05.03.2009 - Antigua
Nach diesen etwas zu aufregenden Tagen tut so ein Tag wie der Heutige richtig gut. Nichts ist geplant, außer Gemütlichkeit. Und so verläuft der Tag auch.
Um Neun begebe ich mich zum Zoll und zur Einwanderungsbehörde. Trotz des fehlenden Ausklarierungsbescheides von Guadeloupe können wir problemlos Einreisen. Das war sicher dem Supervisor zu verdanken. Die Abwicklung geht flott von statten und bald bin ich wieder zurück an Bord. Werner war in der Zeit meiner Abwesenheit auch nicht untätig und hat mit den Vorbereitungen des Frühstücks begonnen. Ich mach mich noch schnell auf die Suche nach einem Bäcker, denn unsere Baguettes aus Pointe a Pitre sind nun leider vollständig ausgehärtet. Die Bäckerei befindet sich hinter dem Museum, wie mir die Dame vom Zoll erklärt. Ich kehre mit zwei frischen Weißbroten an Bord und wir können frühstücken.
Dann montiere ich in der Achterkabine an der Steuer- und Backbordseite Gummibänder als Sicherung der Buchablage, damit die Bücher bei einer etwas heftigen Welle von der Seite nicht immer wie Geschosse durch die Kabine geschleudert werden.
Jetzt kann ich mich ruhig vor den Computer setzen und die Homepage wieder auf den letzten Stand bringen. Aber vorher muss ich noch schnell das Sonnendach montieren.
Um 15.00 gehen wir dann von Bord, mit dem Fotoapparat bewaffnet. Zuerst spazieren wir durch das wunderschön restaurierte Viertel Nelson’s Dockyard. Der Engländer Nicholson hat Ende der Vierziger Jahre damit begonnen, Die Anlage, die nur mehr eine Ruine war, nach und nach liebevoll wieder so aufzubauen, wie jedes Gebäude ursprünglich ausgesehen hat. Heute hat diese Marina den Status eines denkmalgeschützten Parks.
Wir gehen an einer Segelmacherei vorbei und fragen uns, ob wir hier nicht unseren seitlichen Spritzschutz anfertigen lassen können. Wir gehen in die Halle und erklären einem freundlichen Mitarbeiter unseren Wunsch. Bis Montag ist es unmöglich, meint er, aber besser, wir kommen später, wenn der Chef wieder im Haus ist.
Gesagt, getan. Eine Stunde später erklären wir dem Chef, Mr. Franklyn Braithwaite unser Anliegen. Auch er winkt ab, als wir ihm sagen, dass wir uns Montagmittag als spätesten Liefertermin wünschen, denn dann wollen wir weiter nach Barbuda fahren. Rein aus Interesse fragen wir nach dem Preis und Mr. Braithwaite geht in sein Büro. Nach wenigen Minuten kommt er zurück, mit seiner Visitenkarte und darauf der Preis: 481 EC$.
Werner und ich überlegen, ob diese zwei Stoffrechtecke das Wert sind: 481 EC$. Nicht wenig für zwei Quadratmeter Stoff. Doch dann sagen wir: Ja, wir lassen es anfertigen!“ Mr. Franklyn Braithwaite schreibt einen Vertrag und verspricht, bis Montag, den neunten März fertig zu sein. Endlich können wir die Marina verlassen, um die Umgebung zu erkunden.
Wir suchen den Ort English Harbour, mit Lebensmittelgeschäft, Markt, usw. Bis wir an einer großen Kreuzung stehen, sind wir schon an vielen kleine Hütten und einfachen Häusern vorbeigekommen, Gemüse- und Obstläden waren auch zu sehen, auch Geschäfte für Kleidung und Souvenirs, dazwischen lagen grüne Gärten mit Bananenstauden, Mangobäumen und vielen anderen Köstlichkeiten. Auf der schmalen Straße war viel Verkehr, vor allem durch Taxis und Linienbusse. Doch ein Dorf war nicht zu sehen, ebenso keine Ortsschilder, die English Harbour angekündigt hätten.
Etwas ratlos kehren wir um. Zum Abendessen gibt es heute Eierspeise mit Kartoffeln und Speck. Dann sitzen Werner und ich noch eine Weile im Cockpit unserer Tattoo und genießen den Abend.
06.03.2998 – St. John
Heute ist ein Ausflug nach St. John geplant. Auf der Straße nach Falmouth hält ein Minibus. Wir fragen, ob seine Route nach St. John führt. „Natürlich“, antwortet der Fahrer und schon sitzen wir im Autobus.
