23.03.2009 – Wieder vereint
Es ist 09.25, als wir den Anker heben. Die Nacht war angenehm ruhig. Die Fahrt nach St. Martin verläuft ereignislos. 26 Seemeilen sind zu bewältigen. Vor Philipsburg, der Hauptstadt des holländischen Inselteils liegen vier große Kreuzfahrtschiffe an der Pier.
Vor der Simpson Bay kommt uns ein Segler mit kanadischer Flagge entgegen. Er hat sein Funkgerät in der Hand und winkt uns damit zu. Ich hole unser UKW-Funkgerät aus dem Schiff und rufe auf Kanal 16: „Here ist Tattoo Island, Here ist Tattoo Island“. Eine Stimme antwortet: „Change to channel 17!“ Er will wissen, wo man auf St. Martin einklarieren kann. Ich hole mir das Hafenhandbuch und gebe ihm den Ort bekannt. Wir plaudern noch ein bisschen über woher und wohin und dann bedankt er sich und wir beenden das Gespräch.
Wir umrunden die Westspitze und fahren in die Marigot Bay ein. Unser Ziel ist die Marina „Fort Louis“. Um 14.30 liegen wir mit dem Heck am Liegeplatz E8.
Mit den Schiffspapieren begebe ich mich in das Marinabüro und melde uns an. Dann kaufe ich mir auch gleich einen Internetzugang für einen Tag. Heute Abend kommen Gabi und Michi von ihrer Kuba- und Guadeloupereise zurück. Da will ich mich vorher noch frisch machen.
Ich hole mir aus dem Marinabüro sechs Jetons zum Duschen. Ich werfe die erste Münze in den Automaten und das Wasser spritzt sofort aus dem Brausekopf. Die zwei Wasserhähne an der Wand sind nur Attrappen. Egal wie man sie bewegt, es ändert nichts – das Wasser rinnt. Ich seife mich also ein und dusche mich ab. Das Wasser spritzt noch immer. Also seife ich mich nochmals ein und genau jetzt kommt kein Wasser mehr. Ich werfe also erneut eine Münze ein und wasche mir die Seife vom Körper. Nun warte ich aber nicht mehr, bis das Wasser aufhört zu rinnen.
Werner und ich sind gerade dabei, unseren beiden Urlaubern entgegen zu gehen, doch da stehen sie schon am Steg vor dem Schiff, mitsamt ihrem ganzen Gepäck. Endlich sind die beiden wieder zurück. Umarmung. Es gibt unendlich viel zu erzählen. Wir sitzen im Cockpit und erzählen uns gegenseitig die Geschehnisse der letzten drei Wochen. Und dabei wächst unser Hunger bedrohlich an.
Heute feiern wir Gabis Geburtstag, leider schon etwas verspätet. Gabi lädt uns zu diesem Anlass zu einem Geburtstagsessen ein. Wir finden in der Lagune bei der Marina „Port la Royale“ ein nettes Lokal und bestellen Pizza und Schweinefleisch mit Champignonsoße. Zurück an Bord geht es weiter – erzählen, erzählen, erzählen.
Irgendwann fallen mir die Augen zu und ich beschließe, schlafen zu gehen. Auch Werner, Michi und Gabi folgen bald.
24.03.2009 - Marigot
In der Nacht hat es zweimal heftig geregnet. Gerade noch rechtzeitig kann ich die beiden Luken schließen. Denn sonst regnet es bis unter die Decke. Um acht steh ich auf. Michi ist auch schon an Deck. Ich mach mich auf die Suche nach einem Supermarkt. Gar nicht einfach bei der Unmenge an Schmuck- und Souvenirläden. Doch es gibt auch einen kleinen Supermarkt in einer der engen Gassen. Ich besorge Brot, Käse und Wurst.
An Bord steht schon alles bereit. Das Frühstück gehört zu unserer wichtigsten Mahlzeit, denn nun gibt es bis zum Abend keine feste Nahrung. Diesen Rhythmus haben wir ohne Zwang schon von Beginn unserer Reise eingeführt.
Die Zeit nach dem morgendlichen Mahl verbringen wir mit den vielen eindrucksvollen Bildern, die Michi und Gabi während ihrer Kubareise geschossen haben. Um die Mittagszeit ist der Fehler in der Internetverbindung behoben und ich kann die Homepage aktualisieren und meine Emails bearbeiten.
