Samstag, 21. Februar 2009

18.02. - 20.02.2009 - Karneval

18.02.2009 – Thomas und Kiki sind gelandet
Um 07.30 stehen Michi, Gabi und ich auf, um den Leihwagen zurück zu bringen. Vorher wollen wir noch einiges für die Bordspeisekammer besorgen, doch leider gibt es fast nichts in den Geschäften. Der Streik auf Guadeloupe zeigt auch hier seine Auswirkungen. Schon seit Wochen warten die Leute auf Lebensmittel, die meist von Frankreich geliefert werden. Michi führt mich zurück zum Dingi, dann fahrt er mit Gabi zum Autoverleih, um den Wagen zurück zu geben.

Ich rudere mit unseren wenigen Einkäufen an Bord, wo Werner gerade aus dem Bett gekrochen ist. Gerade als wir bei den Vorbereitungen zu unserem Frühstück sind, legt ein Dingi seitlich an. Es sind Thomas und Kiki vom Katamarin „Kiki“. Die beiden haben endlich nach vierundzwanzig mühevollen Tagen wieder festen Boden unter den Füßen. Beschwerlich war es deswegen, weil einige Schäden während der Überfahrt aufgetreten sind. Wir plaudern ein wenig, als plötzlich Michi angeschwommen kommt. Michi und Gabi haben wir glatt überhört, obwohl sich Michi vom Ufer aus die Lunge aus dem Körper gepfiffen hat.

Ich sitze im Salon und schreibe nun Tagebuch. Die Zeit vergeht dabei immer viel zu schnell. Endlich sind alle Arbeiten erledigt. Nun begebe ich mich zu „Big Papa“, wo es Internet gratis gibt. Hier kann ich bei einem kühlen Grapefruitjuice die Homepage aktualisieren und nebenbei mit Patricia und den Kindern telefonieren.

Über eine Email von Thomas und Kiki erfahre ich, weshalb die beiden in Dominica gelandet sind. Weil Heike, eine Freundin der beiden, heute ihren Geburtstag neben dem Purple Turtle Restaurant feiert. Heike und ihr Freund Stefan sind vor wenigen Tagen mit ihrem Alu-Katamarin in der Prince Rupert Bay angekommen. Gestern ist noch ein zweites Paar aus Österreich angekommen, Josef und Sabine aus der Steiermark auf einer wunderschönen Amel 46, ebenso Einhandsegler Bertl, auch auf einer Amel.

Um 17.00 muss ich zurück an Bord. Gabi kocht heute wieder diesen leckeren Gemüseeintopf, den wir schon vor ein paar Tagen genossen haben, diesmal mit Truthahnfleisch. Das Ergebnis ist wieder einmalig.

Am Strand ist schon alles für ein schönes Fest vorbereitet, ein kleines Buffet, Holz für ein Lagerfeuer und gute Laune gibt es überall. Es ist kurz vor 20.00 Uhr, als wir uns auch zu dieser netten Runde gesellen. Hier treffen wir die richtigen Blauwassersegler. Menschen mit unbegrenzt viel Zeit und wahrscheinlich auch dem notwendigen Kleingeld.

Die Geschichte von Josef* ist allerdings nicht nur eine blumige. Josef war Gendarm und wurde bei einem Einsatz lebensgefährlich verletzt. Glücklicherweise sind die Wunden nach Jahren zumindest außen verheilt. Einige Jahre danach wurde Josef dann pensioniert. Nun konnte er sich wenigstens einen Traum erfüllen. Er kaufte sich eine wunderschöne Segelyacht, eine Amel 46, und ist nun seit 2006 mit seiner Frau Christa* auf große Reise.

Ein paar Meter neben der überdachten Laube, unter der das Geburtstagskind ein gutes Buffet aufgestellt hat, brennt im Sand unter einer Palme ein großes Lagerfeuer – eine sehr romantische Stimmung verbreitet das flackernde Licht der Flammen. Plötzlich taucht Hamilton auf. Ich habe diesen netten Burschen bei meinem Ersten Besuch in Portsmouth mit Patricia, Pauli und Lilli kennen gelernt. Er ist ein sehr spontaner Mensch und hat sofort eine selbst gemalte Geburtstagskarte für das Geburtstagskind zur Hand. Nur mehr ein paar Glückwünsche und die Unterschrift der Gratulanten, und schon ist Heike ganz sprachlos, als ich ihr die Geburtstagsglückwünsche überreiche.