Wir fahren wieder auf der stark befahrenen Hauptstraße, wo iinks und rechts kleine Läden mit Obst, Gemüse oder anderen brauchbaren oder unbrauchbaren Dingen stehen. Die Straße ist schmal und wenn ein parkendes Fahrzeug die Spur blockiert, muss der Bus anhalten und und den Gegenverkehr abwarten. Am Stadtrand von St. John beginnt sich der Verkehr zu stauen. Nun geht es nur mehr im Schritttempo voran. Ich nütze diese Langsamkeit und beobachte das bunte Treiben der vielen Menschen auf der Straße. Jeder hat irgendetwas auf seinem kleinen Stand anzubieten: Gemüse oder Obst aus dem eigenen Garten, selbst gebrannte Musik-CDs oder Film-DVDs, Kleidung, Haushaltsgeräte, und vieles mehr. Es stört mich überhaupt nicht, dass wir nur im Schritttempo vorankommen.
Endlich erreichen wir den Busbahnhof. Gleich gegenüber liegt der Markt und Freitag ist hier ebenso, wie auf vielen anderen Inseln der Karibik auch, Markttag. Junge und Alte Menschen bevölkern die Straße. Ein Geschäft reiht sich an das Nächste. Eine endlose Autoschlange kriecht durch die lebendige Straße.
Alles hier ist bunt. Jedes Haus strahlt in einer anderen Farbe. Oft ist es wahrscheinlich nur mehr dieser Lack, der verhindert, dass die eine oder andere Hütte auseinander fällt. Werner und ich wandern kreuz und quer durch die meist rechtwinkelig zueinander verlaufenden Straßen und Gassen von St. John. Alles scheint auf den Beinen zu sein. Ein unheimlicher Trubel beherrscht die Stadt.
Eine Frau erzählt mir, dass nächste Woche am Donnerstag wichtige Wahlen in Antigua statt finden. Von fast jedem Lichtmast, von fast jeder Palme am Straßenrand und von vielen Autos, viele davon sind zusätzlich mit riesigen Megaphonen bestückt, lächelt ein freundliches Gesicht einer Frau oder eines Mannes. Jeder wirbt für seine Parteifarbe rot, blau, grün oder gelb und verspricht, dass mit seiner Kraft alles besser wird.
Endlich haben wir eine „Bankmachine“ gefunden, die auch funktioniert. Endlich deswegen, denn unsere Geldbörsen haben vor Leere schon gegähnt. Und der Erste Versuch scheiterte, denn es gab heute sichtlich Probleme mit der Online-Verbindung. Doch nun scheint man das Problem im Griff zu haben.
Am Weg durch das Stadtzentrum stehen wir plötzlich vor dem strahlend weißen, im klassizistischen Stil erbauten Gebäude der Meinl Bank. Ich finde diese Situation sehr witzig, weil ich erst vor kurzer Zeit über diesen Julius Meinl und seine dubiosen Geldgeschäfte in einer Zeitung gelesen habe und nun stehe ich vor einem seiner Bankhäuser.
Wenige Häuser weiter steht das ehemalige Gerichtshaus von 1759, das heute das „Museum of Antigua & Barbuda“ beherbergt. Wir werfen nur einen kurzen Blick in die eher leeren Hallen des Museum und marschieren weiter.
Eine der schönsten Kirchen der ganzen Karibik befindet sich am Ostrand der Altstadt, die „St. Johns Anglican Cathedral“. Und unmittelbar nebenan befindet sich ein sehr alter Friedhof, dessen Gräber teilweise verweist oder sogar schon zerstört sind. Trotzdem scheint hier das Kommunikationszentrum vieler Menschen zu sein.
Es ist Zeit umzukehren. Vor der Heimfahrt kehren wir noch schnell in eine kleine Bar ein, wo uns drei Syrer freundlich begrüßen. Wir kommen schnell ins Gespräch und sie erzählen uns über die vielen Einwanderer, die Antigua als ihre neue Heimat auserkoren haben – das Land der Sonne und des Meeres, wie man auf jedem Autokennzeichen lesen kann. Der eine Syrer erzählt, dass Antigua etwa 100.000 Einwohner hat und davon sind etwa 7.000 deutsche Einwanderer, die hier nun ihren Ruhestand genießen. Warum er das erwähnt, wissen wir allerdings nicht.
