Samstag, 14. Februar 2009

Lebenslust und kochende Seen - 11.02 - 12.02.2009

11.02.2009 - Stadtbesichtigung
Heute steht eine ausgedehnte Stadtbesichtigung von Roseau am Programm. Wir rudern bald nach dem Frühstück an Land. Das Wetter ist genau das Richtige für so ein Unternehmen. Immer wieder ziehen dunkle Wolken über die Bucht und dann regnet es meist für einige Minuten, hinterher scheint wieder die Sonne und man schwitzt fürchterlich.

Roseau haben Werner und ich mit Pitty, Paul und Lilli schon besucht. Aber die Stadt ist größer, als man auf den ersten Blick meint. Und das Leben ist an einem Wochentag in vollem Gange. Nur an den Wochenenden ist hier alles ausgestorben, wie fast überall in der Karibik. Die Menschen verbringen ihre freien Tage mit der Familie an einem Strand bei Picknick und Musik.

Überall gibt es kleine Bars in der netten, farbenfrohen Stadt. Alte Frauen verkaufen am Straßenrand Gemüse und Obst aus ihrem Garten, in den engen Straßen und Gassen staut sich der Verkehr, Kinder in ihren Schuluniformen strömen aus den Schulen und warten auf den Bus, der sie dann heim, meist außerhalb der Stadt, bringt. Die Lust am Leben hier auf dieser Insel ist den meisten Menschen anzusehen.

Am Markt erstehen wir frischen Kürbis, Süßkartoffel, Yams und eine weitere Wurzel, deren Namen ich leider vergessen habe, außerdem besorgen wir Paradeiser und Hühnerfleisch. Das alles wird dann abends zu einem schmackhaften Gericht zubereitet.

Werner und ich fahren am frühen Nachmittag mit einem Sammeltaxi zum Schiff zurück. Michi und Gabi begeben sich noch auf die Suche nach Souvenirs und treffen dabei Bodo und Ilona. Die Beiden hatten gestern so wie wir die Victoria Wasserfälle besucht, wobei sie für dieses Erlebnis wesentlich tiefer in die Tasche greifen mussten als wir – 50,00 US$ pro Person. Das ist soviel, wie wir zu dritt bezahlten. Man muss wirklich vorsichtig sein, denn als ahnungsloser Tourist ist man immer ein willkommenes Opfer.

Zum Abendessen gibt es heute Gemüse im Wok und dazu Hendlhaxerln aus der Pfanne. Es war köstlich, was uns Gabi da wieder auf den Tisch gezaubert hat. Hier eine kurze Anleitung: Kürbis, Süßkartoffel, Yamswurzel und eine unbekannte Wurzel werden würfelig geschnitten und im Wok zirka eine halbe Stunde gegart, dann mit Salz, Pfeffer und etwas Pepper-Sauce gewürzt. Das Huhn wird gewürzt, mit Honig bestrichen und anschließend im Mehl gewälzt, dann in der Pfanne gebraten, bis die Haut knusprig ist. Anschließend kann man noch etwas Rotwein darüber gießen, das ergibt einen herrlichen Saft.

Morgen müssen wir früh aus den Federn. Wir wollen zum Boiling Lake. Mit „Roots“ haben wir diesen Ausflug vereinbart: Wir wollen nur ein Taxi, keinen Führer! Es hat eine Weile gebraucht, bis er unserem Wunsch entsprochen hat. Bodo und Ilona haben sich heute auch noch angeschlossen.

Zwischen drei und vier Stunden dauert die Tour zu diesem einzigartigen Naturphänomen. Der Weg zurück ist der Selbe und dauert daher noch einmal solange, insgesamt also mindestens sechs Stunden Fußmarsch. Vor dem Einschlafen lese ich noch die Tourbeschreibung in Patricias Dominica-Reiseführer, bevor ich davon träume.


12.02.2009 – Boiling Lake
Der Boiling Lake ist ein Naturphänomen, wie es angeblich auf Dominica das Größte seiner Art auf unserem Planeten ist. Andere Quellen meinen, dass es einen noch größeren See dieser Art in Neuseeland gibt. Aber darüber lass ich andere streiten.

Es handelt dabei sich um den Krater eines noch nicht erloschenen Vulkans, der mit Wasser gefüllt ist und von unten aus dem Erdinneren so erhitzt wird, dass das Wasser wie in einem Kessel ständig kocht. Dieses kochend heiße Wasser fließt dann über eine Felskante aus dem See und etwas weiter unten im Regenwald kann man unter den Victoria-Wasserfällen darin baden. Auch dort ist die Wassertemperatur noch immer angenehm warm. Obwohl man das Gefühl hat, in einem Wildbach im Gebirge zu sein.

Um 06.00 läutet mein Wecker. Heute gibt es nur eine Tasse Tee zum Frühstück, denn um 07.00 müssen wir schon vor dem Anchorage Hotel stehen. Jones Younis, der schon vor einigen Tagen unser Führer zu den Victoria-Wasserfällen war, ist heute unser Fahrer.

