17.03.2009 – Im Hafen
Nach dem Frühstück heben wir den Anker und übersiedeln in die Marina Port Zante. Das Manöver ist schnell erledigt. Wir stehen nun ruhig und sind gut angebunden mit zwei Heckleinen, einer Springleine an der Backbordseite und mit jeweils einer Vorleine an den warzebeiden Dalben am Außenrand der Box.
Strom gibt’s keinen, dazu fehlen die technischen Einrichtungen, Strom von 110V auf 220V – wie in Europa üblich - zu transformieren. Aber glücklicherweise sind wir davon nicht abhängig. Es scheint ja endlich wieder die Sonne, keine Wolke ist am Himmel zu sehen und unsere Solarpaneele können zeigen, wie viel Strom sie aus ein paar Stunden Sonne auspressen können.
Es gibt wieder Internet. Und zwar mitten im neuen Einkaufszentrum von Port Zante, in der Rum-Barrel-Bar. Ich sitze dort und beobachte das bunte Treiben. Drei riesige Kreuzfahrtschiffe liegen heute an der Pier von Basseterre. Da ist einiges los in und um die Geschäfte im Hafenviertel. Eine Trachtenkapelle, das sind hier als Indianer verkleidete schwarze Musiker, tanzen und musizieren für die Bleichgesichter und diese danken mit einer kleinen Spende. Meerkatzen mit Spitzenhöschen und Dirndl lassen sich brav für ein paar Dollars ablichten, auf den Schultern sitzend, oder am Arm hängend. irgendwie tun mir diese Tiere leid. Angeblich leben 50.000 Meerkatzen auf St. Kitts.
Ich muss die Rum-Barrel-Bar verlassen, denn meine Akkus – die meines Notebooks natürlich – sind leer. Es gibt hier keine öffentlich zugängigen Steckdosen, so wie im Internetcafe auf Guadeloupe. An Bord schreibe ich wie besessen am Tagebuch weiter. Dabei vergeht mir die Zeit immer viel zu schnell.
Ui, jetzt ist es bei uns 16.00 Uhr vorbei, in Wien daher schon nach 21.00 Uhr. Zeit, um wieder in das Internetcafe zurück zu kehren. Ich skype mit Pitty, doch das Gespräch wird sehr oft gestört. Viel zu laute Musik dröhnt direkt über mir aus den Lautsprechern und ich habe unglücklicherweise mein Headset am Schiff liegen lassen.
Heute Abend gehen Werner und ich essen. Werner hat neben dem Fastfoodlokal KFC ein nett aussehendes Lokal im ersten Stock des Nebenhauses entdeckt. Mit dem bezeichnenden Namen „Sea View.“ Wir stehen vor dem Eingang - etwas ratlos – den die Türe ist versperrt. Es gibt auch keine Klingel. Nur eine Telefonnummer auf einem Zettel, der an der Türe klebt, mit dem Hinweis, diese Nummer anzurufen, wenn man durch diese Türe hinein will. Ein Passant, der uns zufälliger Weise beobachtet, meint, wenn wir essen wollen, sei dieses Lokal nicht zu empfehlen. Er schickt uns in das nur wenige Meter entfernte Circus-Grill-Restaurant. Es sei zwar nicht billig, doch man soll hier ausgezeichnet Essen können.
Werner bestellt sich Spare Rips mit Reis und Gemüse, während ich panierte Filets vom May-May-Fisch und dazu Folienkartoffel genieße. Wir bezahlen für Essen und Getränke 173,00 EC$. Nicht wenig, aber dafür wurden wir nicht enttäuscht.
An Bord unterhalten wir uns über die „leider“ (oder doch nicht „leider“) bevorstehende Rückreise nach Europa. Dazu muss ein exakter Terminplan erstellt werden, bis zu unserem endgültigen Ziel, Muggia bei Triest. Spätestens in den ersten Augusttagen wollen wir in der Marina Porto San Rocco anlegen.
Nun sind wir schon fast acht Monate unterwegs. Und jeder Tag war ein Traum – ein gelebter Traum.