Dann besichtigen wir die nette Stadt Marigot – die Hauptstadt des französischen Inselteils von St. Martin. Zuerst besteigen wir den Hügel mit dem Fort. Besser gesagt, mit dem was davon noch übrig geblieben ist. Ein paar Mauerresten, ein paar Kanonenrohren, wovon die eine oder andere abzustürzen droht.
Das Leben in den Gassen von Marigot ist bunt. In den vielen netten bunt gestrichenen und mit Holzgirlanden verzierten Häusern tut sich sehr viel. Hauptsächlich sind Juweliere und Restaurants in den lokalen eingemietet. Im Cafe Banana bestellen wir uns Espresso.
Dann gehen wir entlang der stark frequentierten Hauptstraße, vorbei am Friedhof bis zur Hebebrücke, die dreimal am Tag geöffnet wird, damit die Schiffe aus der Lagune ausfahren, bzw. in die Lagune einfahren können. Gleich davor kaufen wir für unser Abendessen ein im Supermarkt „US-Import“. Es gibt heute Schweinefleisch mit Gemüse im Wok und dazu Reis. Zum Nachtisch holen wir dann noch Zitronenjoghurt aus der Kühltruhe.
Anschließend müssen sich Michi und Gabi hunderte Bilder anschauen, die ich während ihrer Abwesenheit auf den Inseln von Antigua bis St. Barth fotografiert habe. Sie halten durch, fallen aber kurz danach in ihrer Kojen müde um. Ich sage nur: „Gute Nacht!“ Wahrscheinlich war es doch zuviel.
25.03.2009 – Karibik ade
Ich könnte mich wiederholen, vielleicht hab ich das Selbe schon vor ein paar Tagen gesagt. Der Höhepunkt unserer Reise ist überschritten. Aber ich sehe das als ganz selbstverständlich an. Denn selten gibt es den Höhepunkt erst am Ende einer Reise.
Auch dieser Tag beginnt wie schon viele Tage zuvor. Um 08.00 Uhr bin ich hellwach, sodass mich nichts mehr im Bett hält. Ich zieh mich an und mach mich auf den Weg zum Bäcker. Wir frühstücken und danach müssen wir uns mit Proviant für die nächsten Tage versorgen. Das erledigen Michi und ich, während Werner und Gabi das Schiff für die Abfahrt vorbereiten.
Ich bezahle im Marinabüro den Liegeplatz, dann können wir ablegen und unserem nächsten Ziel entgegen fahren, die Bucht Grand Case im Norden von St. Martin. Es bläst heute ein heftiger Wind mit bis zu 30 Knoten und unserer Tattoo plagt sich gegen Wind, Wellen und auch Strom. Mit gerade 2,5 bis 3,0 Knoten nähern wir uns unserem Ziel. In der Nähe der Grand Case befindet sich ein kleiner Flughafen auf französischer Seite, wo Michi und Gabi vor zwei Tagen aus Guadeloupe kommend gelandet sind. Wir werfen den Anker in der sehr offenen Bucht. Wellen und heftige Windböen zerren an der Ankerkette und wir können uns nicht so recht entspannen. Der Strand besteht nur aus einem schmale Sandstreifen, dahinter hat man fast durchgehend Hotelanlagen errichtet. Die Aussicht ist nicht gerade berauschend.
Gabi und Michi holen ihre Taucherbrille und Schnorchel aus dem Schiffsrumpf und springen in das strahlend blaue Wasser. Nach einer Stunde kehren sie etwas enttäuscht zurück, denn zu sehen gab es unter Wasser leider nicht viel. Wir beschließen, hier nicht länger zu verweilen, sondern in die nächste Bucht zu fahren, in die Anse Marcel. Es gibt dort eine kleine Marina, die man über einen engen Kanal erreichen kann. Dadurch liegt man sehr geschützt vor Wind und Wellen.
Die Einfahrt in die Marinazufahrt ist durch rote und grüne Tonnen gut markiert. Trotzdem muss man sehr vorsichtig navigieren, denn in die Wasserstraße lässt gerade Platz für ein Schiff. Am Ende steht man in einem Becken, rundum mit Stegen und die Hänge sind mit Strauchwerk grün bewachsen.