Nachdem wir wieder in Nelsons Dockyard angekommen sind, möchte ich noch die Umgebung erkunden. Ich wandere zuerst in Richtung Fort Berkely und dann weiter der Küste entlang zum Pigeon Bay. Der gut markierte Weg führt durch felsiges Gelände und man hat einen herrlichen Blick auf das Karibische Meer. Über diesem liegen dunkle Wolken und ich bin froh, dass ich meine Regenjacke bei mir habe. Denn schon nach wenigen Metern beginnt es heftig zu regnen.
Ich stehe inmitten einer trockenen Senke, rund um mich dürres und stacheliges Geäst und Kakteen und vor mir eine Erhebung, die ich eigentlich noch gerne besteigen würde. Ich lass es aber sein, denn es wird schon dunkel und ich mach mich auf den Rückweg.
Zu essen gibt es frisches Gemüse, das wir am Markt von St. John gekauft haben, dazu Reis. Immer wieder ziehen heftige Regenschauer über English Harbour. Der Wetterbericht, den Werner gestern im Internet abgerufen hat, ist vollkommen korrekt. Gegen Nachmittag ist der Durchzug eines Tiefs angekündigt worden. Nun scheint es da zu sein. Damit wir aber nicht im Regen sitzen, spannen wir heute unser schützendes Dach über das Cockpit. Das ist nun das dritte Mal auf dieser Reise.
07.03.2009 – 365 Strände
Im Reiseführer ist zu lesen, und natürlich auch in den vielen Hochglanz-Prospekten des Tourismusministeriums: Es gibt auf Antigua 365 Strände. Ob diese Zahl stimmt, wissen wir noch nicht. Aber jene Strände, die wir zu Gesicht bekamen, sahen wirklich traumhaft aus.
Aber alles der Reihe nach. Um 08.00 Uhr stehe ich vor dem verschlossenen Tor des „Lion-Autoverleihs“. Gestern hat mir die etwas seltsame wirkende Mitarbeiterin erklärt, dass sie mir erst morgen sagen kann, ob sie ein Auto für uns hat. Und heute hat sich ihr Kollege sichtlich etwas verspätet.
Aber dann klappt alles wie am Schnürchen. Wir bekommen einen kleinen Chevrolet um 55,00 US$, zuzüglich Versicherung 12,00 US$ und eine so genannte „Driving License“ für 20,00 US$ oder umgerechnet in die lokale Währung 230,00 EC$ (East Carribian Dollar).
Ich parke das Auto am Parkplatz vor Nelson’s Dockyard und hole Werner, der leider noch immer mit einer lästigen Verkühlung kämpft. Um 10.00 geht es los. Werner als Copilot hält den Plan und gibt mir die Anweisungen. Der Weg führt über enge Straßen mit unzähligen Schlaglöchern. Man muss wirklich sehr vorsichtig fahren, denn manche Löcher sind so tief, dass wahrscheinlich zumindest ein kaputter Reifen unvermeidbar wäre. Es gibt weder Verkehrszeichen, noch Wegweiser. Wir können uns meist nur an der einfachen Straßenkarte vom Autoverleih orientieren.
In Liberta (den Ortsnamen wissen wir nur aus der Straßenkarte) biegen wir links ab in den „Fig Tree Drive“. „Fig“ heißt in Antigua Banane. Wie der Name schon sagt, führt diese Straße durch Plantagen von Bananen. Auch führt der Weg durch den einzigen Regenwald Antiguas. Nur von wenigen Menschen wird dieses eher bergige Land bewohnt. Hier befindet sich auch die höchste Erhebung der Insel, der Boggy Peak, mit 405m Höhe.
Wir fahren auf der „Old Road“ weiter und sehen wieder das türkisblaue Meer. Jetzt geht’s entlang der Küste von einem Traumstrand zum nächsten. Carlisle Bay, Morris Bay, Cades Bay, Turners Beach, und wie sie noch alle heißen. Jolly Harbour wollen wir uns zwar auch ansehen – das Eldorado für Reiche, mit eigenem Golfplatz, eigener Marina und vielen anderen Annehmlichkeiten. Doch wir finden den Weg in dieses Luxusland nicht. Es gibt keinen einzigen Wegweiser. Oder vielleicht sind wir auch nur blind.
Am Stau, in dem wir uns nun befinden, erkennen wir - das ist St. John, die Inselhauptstadt mit ihren 45.000 Einwohnern und fürchterlich viel Verkehr. Mit viel Geduld erreichen wir das andere Ende der Stadt und fahren nun auf der Factory Road gen Osten. Obwohl die Straße als Highway bezeichnet wird, ist sie in einem ebenso desolaten Zustand wie die Straßen bisher.