18.03.2009 – Blinde Passagiere
Dieser Tag fängt so an wie viele andere zuvor. Zuerst kommt ein üppiges Frühstück. Esw sind danach notwendige Arbeiten im Schiffshaushalt zu erledigen: Wäsche waschen, Staub wischen, Bad reinigen, usw. Werner ist auch fleißig und frischt das Teakholz im Steuerstand mit Leinöl auf.
Für heute haben wir einen Ausflug in den Süden von St. Kitts geplant. Von Basseterre weiter südlich wird die Insel sehr schmal und hügelig. An den flachen Engstellen sind es nur wenige Meter zwischen Karibik und Atlantik. In diesem Teil von St. Kitts befinden sich die schönsten Strände und Buchten und die meisten Urlaubsgäste.
Wir fahren für 10 US$ mit dem Taxi nach Frigate Beach. In diesem Teil der Insel verkehren keine Sammeltaxis. Schon während der Fahrt spürt man, dass hier das Touristenzentrum der Insel liegt. Die Straße von Basseterre führt an riesigen Hotelanlagen, Casinos und zahllosen Restaurants vorbei.
Am Fregate Beach rösten Menschenmassen. Viele der Sonnenanbeter sind wahrscheinlich gerade erst angekommen und deshalb noch kreidebleich. Manche der hier schon länger verweilenden Gäste weisen aber eine schon eher ungesund aussehende Röte auf. Ihrer Sprache nach zu schließen, stammen die meisten Besucher aus Amerika, Kanada oder England. Der Strand ist wirklich schön, aber auch das strahlend blaue Wasser der Karibik hält uns hier trotzdem nicht all zu lange gefangen.
Zurück fahren wir mit einem Bus voller Amerikaner und Kanadier. Der Chauffeur, selbst auch in Amerika geboren, hat viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass St. Kitts besonders enge wirtschaftliche Bande zu Kanada geknüpft hat. Manche Kanadier sollen es sogar vorgezogen haben, überhaupt hier zu bleiben. Die Gründe scheinen aber eher Steuerflucht oder ähnlicher Natur zu sein.
Die Busfahrt kostet 2,50 US$. Der Fahrer verweigert Zahlung in Landeswährung anzunehmen. Doch wir besitzen keine US$. Nur widerwillig bequemt er sich dann doch, den Preis auf EC$ umzurechnen.
Werner kocht heute eine gute Suppe mit Griesnockerl. Ich gebe Werner den Gries aus unserer Lebensmitteltonne. Der öffnet das Papiersackerl und staunt nicht schlecht, als ihm plötzlich lauter kleine Käfer entgegenkommen. Mehlwürmer, Mehlwurmkinder? Wir wissen es beide nicht. Morgen muss ich die Getreidebestände in der Tonne überprüfen. Glücklicherweise ist unsere Speisekammer für solche Fälle gerüstet und so gibt es statt der Griesnockerln halt Bröselknödel in der Suppe.
Nach der Suppe gibt es heute einen Scheiterhaufen. Ich kenne diese Speise noch aus meiner Kindheit und meine Tante ist sicher stolz auf mich, wenn ich so weit weg von daheim mit ihren Kochkünsten brilliere. Das Rezept habe ich noch im Kopf. Altes Weißbrot wird in Milch eingeweicht und in unserer Brotbackform in Schichten eingelegt, darüber kommen Äpfel, Bananen und Ananas und dann wieder eine Schicht Weißbrot. Das ganze würze ich mit etwas Zucker und Zimt und anschließend lasse ich den Auflauf 30 Minuten backen.
Wir sitzen gemütlich im Cockpit und unterhalten uns über die kommenden Wochen. Wenn mein Arbeitskollege Philipp in St. Martin zu uns an Bord kommt, fahren wir wahrscheinlich zu den Britisch Virgins Island. Die Bilder dieser Inseln, die ich in den Reiseführern gesehen habe, lassen mein Herz höher schlagen. Es sieht wirklich atemberaubend aus. Gerhard kennt die Inseln sehr gut. Er sagt, es ist schön, aber teuer. Da dürfen wir halt nicht jeden Abend Lobster essen!
