04.01.2008 – Eine blühende Insel
Wie vereinbart wartet Joseph mit seinem Toyota-Minibus pünktlich um 09.30 vor der Marina. Martin von der Anima III, sein Freund Clemens aus Wien, der mit dreistündiger Verspätung von Miami in Point Salinas-Flughafen von Grenada erst heute sehr spät in der Nacht angekommen ist und Frieda.
Wir haben den Wecker auf acht gestellt und sind nun knapp vor halb zehn auch schon startbereit. Fast auf die Minute genau besteigen wir den bequemen Bus und Joseph empfängt uns mit einer netten Begrüßung. In kurzen Worten beschreibt er die Tour des heutigen Tages und gibt uns einen Ueberblick ueber die wichtigsten Fakten Grenadas.
110.000 Einwohner auf etwas mehr als ca. 350 km². Unabhängigkeit vom englischen Königreich seit 1974, Diktatur unter Sir Eric Gairy, 1979 friedlicher Putsch unter Führung des Sozialisten Maurice Bishop – er gilt auch heute in Grenada noch als Held. 1983 Ermordung des Kabinetts Maurice Bishop, Invasion von Amerika. Landwirtschaft und Tourismus sorgen heute für relativ ausgewogene soziale Verhältnisse. 2004 wurden fast 95% der Häuser und Kulturflächen vom Hurrikan „Ivan“ zerstört. Der Wiederaufbau ist zwar bis heute noch nicht ganz abgeschlossen – vereinzelt sieht man in St. George, aber auch am Land noch immer Ruinen von Häusern stehen, jedoch wurde seit dem sehr viel erneuert, um die Spuren schnell verschwinden zu lassen.
Joseph erklärt uns die Tour: „Wir fahren zunächst durch die Hauptstadt St. Georg, dann entlang der Westküste bis an die Nordspitze, von wo man die Nachbarinsel Carriacou sehen kann. Dann geht es weiter an der Atlantikküste bis in den Ort Grenville. Von hier biegen wir dann in das Landesinnere. Wir fahren durch den Regenwald des Grand Etang Forrest Reserve, ein Naturschutzgebiet, bis zum Lake Grand Etang in den Bergen. Von diesem Bergsee wird die gesamte Insel mit Trinkwasser versorgt. Dann führt die Straße wieder zurück nach St. George.“
Wir fahren los. Wenige Meilen nach St. George zweigt eine enge und kurvenreiche Straße nach rechts ab. Sie führt steil bergauf durch Plantagen und tropischen Wald. Vorbei geht es an einfachen Hütten und vielen Menschen hinauf zu unserem ersten Höhepunkt, zum Concorde-Wasserfall. Hier endet die Straße. In bunten Holzhütten werden handgemachte Souvenirs zum Verkauf angeboten, Schmuck aus Korallen und andere schöne Arbeiten. Daneben bekommt man einen sehr süßen Juice aus Früchten, die hier überall von den Bäumen hängen. Man fühlt sich fast wie im Schlaraffenland.
Weiter geht es nun entlang der Küste, durch kleine Fischerdörfer, vorbei an Halifax Harbour, wo heute der Müll der ganzen Insel entsorgt wird. In der einstmals schönen Bucht liegen heute die Wracks mehrerer Schiff.
Joseph erklärt, dass die Insel in sieben Bezirke unterteilt ist, wobei die Grenzen jeweils durch Flüsse gebildet werden, die aus den Bergen kommend im Meer enden.
Wir fahren durch Gouyave, das Zentrum der Fischerei auf Grenada, wo freitags immer ein großer Fischmarkt stattfindet. Weiter geht es durch Victoria nach Sauteurs, wo 1651 die letzten Cariben in ihrer hoffnungslosen Lage vor den Britischen Soldaten flüchteten und von einem 35m hohen Felsen in das Meer sprangen – Caribs Leap.
Nun kommen wir an die Ostseite der Insel. Es ist trockener, die Vegetation ist nicht ganz so üppig wie an der Westküste. An einem wunderschönen Strand stoppt Joseph und wir können uns in einer kleinen Hütte mit Huhn und Pommes stärken.
Wir fahren weiter nach Grenville, den zweitgrößten Ort der Insel. Hier verlassen wir die Küste und nun geht’s kurvenreich ins Landesinnere durch den Grand Etang Nationalpark, dessen höchste Erhebung der Mount Qua Qua mit etwas über 707m ist. Am Bergsee Grand Etang bewundern wir die herrliche Landschaft, obwohl auch hier die Spuren des Hurrikans „Ivan“ noch deutlich zu sehen sind.
