Freitag, 6. März 2009

02.03 - 04.03.2009 - Neue Erkenntnisse

02.03.2009 - Ernste Kaufabsichten
Wir frühstücken heute erst später, denn für heute haben wir nichts geplant. Es soll ein erholsamer Tag werden. Nach dem Frühstück widme ich mich meiner Wäsche, die bei der gestrigen Wanderung etwas gelitten hat. Und da es keine Wäscherei in der Umgebung der Marina gibt, wasche ich meine Schmutzwäsche selbst. In einer Marina, wo Süßwasser nicht extra verrechnet wird, ist das ideal. Da spielt es auch keine Rolle, wenn es fünfmal am Tag regnet. Irgendwann scheint die Sonne lange genug, dass die Wäsche trocken wird.

Nachdem die Wäsche gut ausgespült ist und auf der Wäscheleine hängt, packe ich mein Notebook und alles was dazugehört ein und begebe mich zu „Le Carribian“. Die Homepage ist wieder zu aktualisieren. Bei dieser Tätigkeit vergeht die Zeit meist viel zu schnell, ganz besonders dann, wenn es ständig Übertragungsprobleme gibt. Doch dann denk ich mir einfach, dass diese Kommunikationsmöglichkeiten heutzutage eigentlich ein Wahnsinn sind. Man darf nicht unbescheiden sein.

Gabi kocht heute Hühnerlaibchen und Kartoffelpüree. Um 18.45 bin ich an Bord. Das Problem beim Öffnen der Fotos von Guadeloupe ist zwar gelöst, jedoch noch nicht auf der Homepage behoben. Ich darf für Ordnernamen keine Umlaute verwenden! Aber nun bin ich hungrig und genieße das Abendessen.

Anschließend sitzen wir noch im Cockpit und plaudern. Morgen werden uns Michi und gabi verlassen, dann sind Werner und ich alleine am Schiff, mit unendlich viel Platz! Hoffentlich fühlen wir uns nicht einsam.

03.03.2009 – Ade, Gabi und Michi
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es 07.30 ist. Zeit zum Aufstehen. Ich nehme mein Waschzeug und die Bordkasse und begebe mich zuerst einmal in die Dusche, danach zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Dann gibt es wie immer ein üppiges Frühstück. Eigentlich ist es nicht mehr erwähnenswert, aber andererseits ist es jedes Mal so gut!

Um 10.30 hab ich mit dem Post-Shop-Typen vereinbart, dass er mir die zusätzlich versprochenen Reggae-Nummern auf eine CD gebrannt hat und ich sie mir abholen kann. Leider sind die Rohlinge ausgegangen. Aber am Nachmittag bis um 15.30 ist er sicher fertig.

Es ist noch viel zu erledigen, bevor wir ablegen können. Der Liegeplatz ist zu bezahlen, Proviant benötigen wir noch, vom „Shipchandler“ benötigen wir noch einige Teile und ausklarieren müssen wir auch noch.

Zuerst besorgen Werner und ich im nahen Supermarkt die notwendigen Lebensmittel. Michi und Gabi holen sich in dieser Zeit ihren Leihwagen für die nächsten Tage ab. Dann begebe ich mich in das Marinabüro, um die Rechnung zu bezahlen und die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Schnell noch ein Sprung ins Internetcafe, um mit den Kindern und mit Patricia zu telefonieren. Um 15.30 hol ich mir aus dem Postshop die versprochenen Reggae-Nummern ab.

Nun ist die Zeit gekommen, wo wir uns verabschieden müssen. Michi und Gabi werden die nächsten Wochen gemeinsam verbringen, zuerst in Guadeloupe, alles andere ist aber noch offen. Vielleicht …!? Nun sind Werner und ich für einige Wochen alleine. Wir wollen heute ablegen und morgen in Antigua anlegen. Die Nacht verbringen wir vor der Drehbrücke „Ponte Gabarre“, damit wir morgen um 05.00 Uhr die Öffnung nicht verschlafen. Wir fahren durch die Riviere Salee und von dort dann weiter nach English Harbour auf Antigua.

Von der Marina Bas du Fort wird man durch eine gut markierte Wasserstraße geleitet, bis man vor der Autobahnbrücke anhalten muss. Links davon ist eine große Bucht, die durch Mangroven begrenzt ist. Das erste Ankermanöver brechen wir ab, denn wir kommen dem Mangrovenwald zu nahe.

Beim zweiten Versuch halten wir etwas mehr Abstand zu den Mangroven und fahren entlang der Markierungstonnen wieder ein Stück retour. Plötzlich sitzen wir fest und bewegen uns nicht mehr von der Stelle. Wir stecken im Schlamm. Erster Versuch – Im Retourgang zurück – nichts tut sich– zweiter Versuch – noch immer keine Bewegung. Ein Motorboot kommt durch den Kanal. Wir machen mit Handzeichen auf uns Aufmerksam und die beiden Männer auf ihrem Motorboot nähern sich vorsichtig. Sie sprechen beide leider nur französisch. Doch mit Händen und Füßen geben wir ihnen zu verstehen, dass wir Hilfe benötigen und sie scheinen zu verstehen.

