08.03.2009 – Antigua wählt
Es ist noch früher Morgen, doch die Wahlhelfer aller Parteien Antiguas & Barbudas sind schon auf den Beinen. Auf ihren Pick-Ups oder Jeeps, haben sie am Autodach riesige Megaphone montiert. Im Morgengrauen sind die Wahlkampfslogans ihrer Kandidaten in Nelson’s Dockyard nicht zu überhören, denn hier ist es um diese Zeit normalerweise Mucksmäuschenstill. Das wird sich bis nächsten Donnerstag nicht ändern. Dann sind Wahlen in Antigua, wo alle Regierungsmitglieder neu gewählt werden.
Für uns ist aber heute noch nicht Zeit zum Aufstehen, denn wir haben heute Ruhetag. Die Sonne scheint vom Himmel herab und wir genießen ein gemütliches Frühstück. Nur ein paar kleine Arbeiten sollten erledigt werden, wie etwa die Kontrolle des Motoröls, des Keilriemens und des Kühlwassers. Das übernimmt Werner. Ich arbeite währenddessen am Computer.
Mittags begeben wir uns in das Anchorage-Center, etwas außerhalb von Nelson’s Dockyard, wo es Free-Wifi - einen kostenlosen Internetzugang - gibt. Ich plaudere mit Pitty und Lilli, dann melden sich noch Erwin und Wolfgang und wir führen ein Gespräch zu dritt über Skype. Es ist wirklich unglaublich, was heute alles möglich ist.
Leider müssen wir unser Gespräch aber bald beenden, denn mein Akku meldet den bevorstehenden Zusammenbruch.
Ich nütze den wunderschönen Nachmittag und packe meine Zeichensachen in den Rucksack. Werner bleibt am Boot und verbringt die Zeit lesend.
Ich wandere wie schon zwei Tagen zuvor auf den Berg ohne Namen, von wo man einen wunderschönen Rundblick über die Falmouth Bay und English Harbour hat. Blickt man in die umgekehrte Richtung, dann sieht man in das unendliche Blau des Atlantiks, der heute auch eine ruhigen Tag zu haben scheint.
Diesmal ersteige ich den Gipfel, der mir bei meiner ersten Wanderung verwehrt war. Oben befindet sich ein Plateau, wo ich es mir gemütlich mache und den Blick in die Bucht auf Papier festhalte.
Plötzlich steht unser Schiffsnachbar mit seiner Frau auf dem Plateau. Auch sie sind heute wandern. Wir kommen ins Gespräch und plaudern über dies und das. Heidrun und Klaus, sie leben in der Nähe von München, sind mit ihrer „Maskali“, eine Amel 40 Sharki, anfangs Jänner von Teneriffa mit ihrer Amel 40 losgesegelt. Sie haben Antigua einen Tag vor uns erreicht.
In Mindelo hatten sie einen ungeplanten Aufenthalt, denn am Weg dorthin ist das Vorstag gebrochen. Sie mussten fast zwei Wochen auf die Ersatzteile warten. Im Gegensatz zu unserer Atlantiküberquerung hatten sie sehr viel Wind, manchmal bis zu 40 Knoten und nun brauchen sie einmal Ruhe und Entspannung.
Wir verabschieden uns und die Beiden wandern noch ein Stück zum nächsten Gipfel, während ich mich wieder dem Zeichnen widme. Knapp vor Sonnenuntergang packe ich alles ein und eile den Berg hinab, um noch vor Einbruch der Dunkelheit am Schiff zu sein. Heute gibt es Hühnerhaxerln mit Speck, dazu Gemüse und Knoblauchbrot. Dann laden wir Heidrun und Klaus zu uns an Bord ein und wir erzählen uns viele Geschichten. Wir werfen einen Blick auf die Uhr - 00.30 Uhr. So spät ist es schon! Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Heidrun und Klaus verabschieden sich und wir fallen müde in unsere Kojen.
09.03.2009 – Barbuda - Einzigartig
Der Wecker läutet um 06.45. Wir wollen heute einen Ausflug auf die Schwesterinsel von Antigua machen, auf die kleinere Schwester Barbuda, etwa 160km² groß, und mit 1.500 Einwohnern auch sehr dünn besiedelt. Wir haben uns entschieden, die Insel mit der Fähre zu besuchen, denn es gibt nur wenige Möglichkeiten zu ankern und dann ist das Wetter auch noch zu beachten.
Wir packen Reiseführer, Fotoapparat, Trinkwasser und noch ein paar Kleinigkeiten in unsere Rucksäcke ein und marschieren zur nächsten Autobushaltestelle. Kurzer darauf besteigen wir den Bus und 40 Minuten später erreichen wir den Busterminal von St. John. Von hier sind es noch etwa 10 Minuten Fußmarsch, bis wir am Ticketschalter des Barbudaexpress angestellt stehen.
