Montag, 2. März 2009

25.02 - 01.03.2009 - Kein Ausnahmezustand

25.02.2009 – Traurige Nachricht
Nachdem wir gestern noch gemeint haben, diesmal auf frisches Baguette zu verzichten – der Landgang sei zu riskant – macht sich Michi dann doch auf den Weg und kehrt erfolgreich mit warmen Baguettes zurück. Während wir beim Frühstück sitzen, höre ich mein Telefon – eine SMS ist angekommen. Diesmal leider mit einer traurigen Nachricht. Der Flug von Gerhard, Nadja, Christa und Junior wurde einfach abgesagt. Die Vier hätten am Freitag in Pointe a Pitre eintreffen sollen. Ich bin sehr enttäuscht. Noch weis ich aber nichts Näheres über die tatsächlichen Gründe der Absage.

Während ich diese Zeilen schreibe, sind meine Freunde gerade in Le Gosier zum Einkaufen. Abends wollen wir heute mit Bodo und Ilona auf der unbewohnten Insel Gosier grillen. Doch hier ist der Aschermittwoch ein Feiertag, daher sind die Märkte und Geschäfte heute leider geschlossen. Zum Glück finden sie aber doch ein geöffnetes Geschäft, das normalerweise Gasflaschen verkauft. Gas gibt es derzeit aber keines. Doch in der Kühltruhe finden sich noch vier saftige Hendlhaxerln und ein paar Dosen Bier. Mit vollen Taschen kehren sie an Bord zurück.

Um 17.00 Uhr werden Werner und ich von den „Ausreißern“ abgeholt. Michi und Gabi kommen etwas später mit unserem Dingi auf die Insel nach. Wir ziehen das Schlauchboot auf den weißen Sandstrand der Insel. Die kleine Insel liegt nur wenige Meter neben dem Festland und ist mit einem Riff verbunden. Während des Tages kommen Schwimmer oder Besucher auf kleinen Booten zum Baden und Relaxen. Abends kehrt auf der Insel Ruhe ein. Abgesehen von einer Katze und einigen Hühnern, die hier wie im Paradies leben, ist die Insel unbewohnt.

Unter Bäumen und Kokospalmen gibt es eine Feuerstelle, Tische und Sessel sind auch vorhanden. Bodo sorgt für eine ordentliche Grillglut – das beherrscht er bestens, denn in seinem Segelverein daheim wird jedes Wochenende gegrillt. Ilona und ich erforschen in der Zwischenzeit die Insel. Vorsichtig durchstreifen wir das Unterholz. Vorsichtig muss man auf alles achten, was hier wächst. Denn auch hier wird vor den giftigen Manchinelli-Bäumen gewarnt. Zwei fast völlig identische Häuser, jetzt nur mehr Ruinen, stehen außer einem Leuchtturm noch auf der Insel. Die ausgewaschenen und messerscharfen Felsen unterhalb des Leuchtturms sehen zum Fürchten aus. Hier möchte ich keinesfalls ins Wasser stürzen.

Wir kehren zu unserem Grillplatz zurück. Gabi und Michi sind mittlerweile eingetroffen. Ilona und Bodo grillen Spieße und „Schweinshaxe“. Dazu gibt es Paradeiser und Knoblauchbrot. Unser Huhn schmeckt wirklich gut, die Haut ist schön Knusprig und das Fleisch darunter sehr saftig. Ilona hat Angst, das wir verhungern: „Ak nee, nimm doch ne Tomade, ik verstee dat nit!“ Zum Verdauen gibt es Kümmerling-Kräuterschnaps.

Ilona und Bodo erzählen aus ihrer Jugend in DDR-Zeiten. Es ist sehr interessant, zu erfahren, wie sich das Leben hinter der Mauer abgespielt hat. Wie man trotz der Schikanen ein halbwegs erträgliches Leben führen konnte. Und auch positive Dinge gab es unter den Fittichen des DDR-Regimes. Grundnahrungsmittel waren für alle zu erschwinglichen Preisen erhältlich, wer eine Jean wollte, musste nicht lange nach dem geeigneten Modell suchen – es gab einfach nur ein einziges. Und wem das zuwenig war, der bestellte sich den Campingaufsatz ( Dachzelt) zu seinem Trabant.