Wir liegen bequem längsseits an einem Steg, der gerade lang genug ist für unsere Tattoo-Island. Ich melde uns im Marina-Büro an. Die Marina ist Teil einer großen Hotelanlage der Raddison-Kette. Es ist sehr ruhig. Nur wenige Menschen leben hier auf ihren Schiffen. Vielmehr scheint die Anlage eher ein sehr gut geschützter Liegeplatz für Dauergäste zu sein. Hinter der Marina befinden sich das pompöse Hauptgebäude des Raddison-Hotels, einige Apartmenthäuser und das im Kolonialstil erbaute Privileg-Hotel, welches jedoch nicht in Betrieb zu sein scheint. Im Untergeschoß gibt es einen kleinen Supermarkt und die üblichen Souvenirläden.
Michi und Gabi begeben sich wieder an den Strand, während ich mir die Anlage etwas genauer ansehe.
Abends kocht Gabi. Es gibt Macaroni mit Broccoli, Speck, Zwiebel und Obers. Dazu essen wir Jägersalat. Wir sitzen danach im Cockpit, rund um uns ist es totenstill. Wir sind sichtlich hier in der Marina wirklich die Einzigen, die die Nacht an Bord verbringen.
„Good Evening!“ grüßt plötzlich eine freundliche Stimme aus der Dunkelheit. Ein Security-Mitarbeiter dreht seine Runden. Wir sind also doch nicht ganz alleine.
26.03.2006 – Strandwanderung
Wir wollen uns heute einige Strände im französischen Inselteil von St. Martin ansehen, die in unseren Reiseführern gelobt werden. Nach dem Frühstück geht es los. Zur Sicherheit erkundigen wir uns am Ausgang der Hotelanlage bei einem Uniformierten Wächter nach dem richtigen Weg. Als wir ihm unser Ziel nennen, meint er, dass das vollkommen unmöglich wäre, diese Strände ohne Auto zu erreichen. Er denkt sich wahrscheinlich – diese armen Irren – gibt uns dann aber dann zumindest eine Beschreibung der Route.
Zunächst müssen wir einmal über die steil abfallende Zufahrtsstraße der Bucht aufwärts, um den Bergrücken zu überqueren. Die Straße schlängelt sich in engen Kurven entlang des Berghanges. Kurz vor der höchsten Stelle wirft Werner das Handtuch und kehrt wieder um. Gabi, Michi und ich wandern weiter.
Nun geht es auf der anderen Seite genauso steil wieder abwärts. Man sieht auch schon die weißen Sandstrände der Etang de la Barriere. Die fast kreisrunde Bucht ist an der äußeren Seite durch mehrere kleine Inseln fast wie ein See vom Meer abgeschirmt. Einige Segler nützen diesen ruhigen Platz, um hier während des Tages zu ankern. Übernachten vor Anker ist aber verboten.
Wir erreichen die Hauptstraße. Von da an gehen wir nach rechts der Straße entlang. Wieder erkundigen wir uns nach dem richtigen Weg zum schönsten Strand von St. Martin, dem Orient Beach. „Das sind noch sieben bis acht Kilometer, vollkommen unmöglich, zu Fuß dorthin zu gelangen!“ Wir versuchen es trotzdem und nach ungefähr 30 Minuten stehen wir am Orient Beach. Ein langer, weißer Sandstreifen, kristallklares türkisblaues Meerwasser und in der Ferne sind bunte Sonnenschirme zu sehen. Wir kehren in das am nächsten liegende Strandrestaurant ein, um unseren Durst zu stillen.
Michi und Gabi springen wieder in das kühle Nass, während ich wieder zurück marschiere. Diesmal jedoch nicht auf der stark befahrenen Straße, sondern entlang der Küste. Ein schmal ausgetretener Pfad führt oberhalb des felsigen Ufers in die nächste Bucht. Der Anblick ist leider enttäuschend. Leer stehende Ferienhäuser, ohne Fenster und Türen, sichtlich noch nie bewohnt, stehen an einem völlig menschenleeren Sandstrand. Ich rätsle immer wieder, warum man soviel Geld sprichwörtlich im Sand vergräbt.
Dann führt mein Weg durch kleine Gärten mit Ferienhäusern, bis ich wieder an der Hauptstraße stehe. Von der Steintafel weg, die das Hotel Raddison ankündigt, sind es dann ziemlich genau zwanzig Minuten, bis ich wieder an Bord bin.