Das Ticket wird wie bei einem Flug mit allen wichtigen persönlichen Daten ausgestellt. Der Preis ist auch nicht ohne – 195,00 EC$, das sind etwa 70 EUR. Dann drückt uns die freundliche Dame am Schalter zwei Boardingkarten in die Hand und bittet uns, spätestens eine viertel Stunde vor Abfahrt bei der Fähre zu sein.
Wir holen uns von einem nahen Stand zwei große Sandwichs mit Schinken und Gemüse und warten dann pünktlich vor der Fähre auf die Abfahrt. Das Schiff schaut etwas seltsam aus. Es ist ein Katamaran, wobei der Aufbau für die Fahrgäste die Form einer flachen Kiste hat, und es schwimmt auf zwei dünnen Kufen. Auf die Minute genau besteigt der Kapitän das Schiff, begrüßt seine Gäste und startet die Maschinen.
Und schon legen wir ab. Zwei Matrosen verstauen die Leinen und schließen die Fenster. Dann gibt einer der Beiden eine kurze Einweisung über die Benützung der Schwimmwesten im Seenotfall. Wir haben aber außer dem Demonstrationsobjekt aber keine einzige Schwimmweste an Bord entdeckt.
Nachdem wir aus der Bucht auf das offene Meer kommen, beschleunigt das Schiff und der Ritt über die Wellen beginnt. mit zirka 20 Knoten rasenn wir über das türkisblaue Meer. Immer wieder donnern Wellen mit einem ohrenbetäubenden Knall gegen den Rumpf des Katamarans, sodass man meinen könnte, er wird zerrissen. Wasser spritzt über die Scheiben und man sieht in diesen Momenten nichts.
Nach 90 Minuten sind die meisten Fahrgäste glücklich, die Fähre verlassen zu dürfen. Der Kapitän bittet alle, die auch die Rückreise für heute gebucht haben, spätestens um 15.30 zurück am River Dock zu sein.
Werner und ich betreten Barbuda. Vom Meer aus war die Insel erst aus geringer Entfernung zu sehen, denn es gibt keine einzige Erhebung. Die Insel ist flach wie ein Brett. Wir gehen die staubige Sandstraße in Richtung Codrington. Kurz darauf hält ein Taxi und wir steigen ein. Außer uns sitzen noch zwei Fahrgäste im Wagen.
Nachdem diese beiden vor ihrem Haus aussteigen, führt uns der Fahrer bis in das Zentrum von Codrington. Hätte Mr. George Burton, so heißt unser Fahrer, das nicht erwähnt, wir hätten es auch nicht bemerkt. Codrington ist die Hauptstadt Barbudas. Die Häuser liegen verstreut, einen Ortskern gibt es nicht. Es gibt 41. Straßen, fünf Kirchen, eine Schule, zwei Supermärkte und viel Sonne und wenig Schatten.
Wir fühlen uns wie im wilden Westen. Von überall werden wir freundlich begrüßt. Die Kinder der Primary-School betrachten uns durch den Zaum wie wilde Tiere. Wir suchen eine Bar, um uns abzukühlen. Ein freundlicher Codringtoner zeigt uns den Weg zur einzig geöffneten Bar. Die Auswahl der Getränke ist wie die Besiedlung der Insel – sehr dünn.
Wenn nicht gerade Wahlkampf wäre, dann wären die Straßen wahrscheinlich völlig leer. So tummlen sich aber viele Menschen, schmücken alle Bäume und Masten mit bunten Bändern und aus den Autos dröhnen die Stimmen der Kandidaten.
Im Supermarkt bitten wir die Dame an der Kassa, dass sie uns ein Taxi ruft. Vor der Rückfahrt wollen wir noch einen der Strände kennen lernen, für die Barbuda so berühmt ist. Der Fahrer führt uns zum River Beach, von wo wir es nicht mehr weit zur Fähre haben.
Wir sind wirklich fast die einzigen Menschen auf diesem kilometerlangen weißen Sandstrand. Das türkisblaue Meer brandet sanft an den Strand und wir liegen unter dem schützenden Dach eines Strohschirmes. Nur die Ruinen von einigen kleinen Häusern lassen darauf schließen, dass vor uns auch schon andere Besucher hier waren.
Um 15.00 Uhr müssen wir zurück zur Fähre. Hier wird noch gearbeitet. Der Mechaniker steht im Rumpf und schraubt noch fleißig. Doch um 15.45, die geplante Zeit für die Abfahrt, ist alles fertig und verschlossen. Die Maschinen werden gestartet und wir legen ab. Die Fahrt nach St. John ist wesentlich angenehmer, denn die Wellen sind kleiner und außerdem kommen sie von hinten.
Knapp vor 18.00 besteigen wir den Bus nach English Harbour. Wir sind erschöpft von diesem Ausflug. Er war es Wert, wenn ich auch meine, dass mir ein Tag auf Barbuda gereicht hat. Die Insel ist mir schon zu ruhig und vor allem zu flach.
Wir kochen uns Kartoffelpüree mit Corned Beef und anschließend besuchen wir heute Klaus und Heidrun auf ihrer „Maskali“. Heute wird es nicht so spät, denn mir fallen schon beim Zuhören die Augen zu.
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