Hamilton möchte plötzlich singen, eines seiner selbst komponierten und getexteten (in englischer und französischer Sprache, wie er betont) Lieder. Alle, die die Party noch nicht verlassen haben, stehen rund um Hamilton und hören andächtig zu. Hamilton steigert sich richtig hinein und nach jeder Nummer erhält er „tosenden“ Applaus. Doch irgendwann geht auch ihm die Luft aus und wir wünschen uns alle eine Gute Nacht, steigen in unsere Dingis und rudern heimwärts.

(*Namen von der Redaktion geändert)


19.02.2009 – Dominica ade, scheiden tut weh
Gleich nach dem Frühstück müssen wir an Land, denn wir wollen heute bei einem Tischler oder Holzhändler eine Leiste für unser Schiff kaufen. Wir wollen Teakholz oder eine gleichwertige Holzart, mit dem Querschnitt 1“ x ¾“ (25 x 17mm), mit einer Gesamtlänge von ungefähr zehn Metern. Damit könnten wir die beschädigten Stellen und auch etwas mehr unserer Scheuerleiste erneuern.

Es ist jedoch leider unmöglich, das passende Material zu finden, weder beim Tischler, noch beim Holzhändler. Beide schauen uns nur ratlos an. Wir verschieben das Projekt nach hinten. Auch unsere Lebensmitteleinkäufe sind nicht sehr erfolgreich. In den meisten Supermärkten sind die Regale ziemlich leer, und in den Kühlfächern ist ebenfalls gähnende Leere. Der Streik in Guadeloupe zeigt auch hier Auswirkungen.

Wir kehren also fast mit leeren Händen an Bord zurück. Einige Stück Obst retten unsere Ehre. Ich setz mich gleich nach der Rückkehr wieder ins Dingi und rudere zu Thomas und Kiki. Ihr Katamaran liegt weit draußen und ich rudere eine Zeit lang, bis ich ihr Schiff, ebenfalls mit dem Namen „Kiki“ endlich erreicht habe.

Es ist schon sehr lustig und skurill, wenn man jemanden so weit fern der Heimat zufällig trifft, den man eigentlich doch ein wenig kennt, und das letzte Mal zufällig in Wien auf der Straße getroffen hat. Da gibt es schon einiges zu erzählen. Um 15.00 führen mich Thomas und Kiki zur Tattoo zurück, denn mit Gabi und Michi ist noch ein Ausflug in den Cabrits-Nationalpark geplant. Werner ruht indessen und erspart sich so wieder ein wenig Geld.

Wir gehen die Straße entlang, vorher schwingen wir uns noch ein paar Mal mit den Lianen, die zwischen Straße und Meer am Sandstrand von den Kokospalmen hängen. Wir gehen die gleiche Strecke, die ich schon vor nicht ganz zwei Wochen mit Lilli, Patricia und Pauli gegangen bin. Gleich auf den ersten Metern begegnet uns eine schöne Grove-Snake. Sie ist harmlos, wie überall betont wird. Etwas weiter hebt Gabi eine schöne Muschel vom Boden auf. Der eigentliche Eigentümer, ein kleiner Einsiedlerkrebs lässt sich das aber nicht gefallen und zwickt Gabi in den Finger. Gabi spricht schon von Delogierung, die Muschel wäre so schön und dieser Krebs kann sich ja eine andere Muschel suchen. Michis und mein lautstarker Protest stößt aber Gott sei Dank nicht auf taube Ohren. Wir kommen an den Ruinen der Kommandatur und der Batterie vorbei. Es sieht wirklich gespenstisch aus. Gabi meint, man könnte hier sofort „King-Kong“ drehen. Auch der Rückweg ist der Gleiche. Zuerst geht der Weg hinauf über eine lange Naturtreppe, dann führt er rechts ein Stück entlang der Steilküste und zurück gehen wir dann wieder durch den Wald bis zu Fort Shirley.

Zurück schwimmen Gabi und Michi direkt von der Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe, ein ordentliches Stück Weg bis zu unserer Tattoo. Ich gehe wieder zum Dingi und rudere zurück. Hohe Wellen, die sich direkt am Ende des Holzsteges brechen, machen das Einsteigen zum Abenteuer.