Gabi und Mich kehren kurz vor 02.00 Uhr zurück. Wir gehen uns dusche, diesmal auch mit Warmwasser – herrlich. Dann bezahlen wir unseren Liegeplatz und legen ab. Mit voll ausgereffter Genua geht es zurück bis zur Sandy Ground Brücke. Hier kann man in die Simpson Bay Lagoon einfahren. Die Brücke öffnet um 17.30 Uhr und so haben wir noch etwas mehr als eine Stunde zu warten.
Pünktlich um 17.30 öffnet der Brückenmeister die Hebebrücke. Vor uns fährt eine kleine schwedische Yacht. Da hinter dem Brückenkanal keine Seezeichen zu sehen sind, die uns den Weg hätten weisen können, folgen wir dieser Yacht. Doch kurz darauf merken, wir, dass dies die falsche Richtung ist. Wir wollen heute eigentlich in die Simpson Bay Marina und die liegt aber genau in der anderen Richtung.
Wir wenden. Plötzlich winkt uns ein Mann von einem anderen Schiff aufgeregt zu. „Nicht weiter fahren, hier wird es flach!“ Und schon ist es geschehen. Wir stecken im Sand. Vorsichtig versuchen wir, im Retourgang zurück zu fahren. Wir haben Glück. Nach wenigen Momenten bewegen wir uns auch wirklich wieder. Nun geht es vorsichtig von einer Markierungstonne zur nächsten. Das Schiff hinter uns hat sich auch im Sand eingegraben. Wie wir zumindest vermuten, wesentlich fester als wir, denn wir sehen die Leute auch noch aus einiger Entfernung, wie sie kämpfen, um wieder frei zu kommen.
Knapp vor Einbruch der Dunkelheit liegen wir sicher in der Simpson Bay Marina. Das Büro ist bereits geschlossen, so müssen wir uns erst morgen anmelden. Wir befinden uns nun im holländischen Inselteil von St. Martin – der hier Sint Maarten heißt. Auch gibt es hier eine andere Währung – den Niederländischen Antillen Gulden. Es werden aber auch Amerikanische Dollar akzeptiert. Die erhält man auch in den so genannten Bankmaschinen, wie die Bankomaten überall in der Karibik bezeichnet werden.
Sint Maarten ist seit kurzer Zeit ein unabhängiger Staat. Vorher war es Teil des Niederländischen Königreiches. Seit dieser Unabhängigkeit wird hier wahnsinnig viel gebaut. Überall entstehen Einkaufszentren, Spielcasinos und Ferienwohnungen oder Hotels. Wir finden in einem erst vor kurzem eröffnetem riesigem Kinozentrum mit kleinen Geschäften und vielen Restaurants auch einen kleinen türkischen Imbissstand, wo es Kebab gibt. Das ist Abwechslung. Auch wenn es nicht ganz unserer Vorstellung entspricht schmeckt es nicht schlecht.
Rund um die Marina ist auch noch reges Leben. Viele Menschen sitzen in den Lokalen und die Stimmung ist gut.
Trotzdem begebe ich mich heute nicht allzu spät in meine Koje, denn ich muss morgen früh aufstehen. Ich mache nämlich einen Ausflug auf die Insel Saba.
27.03.2009 – Die Königin von Saba
Immer wenn ich den Namen der sagenumwobenen Insel Saba höre, denke ich an das Stück „Die Königin von Saba.“ Ich weiß nichts über den Inhalt dieses Werkes, noch über deren Schöpfer, aber diese Worte haben sich eingeprägt.
Schon während der Planung unserer Reise war es einer meiner größten Wünsche, diese Insel zu besuchen. Damals wusste ich allerdings noch nicht, dass es ziemlich kompliziert ist, auf Saba anzulegen. Und beim Studium unserer Hafenhandbücher wurde mir klar, dass wir auf eigenem Kiel Saba wahrscheinlich nicht erreichen werden. Nur unter besten Wetterbedingungen soll man die sehr kleine Bucht Fort Baai ansteuern und ankern, wird empfohlen. Das Risiko war uns dann zu hoch, sodass wir stattdessen St. Barthélemy besuchten.
Doch meine Hoffnung muss ich nicht begraben. In St. Martin erblickte ich bei einem Anbieter für Ausflugstouren auch eine Tour nach Saba. Mittwoch, Freitag und Sonntag kann man für 75 US$ mit der „EDGE II“ in einer eintägigen Tour die Insel Saba besuchen. Genau das was ich wollte. Schon zwei Tage vorher reserviere ich einen Platz auf dem Schnellkatamaran.
