07.02.2009 – Letzter Tag in Pointe du Bout
Heute ist nicht viel los. Gestern sind wir erst spät ins Bett gekommen. Michi und Gabi haben während ihres Aufenthalts in Fort de France Ralph kennen gelernt. In der Mayflower-Bar am Hafenkai sind sie mit ihm ins Gespräch gekommen.
Ralph ist Schiffsschrauben- und Antriebswellenmonteur für Containerfrachter und andere ähnlich große Schiffe und wurde von seiner Firma für einige Wochen in der Werft in Fort de France geschickt. Er kommt eigentlich aus dem ehemaligen Ostdeutschland, aus der Nähe von Zwickau und er ist wirklich ein sehr sympathischer Kerl.
Nun hat er zufälligerweise seit wenigen Tagen sein Zimmer im Hotel Caryacou, genau vis a vis unseres Liegeplatzes in der Marina Somatra. Er blickt von seinem Fenster direkt auf unser Schiff. Ralph sitzt nun mit uns an Bord und wir quatschen über Gott und die Welt. Dabei übersehen wir, dass es eigentlich schon nach 02.00 Uhr ist. Eigentlich Zeit zum Schlafen. Irgendwann verabschiedet sich Ralph und wir legen uns nieder.
Nach einem dafür sehr späten Frühstück um 10.00 Uhr treffen sich Michi, Gabi und Werner mit Ralph und machen mit dessen Leihwagen einen Ausflug in den Süden Martiniques, nach Le Marin und zu einem der schönsten Strände dieser Insel, an den Grande Anse Salines.
Währenddessen sitze ich heute am Computer und schreibe die Erlebnisse der letzten Tage, bearbeite die Fotos, und aktualisiere unsere Homepage. Es waren wunderschöne Tage und die Zeit für Tagebuch schreiben war einfach nicht vorhanden. Das kann ich heute dafür in Ruhe nachholen.
Knapp vor Sonnenuntergang höre ich die Stimmen von den drei Ausflüglern. Sie kehren mit Rindschnitzel und Schweinekoteletts und Krebsfleisch für ein üppiges Abendessen zurück.
Gabi zaubert ein dreigängiges Menü auf den Tisch und wir lassen es uns so richtig schmecken. Als Vorspeise gibt es Krebsfleisch mit einer traumhaft guten Sauce und als Hauptgang Rindsbraten und die Koteletts in der Pfanne gebraten, dazu Reis. Einfach köstlich. Auch Ralph ist eingeladen und lässt sich es schmecken.
Dann sitzen wir wieder zusammen in unserem Cockpit und plaudern bis spät in die Nacht. Aber es gibt eben viel zu erzählen, sodass an Schlaf noch nicht zu denken ist.
08.02.2009 – Alte Bekannte
Heute geht die Reise nach St. Pierre, unserer nun endgültig letzten Station auf Martinique. Die Strecke legen wir unter Motor zurück, denn der Wind hält sich heute sehr zurück. In der Bucht vor dem netten Ort liegen heute schon einige Yachten, wesentlich mehr, als beim ersten Mal. Das Ankermanöver verläuft heute nicht so reibungslos. Sichtlich sind wir auf jene Bereiche am Meeresboden gestoßen, vor denen im Hafenhandbuch gewarnt wird. Der Boden fällt vom Ufer schnell steil ab und an manchen Stellen ist der Ankergrund felsig – ungeeignet zum Ankern.
Nachdem der Anker beim dritten Versuch endlich so liegt, dass wir beruhigt das Schiff verlassen können, zieht wieder eine Karnevalstruppe mit viel Getöse durch den Ort. Die Frau in der Bar L’Escapade, wo ich wieder ausklariere, erklärt mir, dass sich dieses Ritual jeden Sonntag von Neujahr bis vor den Faschingssamstag wiederholt, an diesem findet dann der richtige Umzug statt. Sie scheint von diesen „warm up’s“ nicht so begeistert zu sein.
Wir treffen Bodo und Ilona von der Segelyacht „Ausreisser“. Die beiden kennen wir seit Barbados, wo wir uns nach der Atlantiküberquerung das erste Mal gesehen haben. Ich stand Bodo damals beim Einklarieren zur Seite. Er stammt aus der DDR und in seiner Schulzeit lernte er zwar russisch, aber leider kein Wort Englisch. Am 24.12. haben wir in der „Red Mens Bar“ gemeinsam den Heiligen Abend verbracht. Die beiden sind nun so wie wir nach Norden unterwegs, wo Sie dann Anfang April zurück über den Atlantik segeln wollen. Sehr zeitig für diese Tour, aber sie müssen schon Ende Juni wieder daheim in der Nähe von Berlin sein.
Heute gibt es Gemüse im Wok mit Krebsfleisch und Schweinefleisch. Dazu essen wir Weißbrot. Abends sitzen wir dann noch im Cockpit und planen die nächsten Tage. Morgen wollen wir wieder nach Dominica fahren. Ich freu mich schon sehr darauf.
09.02.2009 – „Welcome to Dominica“
In der Früh rudere ich an Land, um frisches Brot zu kaufen. Dann frühstücken wir und um 09.00 holen wir den Anker vom Grund und fahren los. Die Überfahrt heute ist angenehm und geht gut voran. Wir segeln mit Vollzeug mit über 6 Knoten und erreichen knapp vor 15.00 Uhr Roseau.
Weit vor der Bucht von Roseau kommt uns „Roots“ in seinem Motorboot entgegen. Er lotst uns in die Bucht, wo wir wieder an einer Boje anlegen wollen. Doch alle Bojen sind heute besetzt. So ankern wir vor dem Yacht-Inn Hotel und sichern uns mit einer Landleine. Das Manöver ist ganz schön kompliziert, denn erst nachdem wir unsere drei längsten Leinen miteinander verbunden haben, reicht sie bis an Land.