In St. John haben wir uns heute nur kurz aufgehalten. Wir haben die Anlegestelle der Fähre nach Barbuda gesucht. Sollte sich das Wetter bis Montag nicht bessern, dann fahren wir vielleicht für einen Tag mit der Fähre nach Barbuda. Dort gibt es nämlich fast keine sicheren Ankerplätze. Die Zeit in St. John ist jedenfalls lange genug, um den sozialen Diensten nachzukommen. Eine Spende von 5 EC$ für die Secundary Highschool St. John und eine Bierspende für einen wichtigen Informanten sind unumgänglich.
Die Factory Road eine kerzengerade Straße, die durch eine trostlose steppenartige Ebene führt. Links und rechts neben der Straße weiden Ziegenherden auf kargen Böden, zwischen verfallenen Industrieanlagen, wie z.B. die alte Zuckerfabrik, aber auch neu erbauten Hallen, wo viele Güter hergestellt oder gelagert werden.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass auf dieser Insel vieles anders läuft als auf den Inseln, die wir bisher besucht haben. Die Geschäftigkeit Antiguas ist mir in dieser Deutlichkeit bisher nirgendwo aufgefallen.
Je weiter östlich wir kommen, umso schmäler und löchriger wird die Straße, auch der Verkehr nimmt stark ab. Die Landschaft wird in diesem Teil der Insel hauptsächlich landwirtschaftlich genützt. Wir suchen „Betty’s Hope“, vor einem Jahrhundert die größte Zuckerrohrplantage Antiguas. Auch hier weist uns nur ein unscheinbares Schild den Weg, nachdem wir schon zweimal daran vorbei gefahren sind.
Über Schotter fahren wir zu den Ruinen der einstmals größten Zuckerrohrverarbeitungsanlage und Rumdestillerie. Hier hat man bis zu 300 Sklaven beschäftigt. Nun sind die ehemals, mit Ausnahme der Sklavenunterkünfte, aus Stein erbauten Gebäude fast vollständig verfallen. Nur eine der zwei Windmühlen sind restauriert worden. Wegen der Hurrikangefahr hat man aber die Flügel der Windmühle abgenommen und so sieht dieses Bauwerk auch etwas nackt aus.
Der Nächste Stopp ist in der Long Bay – allerdings unbeabsichtigt! Unverständlicher Weise hat man die Straße hier fast bis in das Meer hinein gebaut, obwohl der Strand mit seinem weißen Korallensand so wunderschön wäre. Einige Hotelanlagen stehen auf den Felsen und viele blasse Menschen drängen sich auf diesem wunderschönen Sandstrand. Wir sind aber nicht absichtlich hier, doch die Abzweigung zur „Devils Bridge“ war nicht markiert.
Die „Devils Bridge“ finden wir aber doch. Ein wahrhaft beeindruckender Ort. Der Fels wurde vom Wasser so ausgespült, dass er nun eine Brücke gebildet hat, die irgendwann der Kraft des Meeres nachgeben und einstürzen wird. Rund um diesen Ort blickt man in strahlend türkisblaues Meer.
Wir nähern uns nun der Südküste. Das Land ist hügelig und mit Strauchwerk dicht bewachsen. Ziegen mit ihren Jungen sind hier auf der Suche nach Futter. Nur wenige Menschen leben in den kleinen Dörfern, die meisten namenlos. Auch die Strände sind fast menschenleer. So wie die Half Moon Bay, wo gerade eine handvoll Sonnenanbeter im feinen Sand liegt.
Unser letztes Ziel, das „Arawak Village“ können wir trotz intensivster Bemühungen nicht entdecken. Trotz der Unterstützung mehrerer Einheimischer. Die letzte Auskunft lässt unsere Hoffnungen aber sowieso schwinden, denn einen Allradantrieb hat unser Leihwagen nicht. Dafür entdecken wir die Medizinische Universität Antiguas, die auch nur über einen staubigen Pfad zu erreichen ist.
Zurück an Bord, kommen auch wieder Wind und Regen. Wir dichten unser Cockpit auch heute ab. Sicher ist sicher. Heute gehen wir Pizza essen in die nahe gelegene Holzofen-Pizzeria. Die Nacht ist angenehm kühl und wir schlafen herrlich.
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