Und heute ist es soweit. Um 07.00 Uhr läutet mein Wecker. Anziehen, Zähne putzen, kein Frühstück, nur den Rucksack einpacken und zum Abfahrtssteg der Fähre gehen. Keiner hört mich an Bord. Alle schlafen noch tief und fest.
Der Weg ist schnell gefunden. Pelikan Point heißt mein Ziel. Ich gehe durch eine hässliche Hotel- und Timeshare-Anlage. Zwei Etagen tiefer stehe ich vor dem Fährterminal. In der untersten Etage der Gebäude sind Reisebüros, Restaurants Tauchbasen angesiedelt. Vorher muss ich noch den Rest des Fahrpreises von 75 US$ bezahlen. Ich nehme auch das Tour & Lunch-Paket für 35 US$. Das ist zwar auch kein Geschenk, aber nach unserer Erfahrung in Barbuda glaube ich, mehr von der Insel zu sehen.
Kurz nach 09.00 Uhr legt die Fähre ab. Bis nach Saba sind es zirka 35 Seemeilen, was einer Fahrzeit von 90 Minuten entspricht. In dieser Richtung ist die Fahrt sehr angenehm. Es gibt fast kein schaukeln, den wir fahren mit der Welle. An Bord befinden sich ungefähr 25 Fahrgäste. Der Sprache nach zu schließen, kommen die meisten Besucher aus den USA. Eine bunt gemischte Runde. Die meisten fahren so wie ich, um die Insel Saba kennen zu lernen. Nur einige wenige machen einen Tauchausflug.
Saba besitzt als einzige Insel der Karibik keinen einzigen Strand. Dafür soll die Unterwasserwelt an der steil nach unten abfallenden Küste traumhaft schön sein. An Bord gibt es Getränke und die Stimmung ist gut. Um 10.30 legen wir an der sehr kurzen Mole von Fort Baai an. Dies ist die einzige Möglichkeit, von Wasser aus auf die Insel zu gelangen. Nur zwei Yachten ankern in der kleinen Bucht.
Bevor wir an Land gehen, müssen wir warten, bis die Beamten der Immigration alle Daten der Einreisenden überprüft haben. Dann betreten wir Saba. Zwei Kleinbusse warten schon auf die Gäste mit Tour & Lunch. Ich habe das Glück und bekomme den Platz in der ersten Reihe. Wir sind insgesamt etwa 12 Fahrgäste. Der Fahrer, ein älterer Herr, begrüßt uns alle sehr freundlich. Dann geht es Los.
Im Hafen steht das Kraftwerk. Hier wird mit Dieselgeneratoren der Strom für die etwa 13 km² große Insel erzeugt. Der Lärm der Anlage und auch der Gestank der Abgase sind wahrscheinlich der Grund, warum sich hier nur Tauchshops angesiedelt haben.
Die Straße windet sich gleich von Beginn an in engen Kurven steil bergauf. Unsere Fahrer erzählt, dass es hier auf Saba erst seit 1947 befestigte Straßen gibt. Seit dieser Zeit fahren auch die ersten Kraftfahrzeuge über die sehr bergige Insel.
Wir kommen in die „Hauptstadt“ von Saba. „The Bottom“ nennt sich der Ort mit 400 Einwohnern. Und eigentlich liegt „The Bottom nicht am Boden, sondern in 250m Höhe. Die netten Häuser, alle in einem ähnlichen Stil erbaut, liegen verstreut in einem Talkessel. Rundherum durch grüne Berghänge eingeschlossen. Doch wie wir zuvor schon auf allen anderen Inseln, mit Ausnahme von Barbuda erstaunt festegestellt haben, gibt es auch auf Saba eine medizinische Universität. Wir erfahren, das vorwiegend amerikanische Stundenten hier einige Semester ihrer Ausbildung verbringen.
Dann geht es weiter aufwärts. Wir erreichen den höchsten Ort Windwardside. Das ist das Touristische Zentrum. Von hier führt ein Stufenpfad auf die Spitze des 887m hohen Mount Scenery. Das ist die höchste Erhebung der Insel. Windwardside ist ein sehr reizvoller Ort. Es gibt viele Lokale und Geschäfte. Unser Fahrer führt uns zu dem Restaurant, wo wir dann unser Lunch erhalten.