Am späten Nachmittag treffen wir wieder in der Prickly Bay Marina ein und sind erschöpft. Doch Joseph hat uns wirklich viel von seiner Heimat gezeigt. Grenada ist wunderschön. Und das Vorurteil mit den unfreundlichen Menschen nehme ich hiermit offiziell zurück.
05.01.2008 – Der letzte Tag
In der Früh, Werner und Michi schlafen noch, nehme ich mein Notebook und setzte mich im Marinagelände an einem Tisch unter Bäumen. Hier habe ich einen wesentlich besseren Empfang des Internets und kann nun die Homepage aktualisieren.
Der Platz ist sehr kommunikativ. Zuerst kommt der Amerikaner Capt. Daniel W. Twigg, Master Mariner, aus Boston vorbei, dann der Holländer vom Trimaran „Equinox“. Martin von der Anima III, der heute ablegt, muss noch zum Zoll, um auszuklarieren und anschließend verabschieden wir uns nun wahrscheinlich für längere Zeit. Und plötzlich steht die Crew der O,Flo vor mir, die nun für fünf Wochen heimatlos sind. Der Schiffseigner der O,Flo ist nun selbst mit seinem Katamaran unterwegs. Tobi sucht deshalb einen schönen Platz auf der Insel, wo die sieben für diese Wochen ihre Zelte aufschlagen können. Danach geht es für diese nette Crew dann weiter in den Pazifik.
Neben uns am Steg liegt ARGO, die Segelyacht von Maria-Rose und Gilbert, einem schon etwas älteren Paar aus Frankreich. Gilbert spricht leider nur französisch, Maria-Rose beherrscht aber mehrere Sprachen und zum Glück auch Englisch. Die beiden sind verzweifelt. Ihre technische Ausstattung hat nach und nach den Geist aufgegeben und nun haben sie sich vor einigen Tagen einen neuen Hand-GPS gekauft. Diesen wollen sie nun mit ihrem Notebook verbinden, um damit navigieren zu können.
Maria-Rose spricht mich an, ob ich ihnen dabei helfen könne. Obwohl selbst nicht so sattelfest in diesen Dingen, biete ich meine Unterstützung an. Um es kurz zu machen. Es vergehen Stunden, doch endlich ist der Knoten gelöst und die beiden haben wieder eine funktionsfähige Navigation an Bord. Ich freu mich übrigens auch.
Wir wollen heute auch noch einige Arbeiten erledigen, bevor wir morgen Grenada verlassen. Wichtigster Punkt ist die Reparatur unseres Dingis, das nach wie vor Luft verliert. Da jedoch im einzigen Marineshop hier weit und breit kein Ersatzventil aufzutreiben ist, müssen wir uns selbst helfen. Mit etwas Fett wird das Gummiplättchen des Ventils wieder geschmeidig gemacht und siehe da - es funktioniert, die Luft bleibt drinnen.
Auch unser Herd hat die heftigen Bewegungen der Überfahrten nicht ganz spurlos überstanden. Neue Nieten sorgen nun dafür, dass unser wichtiges Stück wieder fit für die nächsten Etappen ist. Und ein kleines Motorservice ist ebenfalls wieder fällig, sowie noch viele kleine Reparaturen.
Leider muss man sagen, dass die meisten Schäden hier an den Liegeplätzen in den Häfen und Marinas entstehen. Diese sind leider in einem sehr desolatem Zustand. Die Möglichkeiten zum Festmachen der Leinen sind nur beschränkt vorhanden und dann muss man sich mit Tricks helfen. Leider endet das dann manchmal mit einer kaputten Leine, einer zerbrochenen Klüse oder mit einer beschädigten Scheuerleiste wie in Barbados. Gilbert von der ARGO führt mich zum Schiffszubehörhändler, als Dank für den nun wieder funktionierenden GPS, um ein paar Ersatzteile zu besorgen. Als ich zurückkomme ist die Liste aber nur um wenige Punkte kürzer geworden.
Abends wandere ich dann noch zur „Blue Machine“ – das Unternehmen, das Geldautomaten betreibt, nennt sich hier in der Karibik so – um die Bordkasse wieder aufzufüllen. Ein Taxifahrer nimmt mich ein Stück mit. Wir werden uns jedoch über den Fuhrlohn nicht einig, und so drück ich ihm 10 EC$ in die Hand und geh lieber zu Fuß.
Heute essen wir nochmals Pizza, die schmeckt hier wirklich gut. Dann geht’s wieder an Bord, wo wir bald in unseren Kojen liegen und schnarchen.
