14.09.2008 – Eivissa lebt
An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei allen fleißigen Gästebuchschreibern bedanken. Es ist jedes Mal ein spannendes und zugleich schönes Gefühl, wenn man diese wirklich lieben Gästebucheinträge liest und man weiß, dass man uns noch nicht vergessen hat.
Nun noch ein paar Worte zum Vortag. Die Ankunft in Ibiza war turbulent. Wir sind bis in den letzten Winkel des relativ großen Hafenbeckens gefahren, denn dort gibt es laut Hafenhandbuch zwei Schwimmstege, wovon an einem auch Platz für Gäste sein soll. Man befindet sich dort nämlich unmittelbar in der Altstadt. Alle anderen Marinas sind sauteuer und liegen noch dazu weit entfernt von der Altstadt. Ohne Taxi oder gutes Schuhwerk hat man keine Chance, von dort in die Stadt zu gelangen.
Mit Glück finden wir auch wirklich eine passende Lücke und machen uns gleich fest. Da wir von keinem Marinamitarbeiter empfangen werden, es ist auch schon nach acht Uhr, wollen wir die Anmeldung am nächsten Tag durchführen. Gerade als wir unser Schiff zu verlassen wollen um unsere neue Umgebung auszukundschaften, zwängt sich plötzlich noch eine Segelyacht zwischen uns und unserem Nachbarn. Es ist zwar schon eng, trotzdem ist Platz genug.
Wie wir dann von unserem Stadtbummel zurückkehren, sehen wir mit Erstaunen, dass man unser Stromkabel aus der Steckdose entfernt hat und stattdessen ein anderes Kabel, nämlich das unseres neuen Nachbarn, angeschlossen war. Wir holen ihn freundlich an Deck und fragen nach dem Grund. Er, ein kleiner giftiger spanischer Profiskipper (lt. eigener Aussage), wahrscheinlich frustriert, weil er mit zehn männlichen Franzosen segeln muss, scheint sehr schlecht gelaunt zu sein, regt sich (in Spanisch) fürchterlich auf, und wir verstehen natürlich kein Wort. Doch seiner Gestik entnehmen wir, dass wir sichtlich seinen Platz am Steg belegt haben und er daher sauer ist. Dann ruft er noch den Marinero an, der Nachtdienst versieht und dieser ist ebenfalls sehr unfreundlich. Er erklärt uns (natürlich auch in Spanisch), dass wir den Liegeplatz sofort verlassen müssen. Gabi versucht, mit üblichen Mitteln der Kommunikation ein normales Gespräch zu führen, leider ohne Erfolg.
Plötzlich jedoch erklärt unser Nachbar dem Marinero, dass wir diese eine Nacht auf seinem Platz bleiben können und auch den Strom wieder anschließen dürfen. Ende gut – alles gut. Der Marinero grüßt freundlich und verabschiedet sich – Vorhang zu.
Wir sind nach diesen Erlebnissen etwas frustriert, versuchen aber den Vorfall so rasch wie möglich zu vergessen und bald schnarchen wir alle friedlich.
Nun beginnt heute: Für heute ist die Besichtigung Eivissas geplant. Schon in der Nacht haben wir das Leben von Eivissa ein bisschen kennen gelernt. Es vergeht hier kaum eine ruhige Minute, und wenn, dann am ehesten in der Früh vor neun. Denn da ist es schwierig, nur ein einziges offenes Lebensmittelgeschäft oder eine Bäckerei aufzustöbern.
Ständig sind Menschen unterwegs. Junge ausgeflippte, Hippies der vorangegangenen Generationen, Touristen, aber auch hiesige, die Unterschiede sind oft nicht zu erkennen. Mode gibt es an jeder Ecke in allen Variationen, Schmuckläden bieten teilweise billigen Ramsch, aber zum Teil auch sehr geschmackvolle Stücke an und dann gibt es Geschäfte, die wirklich so schön sind, dass man meint, man befindet sich in einem Traum.
Ich habe noch keine Stadt kennen gelernt, die so voll Leben ist.
Wir wandern entlang der Stadtmauer rund um Dalt Vila, die Oberstadt, von wo man einen herrlichen Ausblick auf das Meer, Formentera und die Unterstadt Eivissa genießen kann. Das Leben findet vor allem im Hafenviertel statt. Unendlich viele Lokale machen es oft schwer, daran nur vorbei zugehen.
