stadtbesichtigung
Cartagena ist sehr geschichtsträchtig, stand doch hier einstmals das berühmte Karthago Nova, wie es zur Zeit der römischen Herrschaft genannt wurde. Natürlich gibt es viel zu besichtigen. Auffällig war aber, dass es im Stadtzentrum irre viel Baulücken gibt und teilweise ganze Häuserblöcke der Spitzhacke geopfert wurden, sichtlich um darunter liegende antike Bauwerke freizulegen. Andere Gebäude wurden skelletiert und nur die Fassade lies man stehen.
Werner und Ich müssen jedoch vor der Stadtbesichtigung noch einen neuen Keilriemen besorgen, denn es ist heute Samstag und die Geschäfte haben auch in Spanien nur bis Mittag offen. Wir werden von Geschäft zu Geschäft geschickt, nähern uns aber zielsicher dem Viertel, in dem die Auto- und Autoersatzteilhändler daheim sind. Und nach dem vierten oder fünften Versuch können wir dann doch das wertvolle Stück unser Eigen nennen können.
Nun geht’s los, Systematisch kämpfen wir uns mit dem Stadtplan von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, und abschließend gönnen wir uns noch ein kühles Bier genau dort, wo wir auch schon Freitags bedient wurden.
Zu Abend kehren wir in ein Restaurant ein, wo ein komplettes Menü um acht Euro angeboten wird. Es klingt zwar unglaubwürdig, war aber absolut in Ordnung: Zur Vorspeise gab es Salat, danach Paella, zum Nachtisch konnte man Eis oder Mousse Chocolate wählen und außerdem war auch noch ein Getränk im Preis enthalten.
Abschließend trinken wir noch ein Bier am Hafen, wo heute wirklich einiges los ist.
21.09.2008 – Arbeiten muss auch einmal sein
Heute steht nichts am Programmkalender, und so widmen wir uns den offenen Punkten unseres Arbeitsplanes. Ganz oben steht natürlich der Wechsel des Keilriemens. Gleichzeitig müssen wir den Ölstand und das Kühlwasser prüfen – alles ist in Ordnung. Die Stopfbuchse muss auch wieder geschmiert werden und dann schmieren wir (= Werner) auch noch die Mastrutscher, damit wir uns beim Setzten des Großsegels nicht immer so plagen müssen.
Ich baue in der Achterkabine noch Bücherstützen ein, damit uns die schweren Wälzer bei starken Seegang nicht im Schlaf auf die Nase fliegen (ist schon passiert).
Nun ist es Zeit, an das Abendessen zu denken. Sobald Werner aus der Dusche zurückkehrt, wird ein Salat zubereitet. Vielleicht begeben wir uns dann noch auf die Hafenpromenade. Auch bei uns ist das Wetter heute nicht so sommerlich wie bisher. Es ist bewölkt und etwas kühler als an den Vortagen. Der Herbst steht sichtlich auch in Spanien schon vor der Türe.
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