Nach dem Fall der Mauer musste man sich mit der neu gewonnen Freiheit einmal vertraut machen. All das, was für die Wessis zum normalen Leben gehörte, mussten die Ossis nun erst einmal kennen lernen. Hardrockkonzerte wurden besucht, Joints mussten geraucht werden – es gab einfach einen riesigen Nachholbedarf!“ wie uns Ilona und Bodo in bunten Bildern schildern.

Wir sitzen auf dem Trockenen, unsere letzte Bierdose ist geleert. Zeit zum Aufbruch. Ilona und Bodo begleiten uns noch bis zum Schiff, da wir die Ruder für unser Dingi vergessen haben. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, doch es wäre sehr unangenehm, wenn uns der Motor im Stich lässt und wir haben keine Ruder. An Bord lassen wir den tollen Abend gemütlich ausklingen.


26.06.2009 – Pointe a Pitre – „Peters Landspitze“
Ich öffne die Augen und werfe einen Blick auf die Uhr – 08.00. Da bleibt noch Zeit zum Lesen. Ich lese das Buch „Zwei Girls, zwei Katamarane“ von James Wharram. Er beschreibt seine erste Atlantiküberquerung in einem selbst konstruierten und gebauten Katamaran in den 50er Jahren. Michi besorgt währenddessen frisches Brot. Nach dem Frühstück holen wir den Anker ein und nehmen Kurs auf Pointe á Pitre. Pointe á Pitre ist zwar nicht die Hauptstadt des französischen Departements Guadeloupe, es ist jedoch die größte und wichtigste Stadt der Insel. Von Le Gosier sind es zirka drei Seemeilen in die Marina Bas du Forte. Wir segeln mit ausgereffter Genua. Nach einer Stunde legen wir in der Marina Bas de Forte an. Die „Ausreißer“ liegen fast neben uns.

Wir werden hier wahrscheinlich zwei oder drei Nächte verbringen. Die Ausreißer wollen abends neben der Marina ankern. Im nahen Restaurant „Pirates“ gibt es gratis Internet. Ich nütze die Gelegenheit und telefoniere mit Junior. Nun erfahre ich die Hintergründe der Absage. Schuld tragen einerseits die Medien, die wieder einmal maßlos übertrieben haben. Und natürlich die französische Luftfahrtgesellschaft, die den Flug einfach aus dem Flugplan gestrichen hat. Ich kann mich nur wundern. Nicht einmal eine Entschuldigung oder eine passende Alternative wurde den Vieren angeboten – man hat einfach abgesagt.

Zum Abendessen gibt es zum Trost Wiener Schnitzel. Michi und Gabi sind nach Pointe à Pitre marschiert und haben dort Fleisch und alle notwendigen Zutaten besorgt. Dann haben sie die Stadt wieder verlassen. Denn noch immer werden Protestmärsche organisiert, da die Forderungen der aufgebrachten Bevölkerung sichtlich noch nicht erfüllt sind.

Wir genießen unsere Schnitzel mit Kartoffel- und Gurkensalat. Mit vollen Bäuchen sitzen wir dann noch längere Zeit im Salon und schauen uns die Videofilme unserer Reise an, die wir während der gesamten Zeit immer wieder gedreht haben. Da werden alte Erinnerungen wieder geweckt.


27.02.2009 – Einkaufen, Surfen
Es ist neun Uhr, Zeit zum Frühstücken. Werner und ich gehen anschließend in den nahen Champion-Supermark einkaufen. Michi und Gabi begeben sich auf die Suche nach einem Tischler, um unsere Scheuerleiste nach Muster anfertigen zu lassen. Außerdem wollen Sie einen Leihwagen für morgen reservieren.

Beim Einkaufen treffen wir Bodo und Ilona und vereinbaren ein Treffen am Abend. Am frühen Nachmittag begeben wir uns alle in das Restaurant „Le Pirate Caribien“, wo es gratis Internet gibt. Ich telefoniere mit Erwin Swatosch und Wolfgang Schneider, mit Pitty und Lilli über Skype, schreibe Emails und denke traurig daran, dass heute niemand unserer Freunde hier landen wird. Schade.

Abends gibt es heute eine Spezialität: Huhn in Schokosauce. Gabi hat dieses Rezept in einem karibischen Kochbuch gefunden. Werner und ich übernehmen das Huhn – leider bekommen wir nur ein ganzes Vieh, denn kleine Teile wie Flügel oder Keulen waren nicht verfügbar. Vorweg - es war eine köstliche Speise, obwohl das Huhn für diese Speise schon etwas zu alt war. Aber wir haben ja gute Zähne.