Es ist schon spät am Nachmittag, als wir uns entschließen, eine Rast zu machen. Wir kehren in eine einfache Imbissbude ein und bestellen Pizzaschnitten und Getränke. Im Portal hängt ein großer Flachbildschirm, wo skurrile Videos gezeigt werden. Und diesen Moment der Abgelenktheit nützt sichtlich ein frecher Dieb, um sich Michis Tasche anzueignen. Wir haben keine Ahnung, wie es passieren konnte. Geld, Papiere und Brille sind futsch. Gabi und Michi rennen zur Polizei um den Diebstahl zu melden. Nachdem endlich alle Amtswege erledigt sind, holen wir uns bei KFC Backhuhn mit Pommes und Salat, mampf.
Und dann stürzen wir uns trotz des heutigen Schicksalsschlages nochmals in die Stadt, setzen uns an einem belebten Platz in ein Cafe und genießen die Darbietungen zweier Schausteller, einem Feuerschlucker und einem Clown-Akrobaten (Jongleur, Feuerschlucker, Clown, …)
Wieder an Bord: hier sitzt schon seit dem ersten Tag immer in den Abendstunden ein einsamer Sänger und unterhält die vorbeiströmenden Menschenmassen mit seiner wirklich ausgefallenen Darbietung – er spielt Gitarre und singt dazu „Quanta namera“ – fürchterlich falsch, aber wirklich Mitleid erregend.
15.09.2008 – Landpartie
Wir leihen uns einen Mietwagen, um das Landesinnere zu erkunden. Diesmal ist es ein flotter Peugeot 207. Michi übernimmt wieder das Steuer und keiner ist darüber unglücklich.
Da die Insel nicht sehr groß ist, lässt sie sich gemütlich in einem Tag umrunden. Wir beginnen mit dem Osten, wo wir zuerst durch Santa Eularia del Riu und dann weiter nach Sant Carles de Peralta kurven, einer laut Reiseführer ehemaligen Hippykollonie. Es scheint aber nicht mehr als der Supermarkt übrig geblieben zu sein.
Die Landschaft ist sehr grün, viele Pinienwälder sorgen für ein angenehmes Klima und das Leben scheint an manchen Orten stehen geblieben zu sein. Wie weiße Würfel stehen die sehr einfachen, aber stilvollen Häuser verstreut in der Landschaft, umgeben von Terrassengärten, die noch aus der Zeit der arabischen Besiedlung stammen, bepflanzt mit Oliven- und Mandelbäumen oder Wein. Je weiter wir nach Norden kommen, desto gebirgiger wird die Landschaft.
Die gesamte Insel gefällt uns wirklich sehr, die Landschaft ist sehr üppig grün und landschaftlich sehr reizvoll, ganz anders als Menorca und Mallorca zuvor.
Im lieblichen Portinax erreichen wir wieder das Meer. Dann geht’s weiter durch hügelige Landschaft im Landesinneren. Nachmittags gönnen wir uns dann eine Pause mit Picknick, bevor wir die erste echte Enttäuschung des heutigen Tages erleben - die zweitgrößte Stadt der Insel, Sant Antoni de Portmany. Dieser Ort ist so hässlich - Hochhäuser, Reihenhäuser und unzählige Baustellen gestalten das Stadtbild. Schnell wieder raus aus diesem Unikum und dann geht es an der Westküste weiter. Auch hier entstehen viele neue Ferienwohnanlagen und in einigen Jahren wird sich die Gegend leider auch nicht gerade positiv verändert haben.
Bevor wir zu unserem Schiff zurückkehren, ankern wir noch vor einem Supermarkt, um uns mit frischem Proviant zu versorgen. Wir besorgen Fleisch und Gemüse, welches wir zu einem herrlichen Abendessen im Wok zubereiten.
16.09.2008 – Ruhetag
Gabi und Michi sind heute den letzten Tag an Bord. Sie haben für die letzte Nacht auf Ibiza in einem kleinen Hotel ein Zimmer reserviert, dann geht es für Michi bis zum siebenten Oktober nach Wien.
Werner und ich sind dann die nächsten Tage zu zweit unterwegs. Heute wird Wäsche gewaschen, Tagebuch geschrieben, Pläne geschmiedet und gefaulenzt.
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1 Kommentar:
Habe das Foto "LA BODEGUITA DEL MEDIO" gesehen und sofort an Havana an das Original denken müssen. Dort befindet sich ein gleichnamiges Lokal in dem Hemingway den Mojito erfunden haben soll.
LG Willy
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