Im Bus geht eine Speisekarte von Passagier zu Passagier, wo wir unseren Speisenwunsch markieren können. Ich nehme panierten Fisch. Dann führt uns der Weg zum letzten Dorf an der Straße, nach Hells Gate. Von hier führt eine Serpentinenstraße abwärts zum kleinsten kommerziellen Flugplatz der Welt. Die Start- und Landebahn ist 400m lang und endet an beiden Seiten an einer Felswand, deren unteres Ende am Meer liegt. Hier zu landen erfordert sicher viel Mut des Piloten. Schon der Anblick lässt einem erschaudern.
Nun bringt uns der Fahrer unseres Busses zum höchsten Punkt des Inselstraßennetzes. Hier verlassen ich und ein amerikanisches Paar den Bus. Jetzt beginnt der Aufstieg auf den 887m hohen Mount Scenery. Der gut befestigte Weg führt über unzählige Stufen bis zum höchsten Punkt der Insel. Ich lerne Luise und John aus Minnesota kennen. Die beiden verbringen ihren Urlaub auf Sint Maarten, denn sie besitzen in einer Timeshare-Anlage ein Apartement. Wir unterhalten uns, doch die beiden geben nach kurzer Zeit auf und kehren um.
So wandere ich alleine dem Gipfel entgegen. Der schmale und steile Weg führt durch üppige Regenwaldvegetation. Die Landschaft ist wunderschön. Es ist nun schon längere Zeit vergangen, seit ich den letzten Regenwald in der Karibik gesehen habe, ich glaube, das war auf Guadeloupe.
Nach 45 Minuten stehe ich am Gipfel. Vorher musste ich noch einige Felsbrocken überwinden. Nun sehe ich rund um mich nur blaues Meer, im Dunst die Inseln St. Eustasia und dahinter St. Kitts, im Norden Sint Maarten. Direkt unterhalb gibt es nur Regenwald und einige Bergspitzen knapp vor der Küste von Saba. Ich steige wieder abwärts. In dieser Richtung ist es weit weniger Anstrengend. Nach einer knappen halben Stunde erreiche ich das Restaurant in Windwardside. Mein Hunger ist riesig und der panierte Fisch schmeckt köstlich. Ich sitze mit Luise und John an einem Tisch und erzählen uns gegenseitig über unsere Herkunft. John kennt Wien noch aus seiner Zeit, als er in Italien Architektur studiert hat.
Ich schieße unzählige Fotos von Windwardside und der Umgebung, bis die Kamera mir unmissverständlich meldet: „Speicherkarte voll“ – leider, aber auch der Akku ist leer.
15 Minuten vor 15.00 Uhr treffen wir uns an der vereinbarten Stelle. Wir fahren zurück zum Hafen. In „The Bottom“ zeigt uns der Fahrer noch einige sehenswerte Plätze, eine Kirche mit einer wirklich schönen Deckenmalerei und das Krankenhaus der Insel. Plötzlich zeigt er mit der Hand zum Straßenrand – hier sitzt ein großer Iguano, eine etwa ein Meter lange, sehr urzeitlich wirkende Echse.
Um 15.30 legt unsere Fähre ab. Die Rückfahrt ist wesentlich ungemütlicher, zumindest für einige der Fahrgäste. Jetzt geht es wie im Teufelsritt über eine Weller nach der anderen. Manchmal schlagen die Wassermassen so heftig gegen den Rumpf des Schiffes, das man meinen könnte, es wird auseinander gerissen. Einige Passagiere verabschieden sich von ihrem Mittagessen. Mir macht es aber Spaß. Wir fahren mit ungefähr 17 Knoten Geschwindigkeit, doch man könnte meinen, das wir viel schneller unterwegs sind.
Um 17.00 Uhr erreichen wir Sint Maarten. An Bord zurück, gibt es natürlich viel zu erzählen. Michi und Gabi haben heute während des Tages ein Restaurant auf einem Schiff entdeckt, wo man günstig Spare-Rips essen kann. Das tun wir auch wirklich reichlich. Man kann hier nämlich soviel essen, bis man wirklich satt ist. Eigentlich reicht dazu schon die erste Portion.
Müde falle ich heute ihn meine Koje. Nun sind es nur mehr zwei Tage bis zu meinem Heimaturlaub. Ich freu mich schon sehr.
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