Vor dem Essen kommen werfen Ilona und Bodo noch einen Blick zu uns und wir plaudern über die nächsten Etappen unserer Reise.

Das Schokohuhn hat uns satt und müde gemacht. Wir gehen nicht zu spät schlafen, denn für morgen ist eine große Besichtigungstour geplant.


28.02.2009 – Der Norden Guadeloupes
Tagwache ist heute um 07.30 Uhr. Sofort mach mich am Weg zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Gleich nach dem Frühstück holen wir unseren Leihwagen vom Carib-Autoverleih ab, einen Citroen C1. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, sitzen wir um 09.30 Uhr im Auto und fahren in Richtung des Stadtzentrums von Pointe á Pitre.

Michi und Gabi sind gestern schon zu Fuß in der belebten Stadt gewesen und kennen sich daher etwas aus. Noch sind die Spuren des Streiks und der Zerstörung überall zu sehen. Vom großen Stadtplatz mit Blick auf den Ozean fahren wir nun direkt in das Zentrum, zur Markthalle, die wir kurz besuchen. Als wir durch die engen Gassen fahren, merken wir, dass sich aus einer Nebenstraße ein Demonstrationszug nähert. Hektisch werden die Querstraßen abgeriegelt - ganz einfach, indem man Mülltonnen quer über die Fahrbahn legt. Reporter mit riesigen Kameras laufen vor der Menschenschlange, um Schnappschüsse für ihre Abendausgabe oder das Fernsehen zu bekommen.

Wir verlassen Pointe à Pitre über den Hafen, wo gerade ein riesiger Kreuzer liegt. Bald sind wir auf der Autobahn und fahren nun über den Mangrovensumpf auf den anderen Flügel des Schmetterlings Guadeloupe, nach Basse Terre (Tiefe Erde).

Die Fahrt führt von Autobahn auf die D21. Diese Verbindungsstraße führt quer durch den Regenwald an die Westküste der Insel. An einem Gemüsestand halten wir und kaufen Mandarinen, Sternfrüchte u. Gemüse für eine Suppe heute Abend.

Wir kommen in den Regenwald. Unsere erste Station sind die Cascade aux Ecrevisses – ein Wasserfall, der in ein romantisches Flussbett eines Wildbachs mündet. Nach wenigen Kilometern parken wir vor dem Maisson de Foret. Eigentlich sollte das Forsthaus geöffnet haben, aber vielleicht wird hier noch gestreikt. Hier führt ein Weg durch den Regenwald und wir genießen die schöne tropische Atmosphäre.

Nach einer knappen Stunde Wandern sitzen wir wieder im Auto. Die Straße führt über den höchsten Punkt, den Col les Marmelles in 768m Seehöhe. Wir halten vor einer Hütte mit traumhafter Aussicht und trinken Kaffee. Die reichhaltige Auswahl an Kaffeesorten gibt es jedoch nur in der Karte – der Koch ist der einzige, den wir hier antreffen. Leider hat er Probleme mit der Kaffeemaschine und so müssen wir uns mit einem ganz normalen kleinen Espresso zufrieden geben.

Jetzt führt die sehr schöne Straße in Serpentinen bergab. Am Ende der D21 fahren wir nach links zu Jacques Cousteaus Forschungsrevier in Malendure. Es soll sich hier um eines der schönsten Tauchgebiete weltweit handeln. Ich persönlich kann dazu nichts sagen, denn mein Horizont endet an der Wasseroberfläche.

Viele Menschen in schwarzen Taucheranzügen und mit Sauerstoffflaschen am Rücken marschieren gerade vom Ufer in das Wasser, wo sie ein wenige Meter vom Strand entfernt liegendes Tauchschiff besteigen. Von hier werden sie dann zu der kleinen, etwa eine Seemeile entfernte Insel geführt, wo ein Wrack am Meeresgrund liegt und eine Büste des berühmten französischen Meeresbiologen, der mir noch aus Kindheitstagen mit seiner Fernsehserie „Calypso – Geheimnisse des Meeres“ in Erinnerung geblieben ist, zu bestaunen ist.