06.01.2008 – Carriacou – Land der vielen Riffe
Viel zu spät legen wir von der Prickly Bay Marina ab, um noch vor Einbruch der Dunkelheit die Nachbarinsel Grenadas zu erreichen. Obwohl wir schon um acht Uhr aufstehen, frühstücken, den Wassertank füllen, einen aktuellen Wetterbericht einholen, die letzten Vorbereitungen für die nächsten Tage treffen, verlassen wir den Steg erst um 11.00 Uhr. Zunächst kommen wir noch unter Segel bis St. George. Doch dann bläst der Wind direkt auf den Bug und wir müssen den Motor starten, um weiter zu kommen.
Michi ist schon etwas nervös, und das nicht unberechtigt, denn wir werden unser Ziel nicht mehr bei Tageslicht erreichen. Es gibt aber weder Häfen, noch Buchten auf dieser Etappe und so müssen wir unbedingt versuchen, die 38 Nm so schnell wie möglich zurückzulegen.
Wir kämpfen gegen Wind und Wellen. Immer wieder wird zischen neugierige Wellen über das Vorschiff und nur unser sicheres Cockpit schützt uns vor der Nässe. Als wir nur mehr wenige Meilen von Carriacou entfernt sind, versinkt die Sonne hinter dem Horizont.
Wir fahren nur mit Hilfe des Mondes und sechs wachsamen Augen in die Tyrell Bay ein und suchen in der Dunkelheit einen Ankerplatz. Trotz Dunkelheit ist zu sehen, dass wir hier nicht die einzigen sind. Mit viel Glück liegen wir aber bald sicher vor Anker.
Unser heutiges Abendessen ist leider etwas missglückt. Der Fisch, den wir selbst konserviert haben, steht am Speiseplan. Doch leider müssen wir zwei Gläser mit eingekochtem Fisch entsorgen, denn der Geruch ist nicht mehr Vertrauen erweckend. Und der eingesalzene Fisch schmeckt trotz Spülung noch immer total salzig.
07.01.2009 – Im Leihwagen durch Carriacou
Am Ufer der Tyrellbay sitzt ein alter Däne mit seinem Bier. Er lebt hier schon seit einigen Jahren, nachdem seine Yacht während einer Weltumsegelung den Geist hier aufgegeben hat. Wir kommen ins Gespräch. Heute wollen wir die Insel mit dem Leihwagen erkunden. Der alte Mann erhebt sich und wir gehen gemeinsam in Alexis-Supermarket auf der Straßenseite gegenüber. Der Däne spricht kurz mit Merle, die hier arbeitet. Sie nimmt das Telefon und ruft den Chef der Autovermietung an. „Er kommt in fünf Minuten und holt uns von hier ab, dann fährt er mit uns nach Hillsborough zur Polizei, um ein Permit zum Lenken eines KFZs auf Grenada und Carriacou zu lösen und dann bekommen wir einen Suzuki Eskudo für 130 EC$ am Tag.“ Sie gibt den Telefonhörer an Michi weiter um Details zu vereinbaren.
Und genau so läuft es ab. Zehn Minuten später sitzen wir im BMW X5 des Leihwagenunternehmers. Die Klimaanlage ist auf 16°C eingestellt und frierend fahren wir nach Hillsborough zur Polizei und dann anschließend sofort zu seiner Firma, wo wir das Auto übernehmen. Mit einem sehr einfachen Plan der Insel machen wir uns nun am Weg.
Zunächst wollen wir uns orientieren und nehmen dazu den Plan zur Hand. Leider sind die Darstellungen darauf nur sehr ungenau. Außerdem gibt es auf der gesamten Insel weder Verkehrszeichen, noch Wegweiser. So müssen wir uns hier ganz auf unseren Orientierungssinn verlassen.
Die erste Runde führt im Kreis und wir stehen nach kurzer Zeit wieder am Ausgangspunkt. Nun entscheiden wir uns also für die zweite Möglichkeit. Wir fahren nun auf den Mont Royal, wo knapp unterhalb das kleine Dorf Tophill liegt. Hier in dieser Höhe haben auch noch einige Esel viel zu schleppen. denn wer sich kein Auto leisten kann, muss alles am Rücken eines Esels transportieren. In einer kleinen Bar kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch. Wir politisieren ein wenig und seine Freude über die Wahl des neuen Amerikanischen Präsidenten ist unverkennbar. So wie wir dies auch schon an anderen Orten in der Karibik feststellen konnten.