Gemeinsam mit einem amerikanischen Paar, sowie einem Belgier mit seiner kalifornischen Freundin und deren Führer Pancho sitzen wir nun im Toyota Kleinbus von Jones und fahren durch Roseau und nehmen eine Abkürzung durch den Botanischen Garten. Dann führt der Weg in ein grünes Tal über eine große Baustelle – die Ausfallstraße aus Roseau wird hier saniert. Die Straße verjüngt sich mehr und mehr und windet sich nun mit engen Haarnadelkurven steil bergauf entlang eines Berghangs, der dicht mit Regenwald bewachsen ist. Bei Gegenverkehr muss meist einer warten, bis der andere die Stelle passiert hat. In Laudat erreichen wir das höchstgelegene Bergdorf Dominicas. Von dort sind es nur mehr wenige Meter, bis wir den Bus verlassen. Nun beginnt die Wanderung.

Zuerst führt ein breiter aber steiniger Weg bis zu einer schmalen Brücke, auf der wir einen Wildbach überqueren. Dann kommen wir zu einem gemauerten Bassin des Titou Gorge, dessen Wasser das einzige Wasserkraftwerk Dominicas speist. Hier fließt das Wasser aus einer tiefen und sehr schmalen Schlucht aus dem Berg in das Speicherbecken. Nun führt der Wanderweg durch dichten Regenwald, abwechselnd über Holzstufen aus Baumstämmen, aber stetig in die Höhe. Gestern hat es viel geregnet, deshalb ist der Boden heute sehr feucht und tief. Immer wieder versinkt man im schlammigen Erdreich, manchmal bis zu den Knöcheln. Ilona und Bodo folgen uns brav, trotz ihrer kurzen Beine, wie sie schon am Beginn der Wanderung selbst ironisch meinten.

Nach einer Stunde bergauf und bergab erreichen wir den Breakfast River, einen Bergfluss, den wir überqueren müssen. Gleich hinter dem Fluss geht es steil über Treppen bergan, bis zu der Stelle, von wo man links und rechts tief nach unten in üppigst grüne Täler blickt. Von hier führt der Weg entlang des Bergkamms, einmal rauf, dann wieder runter. Bodos Füße spielen nicht mehr mit. Eine Blase am Fuß quält ihn, sodass er barfuss weitergeht. Der Regenwald wird niedriger und man blickt über eine tolle Berglandschaft, ganz weit entfernt ist der Atlantik und das Karibische Meer zu sehen.

Bodo ist mit seinen Kräften am Ende. Ilona und er kehren an einer Stelle des Weges um, von wo der Pfad extrem steil in das „Valley of Desolation“ – in „das Tal der Trostlosigkeit“ abfällt. Unter uns steigen Schwefeldämpfe aus dem felsigen Boden empor. Bäche mit heißem Wasser fließen über den durch Schwefel gelblich und grau gefärbten Stein.

Es geht von hier ein Stück entlang eines kleinen Flusses, verschlungen von der üppigen Vegetation des Waldes, der sich über viele kleine Kaskaden das Tal hinab windet. Dann verlässt unser Weg den Flusslauf und führt über Treppen in den nächsten dampfenden Krater.

Nachdem wir die letzte felsige Passage überwunden haben, erreichen wir endlich den tiefen Krater des Boiling Lake. Tief unter uns brodelt kochend heißes Wasser und riesige Dampfschwaden schweben über diesem Kessel. Auf der anderen Seite erkennt man eine Öffnung in der Felswand, wo das heiße Wasser aus dem Becken in das Tal stürzt. Immer wieder verdecken dichte Wolken aus Schwefel- und Wasserdampf den Ausblick. Doch der stürmische Wind, der hier oben bläst, öffnet immer wieder neue Luken, durch die man etwas mehr von dem Tosen in der Tiefe dieser Hölle erkennen kann.

Nun können wir unser Frühstück endlich genießen. Auch die Gruppe von Pancho sitzt hier und alle haben ihr Gesicht mit grauem Schlamm eingerieben – das soll sehr gesund für die Haut sein.

Wir genießen noch eine Tafel Schokolade, bevor wir zum Rückweg aufbrechen. Nun müssen wir zuerst aus den Tiefen wieder in die Höhe steigen, was schon recht anstrengend ist. Doch ab dem Zeitpunkt, wo man den Bergkamm erreicht hat, geht es angenehm in die Tiefe und nach exakt sechs Stunden erreichen wir den Ausgangspunkt dieser traumhaft schönen, aber auch sehr anstrengenden Wanderung.

Gabi und Michi baden noch im erfrischenden Wasser des Titou Gorge. Hier kann man auch einige Meter in die enge Schlucht schwimmen, aus der das Wasser strömt.

Erschöpft sitzen wir alle wieder im Bus und fahren nun zurück nach Roseau. Im Anchorage Hotel trinken wir gemeinsam mit Bodo und Ilona ein Abschlussgetränk. Werner, der den Tag an Bord verbracht hat, stößt nun auch zu uns. An Bord zurückgekehrt, es ist 16.00 Uhr, fällt fast alles in tiefen Schlaf. Ich nütze die Ruhe und widme mich den vielen Fotos von diesem Ausflug.

Zu Abend essen wir heute ganz im Anchorage Hotel. Donnerstag ist Barbecue-Abend. Es gibt Huhn, Schwein und Fisch. Alles schmeckt ausgezeichnet, bis auf den Kaffee. Der riecht wirklich grauslich. Mit vollem Bauch kehren wir zurück an Bord und fallen bald in unsere Betten. Es war wieder ein herrlicher Tag.

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