Als an Bord alles erledigt ist, rudern wir zum nahen Steg. Er sieht zwar sehr wackelig aus, doch zum Festmachen des Dingis reicht es aus. Von hier müssen wir durch einen durch eine Mauer eingezäunten Garten zur Hauptstraße. Glücklicherweise wird der Wachhund gerade von seiner Besitzerin beruhigt. Wie wird das sein, wenn wir abends zurückkehren?
Nun marschieren wir in die Stadt. In der „Garage-Bar“ kehren wir für ein Abendessen ein. Das Lokal liegt im Zentrum der netten Stadt und das Essen schmeckt ausgezeichnet. Für den Rückweg leisten wir uns ein Sammeltaxi. Vor dem Yacht-Inn Hotel steigen wir aus. Hier müssen wir wieder über dieses von dem Hund bewachte Privatgrundstück zu unserem Steg, wo das Dingi hängt. Glücklicherweise ist der Wachhund nun eingesperrt, das erspart uns einen großen Umweg.
Morgen geht’s zu den Victoria-Wasserfällen. Für mich zwar schon zum zweiten Mal, aber dieses Erlebnis ist es Wert. Da müssen wir uns heute bald niederlegen, damit wir morgen fit sind. Also dann: schlaft gut!
10.02.2009 – Victoria-Falls und Rastarant
Pünktlich um 10.00 Uhr holt uns „Roots“ mit seinem Boot ab. Wenige Minuten später stehen wir an der Hauptstraße vor dem Anchorage Hotel und warten auf unseren Führer. „Roots“ ist nervös, denn vor wenigen Minuten hat ihm der Fahrer, den er für uns engagiert hatte, abgesagt. Dieser meinte, dass heute zwei Kreuzfahrtschiffe angelegt haben und er damit sicher mehr verdienen kann.
„Roots“ stoppt das nächste Taxi und erklärt dem Fahrer in seiner Muttersprache Patois, für uns absolut unverständlich, das er einen Führer und einen Wagen für uns benötigt. Der Lenker des Taxis ist zwar mit dem Transport von uns dreien, Gabi, Michi und mir, einverstanden, von einer Wanderung zu den Victoria Wasserfällen hält er allerdings nichts. Trotzdem gibt uns „Roots“ zu verstehen, das nun alles geregelt sei und wir uns in den Wagen setzen sollen.
Joseph heißt unser „Führer“. Er ist ein netter Kerl, doch außer das Lenken seines Fahrzeuges scheint er wenige Interessen zu besitzen. Weder für Pflanzen, noch für wichtige Orte seiner Heimat. Ganz das Gegenteil unseres Führers vom letzten Mal. Johns wusste den Namen jeder Pflanze und konnte uns sehr viel über die Insel Dominica erzählen.
Als Joseph an der Abzweigung zu den Victoria Fällen vorbei fährt, ist mir klar, dass er nicht die geringste Ahnung hat, wo sich diese befinden. Glücklicherweise habe ich ein gutes Erinnerungsvermögen und nach einer Wende biegen wir nun richtig in den schmalen Pfad ein, der uns zum „Rastarant“ von Moses James bringt. Heute sind viele Menschen in seiner Hütte: sein Bruder Lion, sein Sohn und sein Enkel. Als er mich sieht, bricht er in ein herzliches Lachen aus. Er kann sich noch an unseren Besuch vor nicht ganz zwei Wochen erinnern. Auf seinem Herd brodelt dieser köstliche Eintopf.
Wir besuchen die Victoria Fälle heute ohne Führer. Joseph hat sehr deutlich zu verstehen gegeben, das Wandern nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Aber er verspricht, hier im „Rastarant“ auf uns zu warten.
Die Wanderung ist traumhaft schön. Auch ohne Führer erreichen wir die Wasserfälle. Wir sind völlig alleine. Das Bad im Becken des Wasserfalls ist eine herrliche Erfrischung. Gerade als wir uns für den Rückweg bereit machen, kommt uns eine Gruppe von etwa zehn Franzosen entgegen. Wir sind zwar wieder völlig durchnässt, aber heute entsprechend vorbereitet mit einer trockener Hose und Schuhen. Und der Eintopf bei Moses ist nach so einer Anstrengung genau das Richtige.
Am Rückweg führt uns Joseph noch in ein kleines Fischerdorf an der Atlantikküste und durch den Ort Grande Bay. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Menschen strömen sofort aus ihren Hütten, wenn Sie ein Auto kommen hören – freundlich wird man von allen Seiten empfangen.
Wir kommen um 16.00 Uhr zurück und fragen Joseph, was er für seine Dienste verlangt. Er überlässt es uns, und wir bezahlen ihm 140,00 EC$. Den vorher vereinbarten Preis von 80 EC$ pro Person sind wir nicht bereit zu zahlen, denn Joseph hat uns ja auch nicht zu den Wasserfällen geführt.
Das sieht „Roots“, der sich als Agent betrachtet, jedoch ganz anders. Joseph hätte ihm sogar gesagt, dass wir keinen Führer wollen. Erbost besteht er auf die Bezahlung von 80.00 EC$, so wie ursprünglich vereinbart.
Doch auch wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen. Der Hotelmanager vom Anchorage Hotel hat sich in die Diskussion eingemischt und nach kurzer Zeit ist die Situation wieder bereinigt. Alle haben sich wieder beruhigt und wir lassen uns von „Roots“ zu unserer Tattoo zurückführen.
Es gibt Palatschinken mit Schoko- und Marmeladefüllung. Dann plaudern wir noch, bis wir müde ins Bett fallen.
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