Vor der Filiale eines Leader-Price parken wir, um Wurst, Käse, Gurkerl und noch ein paar Kleinigkeiten für ein Picknick an einem schönen Strand zu kaufen. Wir fahren nun zurück entlang der Küste in Richtung Norden. Im Maisson de Choclate – dem Schokoladehaus - müssen wir kurz anhalten. Wir verzichten zwar auf eine Führung, aber die hier erzeugte Schokolade lässt uns nicht mehr los. Mit einigen Tafeln 70zig- und 90zig-prozentiger Schokolade, sowie einer großen Schnitte eines fast schwarzen Schokokuchens und um einige Euros erleichtert, fahren wir weiter. Bis zum Maisson de Bois. Doch neun Euro Eintritt pro Person sind uns zuviel für eine Besichtigung.

Nach dem Fischerdorf Deshaies biegt ein steiniger Weg nach links ab. Wir rumpeln durch Mangrovenwälder und vorbei an Weiden mit Rindern und Palmwäldern zu einem der schönsten Strände von Guadeloupe mit goldbraunem Sand und zirka drei Kilometer Länge. Hinter dem Strand stehen Palmen. Dort finden wir unter dem Dach einer kleinen Hütten einen idealen Platz für unser Picknick. Da die Franzosen von Natur aus Picknick-Liebhaber sind, findet man an den schönsten Plätzen diese netten Hütten ohne Wände, mit einem Tisch und Bänken. Hier lässt es sich leben

Wir müssen weiter. Am nördlichen Ende dieses Traumstrandes auf einem Parkplatz sitzt eine Frau auf einem klapprigen Holzstuhl und bietet selbst gemachtes und köstliches Kokos- und Passionsfrucht-Sorbet an. Den kleinen Becher für einen Euro. Wir sitzen wieder in unserem Wagen und fahren weiter um den nördlichsten Punkt der Insel.

In Sainte-Rose führt unser Weg in das Rummuseum der Familie Reimonenq. Gleichzeitig kann man hier auch Schiffsmodelle aus der Vergangenheit bestaunen und mehr als 5000 Käfer-, Falter und Schmetterlinge. Vor dem Rundgang, wo man über die Erzeugung des Rums alles erfährt, sehen wir eine Filmreportage über die jahrhunderte alte Tradition der Zuckerrohrverarbeitung. Folgendes Zitat konnten wir dabei in deutscher Sprache hören: „Zuckerrohr wurde 1638 von den Holländern aus Indien eingeführt. Mit der Ernte konnte aber erst 1644 begonnen werden, als die ersten afrikanischen Arbeitskräfte eingetroffen sind“ – „klingt doch etwas zynisch!“.

Der Tag war anstrengend. Müde kehren wir Heim und kochen uns eine gute Suppe. Bodo und Ilona schauen noch kurz vorbei und irgendwie kommen wir in unserem Gespräch auf die Russen zu sprechen. Die beiden können uns aus ihrer Jugendzeit viel über die Russen erzählen. Sie sind nicht gut auf dieses Volk zu sprechen. Morgen verlassen die beiden Pointe à Pitre. Wahrscheinlich sehen wir uns erst wieder in Antigua

Nach der Suppe und einer köstlichen Topfencreme zum Desert fallen wir bald müde in unsere Kojen. Ich halte mich noch wach, um ein paar Zeilen in mein Tagebuch zu schreiben, doch bald kann ich die Augen nur mehr mit größter Anstrengung geöffnet halten. Zeit zum Schlafen.


01.03.2009 – Wandern im Regenwald
Gestern hatte Gabi schon einen Plan für heute vorbereitet. Es sollte eine Wanderung zum höchsten Gipfel von Guadeloupe werden, auf den 1467m hohen Vulkan Soufriere.

Doch leider machen ihr die Stacheln des Seeigels, die sie sich vor einigen Tagen beim Tauchen auf den Iles des Saintes unvorsichtiger Weise eingetreten hatte, einen „Strich durch die Rechnung.“ Sichtlich ist es auch der Wunsch dieser Stachelnreste, sich aus Gabis Fußsohle zu entfernen. Sie teilen dieses Gabi auf schmerzhafte Art und Weise mit. Gabi selbst versucht mit dem medizinischen Besteck unserer Bordapotheke etwas nachzuhelfen. Leider ist sie dabei nicht so erfolgreich, wie wir uns das alle gewünscht haben.