Doch niemand kommt. Ich nehme den Enterhaken, mache Markierungen und messe die Wassertiefe neben dem Schiff. Am Heck: 1,50m. In der Mitte: 1,40m, am Bug: 1,30m – das ist zuwenig, denn unser minimaler Tiefgang beträgt 1,45m. Nun rächt es sich, dass unser Tiefenmesser leider in letzter Zeit nicht richtig funktioniert hat und wir die Ursache bis jetzt nicht gefunden haben. Außerdem waren die Tiefenangaben in der Seekarte nicht richtig. Doch da hilft keine Ausrede. Schuld sind wir. Nun heißt es, eine Lösung zu finden.

Wir haben Glück. Es ist kurz vor Tiden-Hochwasser und plötzlich spüren wir einen Ruck im Schiff. Wir bewegen uns wieder, wir sind frei! Der Wasserstand ist um soviel gestiegen, dass der Kiel aus dem Schlamm gehoben wurde. Nun lassen wir den Anker gleich neben der Fahrrinne fallen, um ja keine bösen Überraschungen mehr zu erleben.

Wir sind erschöpft von dieser Aufregung. Zum Abendessen gibt es Spagetti mit Sugo und um 22.00 liegen wir im Bett. Daneben steht mein Wecker, der um 04.30 läuten wird. Gute Nacht.


04.03.2009 - Aufgesessen
Es ist stockfinstere Nacht, als der Wecker läutet. Schnell stellen wir Wasser am Herd zum kochen für Kaffee und Tee. Der Motor wird gestartet. Mittlerweile sind wir hier nicht mehr die einzigen, die unter den Drehbrücken durchfahren wollen. Wir heben den Anker und warten als letzte der Kolonne auf die Durchfahrt durch die Ponte Gabarre, die Brücke, über die die Autobahn führt, und die die beiden Inselhälften von Guadeloupe verbindet. Pünktlich um 05.00 wird die Brücke gehoben und wenige Minuten später schaltet die Ampel auf grün um: Durchfahrt frei! Wir folgen den anderen Schiffen mit einem Sicherheitsabstand. Dann geht es im Slalom 1,2 Seemeilen bis zur Alliance-Brücke, die um 05.30 geöffnet wird.

Ich stehe am Vorschiff, mit dem Suchscheinwerfer in der Hand und versuche, Werner den Weg von einer Tonne zur nächsten auszuleuchten. Werner muss sich sehr konzentrieren, um nicht vom Weg abzukommen. Oft ist die Fahrrinne nur wenige Meter vom Flussufer entfernt, dass mit Mangroven bewachsen ist. Nach der zweiten Brücke geht es genauso weiter. Man fährt von einer grünen Tonne zu einer roten, dann wieder zu einer grünen, usw.

Nach der Durchfahrt durch den Mangrovenwald kommt eine gefährliche Riffpassage. Hier muss man noch vorsichtiger navigieren, denn die Riffe liegen knapp unter der Wasseroberfläche und sind um diese Tageszeit fast nicht auszumachen.

Wir folgen den Tonnen, die nun in großen Abständen liegen. Plötzlich merken wir, dass sich der Kiel wieder durch Schlamm schiebt. Obwohl wir die Wasserstraße nicht verlassen haben. Hier sind wir auf eine in der Karte nicht vermerkte Untiefe aufgefahren. Wieder stecken wir fest. Und keine Menschenseele in Sicht.

Wir sind verzweifelt. Hier stehen wir nun und unsere Hoffnung, dass wir uns selbst befreien, schwindet von Minute zu Minute. Und auch mit fremder Hilfe ist nicht zu rechnen, denn dieser Weg wir nur von kleineren Schiffen, hauptsächlich von Seglern und Fischern, benützt.

Wieder messen wir zunächst die Tiefe um unser Schiff. 10 Tonnen können wir alleine nicht bewegen. Wir stehen wieder kurz vor Tiden-Hochwasser. Es ist 07.00 Uhr und um zirka 08.30 ist das nächste Hochwasser angekündigt. Doch die 20cm Tidenhub werden uns wahrscheinlich nicht helfen.

Wir schalten unser Funkgerät ein und ich rufe auf Kanal 16 um Hilfe. Und wirklich meldet sich kurz danach eine sehr freundliche Stimme. Ich gebe unsere Position durch: 16°20’165“ N, 61°34’414“W – das ist die Stelle, wo wir aufsitzen. Ich werde nach dem Schiffsnamen, dem Schiffstyp der Länge, der Breite und dem Tiefgang gefragt. Dann sagt die Stimme, dass in wenigen Minuten die Gendarmerie bei uns eintreffen wird. Wir warten. Immer wieder ziehen dunkle Wolken über uns und es regnet leicht. Die Zeit vergeht endlos langsam.