Der Schulbus hält und große und kleine Kinder springen hinaus. Die unterschiedlichen Schuluniformen weisen darauf hin, aus welcher Schule sie kommen. Der Barbesitzer begrüßt seine Kinder, die uns mit großen Augen grüßen. Michi hilft der Tochter bei der Hausübung, während der kleinste in den Armen des Vaters in den Fernseher starrt. Kurz danach werden die beiden älteren Töchter mit dem Schulbus heimgenracht.
Wir verabschieden uns, nachdem wir noch schnell ein paar Fotos geschossen haben und weiter geht die Fahrt. Steil bergab geht es nun zur Ostküste. Wir verlassen die befestigte Straße und fahren nun entlang eines wilden Pfades durch eine mit Strauchwerk und Bäumen bedeckte Landschaft. Plötzlich taucht rechts am Ufer ein scheinbar verlassener Friedhof auf. Man spürt förmlich, dass an den Gräber der Zahn der Zeit genagt hat, viele Grabsteine liegen umgefallen im Gras. Dieser Ort sieht sehr mystisch aus.
Nach einer kurzen Fotopause geht es in dieser Art weiter, bis wir an einer Kreuzung halt machen. Ein großes Schild weist darauf hin, dass hier der Nationalpark beginnt. Ein kleiner Imbiss lädt zu Roti (Teigflade) mit Huhn oder Schaf ein. Es schmeckt nicht schlecht, doch was die Zubereitung von Fleisch betrifft, glaubt man, dass hier nur mit einer Axt auf das tote Vieh eingeschlagen wurde. Egal wo man Fleisch isst, es ist immer durch und durch mit Knochensplittern versetzt.
Ein Bursche mit seinem Hund sitzt vis a vis auf einer Bank und hat neben sich einige Leguane liegen, die meisten tot und verstümmelt. Er erzählt, dass sein Hund diese gefangen hat und er mit dem Fleisch dieser Tiere sein Geld verdient.
Wir fahren weiter und kommen nach Windward, eine kleine Ortschaft, die früher wegen ihrer Schiffsbaukunst bekannt war. Von hier wird die Straße noch um einiges abenteuerlicher, aber unser Suzuki ist für dieses Gelände wie geschaffen. Als wir dann schon glauben, nun geht es wirklich nicht mehr weiter, beginnt die Straße endlich wieder besser zu werden. Wir erblicken Hillsborough und kurz nach der Ortseinfahrt ertönt plötzlich ein Ruf von hinten: „Wir haben die Einbahntafel der Hauptstraße von Hillsborough übersehen“ meint ein aufmerksamer Einwohner. Ein kurzes Stück zurückschieben und für die Aufmerksamkeit einen kleinen Obolus bezahlen – 5 EC$ sind es Wert gewesen.
Hillsborough ist der Hauptort der Insel - Kleine Häuser, viele Menschen und eine sehr gemütliche Atmosphäre. Bevor es dunkel wird, stellen wir unseren Leihwagen in der Tyrell Bay gleich gegenüber vom Alexis-Supermarket ab. Heute gibt es nichts zu essen, denn das Roti war genug.
08.01.2009 – Fender putzen, Rumpf polieren
Mittags müssen wir den Leihwagen wieder zurück bringen, vorher machen wir noch einen kleinen Ausflug nach Hillsborough. Wir besuchen das Heimatmuseum, anschließend erledigen wir ein paar Einkäufe und dann geht’s zurück. Nachdem das Auto abgestellt ist, marschieren wir zu Fuß zur Tyrell Bay.
Für heute Nachmittag wollen wir das Schiff wieder etwas pflegen. Das ist auch notwendig, denn da wir es eventuell schon in der Karibik verkaufen wollen, muss es schon gepflegter aussehen, als es derzeit ist.
Dazu müssen sämtliche Fender gereinigt werden und der Rumpf gehört auch wieder einmal poliert. Eine äußerst mühevolle Arbeit, und als sich dann der Himmel öffnet und es zu regnen beginnt, beenden wir diese Arbeit. Immerhin sind an der Steuerbordseite die letzten Meter fertig poliert. Ganz schwierig zu entfernen waren dabei die Rostflecken der Ösen unseres Spritzschutzes. Diese zu entfernen, war wirklich Schwerarbeit.
Abends rudern wir heute nochmals an Land, in der Hoffnung, ein paar Segler zu treffen. Doch niemand kommt in die Rumbar. Nach zwei Bier und einem heftigen Regenguss sitzen wir wieder im Dingi und rudern heimwärts. Wir sind heute sehr müde – wahrscheinlich von der Arbeit am Schiff.
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