Doch je näher der Zeitpunkt der Abfahrt kommt, desto mehr steigt in Gabi der Wille, sich dieses Abenteuer nicht entgehen lassen zu wollen. So sitzen wir bald nach dem Frühstück wieder in unserem winzigen Citroen C1. Trotz der wirklich geringen Außenmaße dieses Autos haben wir vier alle darin bequem Platz.

Wir fahren über die Autobahn an Pointe a Pitre vorbei, dann über die Drehbrücke, die den Kanal Riviere Salèe überquert und weiter in Richtung Basse Terre, der eigentlichen Hauptstadt von Guadeloupe. Es ist viel Verkehr, denn alle wollen das Wochenende an einem Sandstrand bei einem Picknick mit der Familie genießen. Bei der Kleinstadt Capesterre Belle-Eau fahren wir von der Hauptstraße ab und durch den Ort. Auf den Straßen ist es ruhig. Als wir an der Kirche vorbei kommen, sehen wir, dass sich die Menschenmassen bis auf den Vorplatz drängen, um vom Gottesdienst etwas erhaschen zu können.

Gabi hört im Radio, dass die Streiks in Guadeloupe nun endgültig und offiziell beendet sind und am Montag das Leben wieder zur Normalität zurückkehrt. Wir sind erleichtert.

In einem der wenigen Geschäfte, die auch sonntags geöffnet haben, kaufen wir Wasser und Wein. Dann geht es weiter. An der Ortsausfahrt stehen wir bei einem Kreisverkehr und blicken auf eine wunderschöne Allee aus riesigen Palmen. Dieser Anblick muss auf einem Foto festgehalten werden.

Kurz vor Bananier zweigt eine kleine Nebenstraße nach rechts ab und führt in sehr steilen Abschnitten zum Chutes du Carbet. An diesem Punkt endet die Straße. Von hier beginnt die Wanderung. Vorher halten wir noch bei Grand Etang, einem Bergsee, wohin ein kurzer Pfad durch dichten Regenwald führt. Die Stimmung ist traumhaft schön. Doch die Zeit drängt, denn weiter oben erwarten uns drei Wasserfälle mit einer Höhe bis 125m und der Vulkankrater des La Soufriere.

Die Straße windet sich in engen Kurven durch wunderschönen Tropenwald, links und rechts geht es vorbei an Wände aus undurchdringlichem Grün. Teilweise besteht die Straße nur aus zwei betonierten Fahrstreifen und bei Gegenverkehr muss man in die Wiese ausweichen.

Am Ende der Straße halten wir auf einem großen, jedoch nicht sehr belegten Parkplatz. Nachdem wir die Wegmaut von einem Euro bezahlt haben, beginnt die Tour. Zuerst wollen wir die Wasserfälle besichtigen. Ein mit Natursteinen gepflasterter Pfad führt über Stufen auf- und abwärts. Kleine Holzbrücken überqueren die vielen kleinen Einschnitte, wo darunter das glasklare Wasser in engen felsigen Bachbetten dem Ozean zuströmt.

Am zweiten Wasserfall, dem Deuxieme chute du Carbet, warnt ein Schild an der Weggabelung, die Brücke über den Fluss ja nicht zu überqueren. Nach etwa fünf Minuten erreichen wir das schon sehr baufällige Bauwerk. Hier wären wir sowieso freiwillig nie hinüber gegangen. Vor uns stürzen sich Wassermassen aus 110m Höhe vom Berg herab.

Wir kehren wieder zurück auf den Hauptpfad und überlegen nun, ob wir auch den Premiere chute du Carbet mit 115m Höhe besteigen sollen. Gabis Fuß schmerzt und als wir eine Gruppe junger Wanderer, die gerade vom Berg herabkommen, nach dem Zustand des Weges fragen, wissen wir, dass wir das Gabi nicht antun können.

Wir beschließen, stattdessen den kleineren Krater des Soufriere zu besteigen, den la Citerne. Am Beginn des Steigs lesen wir: 1 h 45min bis zum Col la Citerne, nur 45min bis zur Abri la Citerne, was soviel wie eine kleine Hütte sein soll. Wir denken, dass 45min hin und retour auch 1,5 Stunden sind. Und da Werner von vorne herein jede weitere Besteigung eines Berges kategorisch ablehnt, wollen wir ihn auch nicht zu lange warten lassen.