Plötzlich erkenne ich am Horizont einen dunklen Punkt, der sich uns langsam nähert. Unsere Retter nahen. Die Französische Gendamerie kommt mit einem modernen Riesenschlauchboot mit zwei Außenbordmotoren mit jeweils 250PS. Das sollte wohl reichen, um uns frei zu kriegen.

Zuerst werden wir sehr freundlich gegrüßt. Die Mannschaft besteht aus drei Männern und einer Frau. Alle sprechen gut englisch. Einer der Gendarmen kommt zu uns an Bord, um das Manöver von hier aus zu leiten. Meine Frage, wie viel uns dieser Einsatz kosten wird, winkt der freundliche Gendarm sofort ab. Das ist kostenlos. Ich bin sprachlos. Das habe ich nicht erwartet.

Eine Leine wird an der Bugklampe befestigt und dann beginnen die 500PS des Einsatzschiffes ganz sanft zu arbeiten. Vorsichtig wird unsere Tattoo in Richtung der Wasserstraße gedreht, nichts ist zu hören und kurze Zeit später treiben wir wieder in der Fahrrinne. Die Gendarmen begleiten uns nun noch bis an das Ende der Wasserstraße, mit freundlichen Grüßen werden wir verabschiedet und nun geht es nach Antigua.

Die 49 Seemeilen bis nach English Harbour verlaufen zum Glück ohne besondere Vorkommnisse. Nur das Wetter verhält sich seltsam. Die Wellen sind sehr unregelmäßig. Ganz plötzlich kommt eine Riesenwelle von der Seite und man muss sich mit beiden Händen festhalten, dann ist es wieder eine Zeit lang ruhig. Ebenso verhält sich der Wind. Von 10 Knoten bis 30 Knoten pendelt die Nadel des Windanzeigers. Wir legen die Strecke in ca. 6 Stunden mit Motorunterstützung zurück.

Sofort nach der Einfahrt in die fjordähnliche Bucht English Harbour befindet man sich in einer anderen Welt. Überall ankern Yachten in allen Größen. Nur eine schmale Durchfahrt bis zum Ende der Bucht muss freigehalten werden. Wir ankern im hinteren Teil der Bucht. Wie wir prüfen, ob der Anker auch hält, merken wir, das er slippt. Wir starten den zweiten Versuch. Wieder das selbe. Da kommt ein Schlauchboot auf uns zu. Der junge Bursche fragt, ob wir Schwierigkeiten haben, sichtlich hat er uns schon einige Zeit beobachtet.

Wir erklären ihm die Situation. Er bietet uns dann einen Liegeplatz in der nahen Marina „Nelson’s Dockyard“ an. Wir überlegen kurz und nicken dann zustimmend. Wir legen Römisch-Katholisch an der Mole an. Nun betreten wir den Boden von Antigua.

Antigua ist einzigartig. Neben uns schwimmen Pelikane und Fregattvögel stürzen immer wieder vom Himmel und fischen sich ihr Futter aus dem Meerwasser. Hinter uns ist eine grüne Wiese, die abends als Fußballfeld dient und dahinter stehen Gebäude aus Ziegel, die wirklich schön restauriert wurden. Der Ort, wo wir uns nun befinden, scheint wie Disneyland für Segler zu sein. Hauptsächlich für Amerikaner und Engländer.

Jedoch ist mein erster Weg zum Zoll und zur Einwanderungsbehörde. Und da dämmert mir Schlimmes. Gestern habe ich nämlich in der Marina Bas du Fort ausklariert. Doch die Papiere habe ich im Büro vergessen, denn sofort konnte ich sie nicht mitnehmen. Sie mussten zuerst per Fax an die Behörde gesendet werden, die sie dann bestätigt zurücksendet. Nun steh ich in Antigua und muss dem Zöllner die Situation erklären. Er meint nur, dass er das mit seinem Supervisor besprechen muss. Ich soll dann morgen um neun wieder kommen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne verschwindet hinter dem Horizont. Wir sind hungrig und müde. So machen wir uns landfein und begeben uns auf die Suche nach einem guten Abendessen. Doch beim ersten Blick auf die Speisekarten der umliegenden Restaurants vergeht uns der Hunger schnell. Wir entfernen uns etwas vom Marinagelände und finden außerhalb ein Lokal mit kubanischen Namen: „Havanna-Bar“. Zu essen gibt es aber Thailändische Küche. Und die schmeckt wirklich vorzüglich. Wir werden auch sehr freundlich bedient und verlassen gut gesättigt das Lokal.

Müde fallen wir heute in unsere Kojen. Der Tag war lang und sehr erlebnisreich, zu erlebnisreich. Morgen wird es dafür sehr gemütlich.

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