Zurück an Bord essen wir heute Abend Salat mit geräuchertem Rindfleisch. Wir sind bereit zu „Bigpapa“ zu fahren, zwischen halb neun und neun Uhr wollen wir uns dort mit Thomas und Kiki treffen, als es plötzlich heftig zu regnen beginnt. Wir warten den Schauer ab, meistens ist der Spuk nach wenigen Minuten vorbei, dann rudern wir an Land. Auch beim Aussteigen ist es nicht einfach, trocken an Land zu kommen. Glücklicherweise ist nur das rechte Bein bis zum Knie im Wasser gestanden.

Bei Bigpapa ist heute der Teufel los. Außer uns vieren, Thomas und Kik und einer Kellnerin ist das Lokal menschenleer. Wir sitzen und Thomas erzählt seine spannende Geschichte vom Kauf und der Überführung seines Katamarans „Kiki“ von den Philippinen nach Italien. Erst als das letzte Tischtuch vom Tisch genommen ist und die Schank mit einer versperrbaren Holzwand einbruchsicher abgeschlossen wird, denken wir ans Heimgehen. Und genau in diesem Moment beginnt es wieder fürchterlich zu Regnen. Unter einem Balkon finden wir notdürftig Schutz.

Endlich ist das Unwetter über uns hinweg gezogen, der Himmel ist wieder sternenklar und wir rudern müde zurück auf unsere Tattoo. Vorher rufen wir uns noch gegenseitig zu, das wir uns um 11.00 Uhr über Funk melden werden.


20.02.2009 - Anse du Bourg – Iles les Saintes
Für heute ist die Abreise geplant. Unser nächstes Ziel ist die Inselgruppe Iles les Saintes, die Heiligeninseln, 5 Seemeilen vor Guadeloupe. Bevor wir aber alles seefest verstauen ruf ich um 11.00 Uhr Thomas über UKW-Funk an. Bevor wir uns verabschieden bitte ich ihn noch, uns einen Wetterbericht einzuholen. Nach wenigen Minuten höre ich seine Stimme im Funk: „Wind aus Ost bis Ostnordost, 22 bis 26 Knoten.

Das Wetter ist heute schon ab den frühen Morgenstunden nicht so wie in den letzten Tagen. Der Himmel ist mit weißgrauen Wolken fast vollständig bedeckt. Die Sonne lässt sich nicht blicken und von den Bergen blasen immer wieder heftige Fallböen herunter, manchmal mit bis zu 35 Knoten.

Doch wir schenken dem Wetterbericht Glauben. Immerhin haben die Vorhersagen von www.passageweather.com bisher immer gehalten, was sie versprochen haben. Und auch heute stimmt die Vorhersage exakt.

Nach etwa vier Stunden erreichen wir die kleine Inselgruppe der Les Saintes. Laut meinem Ivanovski-Reiseführer sollen die Inseln als eine der schönsten in der Karibik gelten. Unsere Erwartungen sind daher groß, ob solcher Ankündigungen. Wir ankern unweit der „Ausreisser“, die wir also wieder eingefangen haben. Wir machen das Dingi startklar, heute mit Motor, und fahren an Land.

Die Insel „Terre du Haut“ ist die Hauptinsel von insgesamt neun Inseln und Inselchen, die nur teilweise bewohnt sind. Einwohnerzahl insgesamt 1.200. Wir legen am Dingisteg an und gehen in das belebte Dorf. Viele Menschen, vorwiegend französische Touristen tummeln sich in den schmalen Gassen.

Wir wollen Yoghurt, Käse und Obst kaufen, doch die Regale sind leer. Die Verkäufer hoffen, dass die Streiks in Guadeloupe endlich aufhören. Es wird nämlich schon alles sehr knapp. Auch ein Mofa können wir uns nicht ausborgen, denn es gibt kein Benzin mehr. Kein Wunder, auf einer Insel mit fünf Kilometer Straße, 30 Autos und 200 Mofas.

Wir treffen ilona und Bodo und gehen auf einen Kaffee. Anschließend begeben wir uns gleich in eine Pizzaria. Als Vorspeise bekommen wir hier die kleinen Blutwürste, die hier als eine Spezialität gelten. Sie schmecken ausgezeichnet, ebenso wie die Pizza. Und der Preis ist auch ok.

Wir sitzen dann noch eine Weile im Cockpit und plaudern, ehe wir uns zu Bett begeben.

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