Alles beginnt ganz normal. Zuerst führen einige Steinstufen in den Wald, danach geht man über einen grob gepflasterten Weg. Nach vielleicht hundert Meter beginnt dann ein Wanderweg, der durch die ständigen Regenfälle etwas aufgeweicht ist. Doch nach einigen Bachüberquerungen wird aus dem schmalen Pfad plötzlich ein sehr beschwerlicher Steig. Steil bergauf, über große Steine und Wurzeln, teilweise sehr rutschig, führt nun ein fast nicht mehr erkennbarer Weg durch den sehr feuchten Regenwald. Gabi flucht und wir sind nicht mehr sicher, ob wir uns am richtigen Weg befinden. Dann taucht aber wieder eine dieser eher unscheinbaren Markierungen am Boden auf – ein grüner Farbfleck auf einer Wurzel oder am Felsen. So geht es nun fast dreißig Minuten bergauf. Teilweise führt der Steig auch durch ein steiniges Bachbett, dann wieder muss man Schlammlöcher umgehen und an anderen Stellen sucht man eine Baum, damit man sich über hohe Stufen hochziehen kann.

Endlich endet der Weg an einer Gabelung. Nun sind es noch 200m bis zur Hütte, wie wir einem Wegweiser entnehmen können. Wir stehen auf einer Wiese, deren Gras uns um einiges überragt. Und der Weg führt wieder durch Schlammlacken. Wir haben genug und kehren um. Zurück geht es um einiges schneller.

Meine Hose ist vollkommen nass und lehmverschmutzt. Nach genau 1 ½ Stunden erreichen wir unser Auto, wo Werner gemütlich ein Buch liest. Vorher hat er noch die netten „Waschratten“ mit unserem Brot gefüttert.

Wir machen uns auf die Suche nach einem Picknick-Platz. Bei einer Hütte, in der normalerweise Souvenirs verkauft werden, steht ein Tisch mit Bänken. Hier machen wir es uns gemütlich und verzehren unser Brot mit Käse und Wurst.

Steil bergab geht’s zurück auf die Küstenstraße. Hier fahren wir nun weiter entlang der Küste nach Basse-Terre. Wir sehen Trois-Riviere, wo sich viele Menschen am Strand tummeln. Dann geht es durch den kleinen Ort Vieux Fort in die vollkommen ausgestorben wirkende Hauptstadt von Guadeloupe, Basse-Terre. Fast kein Mensch ist auf der Straße zu sehen.

Glücklicherweise finden wir am Stadtrand eine geöffnete Tankstelle, denn sonst hätten wir unseren Leihwagen zurück bis nach Pointe a Pitre schieben müssen. Schon vor Grande-Riviere haben ein Piepston und eine blinkende Anzeige vor einem leeren Tank gewarnt. Wir sind schön langsam auch nervös geworden, denn alle Tankstellen bis zu dieser waren geschlossen.

Weiter geht es entlang einer sehr trostlosen Küste. Überall liegen am Straßenrand Abfälle, Autowracks, kaputte Waschmaschinen und Kühlschränke. Einfach alles, was nicht mehr benötigt wird. In den Dörfern an der Küste ist die Stimmung der letzten Wochen förmlich noch zu spüren. Fast keine Bushaltestelle hat die Zeit der Proteste schadlos überstanden, überall liegen Glasscherben, verbrannte Autowracks oder andere Gegenstände, die dem Mutwillen manches Aufständischen zum Opfer gefallen sind. Guadeloupe ist leider eine Insel, die mir deshalb bisher am wenigsten gefällt.

Heimwärts fahren über die D23 durch den Regenwald zurück nach Pointe a Pitre. Es ist viel Verkehr. Alle kehren aus dem Wochenende heim. An Bord füll ich einen Kübel mit Wasser und beginn meine total verschmutzte Hose zu reinigen. Nach unserer Wanderung habe ich das Auto nur mehr zum Essen verlassen, sonst habe ich mich mit dieser schlammverschmutzten Hose nicht mehr unter Menschen getraut.

Wir sitzen müde im Cockpit und genießen die Abendstimmung. Zu essen gibt es heute eine Eierspeise mit Paradeiser und Käse – fleischlos. Zur Nachspeise haben wir einen köstlichen Schokopudding im Kühlschrank.

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