19.03.2008 – Letzter Tag in St. Kitts
Morgen geht es nach St. Barthélemy, kurz auch St. Barth genannt. Eine winzige, 22 km² große Insel, die zu Frankreich gehört. Dort gibt’s hoffentlich wieder etwas mehr Auswahl an Käse und anderen guten Lebensmitteln. Aber eigentlich dürfen wir uns nicht beklagen. Denn schlecht ist es uns nun wirklich nie gegangen.
Nach dem Frühstück muss ich meine Wäsche von gestern noch spülen und aufhängen. Auch unsere Tattoo braucht wieder etwas Pflege. In den letzten Wochen ist ihr ein ordentlicher Bart gewachsen. Das Schiff muss „rasiert“ werden. Im Dingi halb sitzend, halb liegend kratze ich mit einer Spachtel aus Holz den Bewuchs unterhalb der Wasserlinie vom Rumpf. Werner hilft vom Deck aus mit, indem er das Dingi immer um einen Meter weiter zieht und dann festbindet. Es ist zwar eine anstrengend Arbeit, aber unbedingt notwendig.
Der Lack auf den Holzoberflächen, besonders im Bereich der Achterkabine, löst sich durch das Salz des Meeres auch langsam auf. Mit Bienenwachs reibe ich diese ungeschützten Flächen ein, damit Sonne und Salz nicht so leichtes Spiel bei ihrem zerstörerischen Werk haben.
Jetzt brauche ich unbedingt eine reinigende Dusche. Hier in der Marina kann man gegen Bezahlung von einem US$ die sehr großzügige Waschanlage benützen. Die Duschen sind so groß wie ein Badezimmer und sind ihr Geld wert.
Vor der Abreise müssen die üblichen Amtswege erledigt werden. Der erste Weg führt uns in das Marina Office, wo noch der Liegeplatz für die letzte Nacht bezahlen ist. Der nächste Weg führt zu einem sehr freundlichen Zollbeamten zum Ausklarieren. Und der letzte Weg führt uns in Nicholsons Baumarkt, wo Werner und ich je eine Machete erstehen, wie sie hier für die Zuckerrohrernte verwendet werden. Ein Muss für jeden Karibikbesucher.
Nachher besuche ich die Rum Barrel Bar, um noch ein paar Emails zu schreiben. Unser Abendessen ist das Selbe wie gestern. Es ist aber nicht unangenehm, einmal nicht zu kochen.
Dafür wollen wir heute Abend unsere letzten EC$ ausgeben. Zuerst probieren wir das in der Rum Barrel Bar. Nach einem Rumpunsch suchen wir uns ein neues Lokal. Nicht, weil uns der Rumpunsch nicht geschmeckt hat, ganz im Gegenteil – er war köstlich – jedoch weil hier überhaupt nichts mehr los ist. Wir kehren im Circus Grill ein, wo wir vor zwei Tagen schon gut gegessen haben.
Wir bestellen eine Runde nach der anderen. Vor der letzten Runde wollen wir noch bezahlen. Und wie wir die Rechnung sehen, sind wir sprachlos. Wir haben zuwenig Bargeld und Kreditkarte haben wir auch keine mit. Zähneknirschend rufen wir den Barkeeper und gestehen ihm unser Problem. Er murmelt etwas, schaut auch etwas finster drein, doch nach wenigen Minuten kehrt er lächelnd zurück und meint, dass das schon in Ordnung geht. Glück gehabt.
Frohen Mutes kehren wir zurück an Bord und genießen noch ein letztes Bier vor der Nachtruhe. Morgen ist um 06.00 Uhr Tagwache. Zeit zum Schlafen.
20.03.2009 – St. Barth – Little Europa
Um 06.00 läutet mein Wecker, 10 Minuten später wiederholt sich das Läuten. Nach der zweiten Wiederholung krieche ich aus dem Bett. Werner wird geweckt. Schnell bereiten wir alles für die Abfahrt vor. Um 06.45 machen wir alle Leinen los und verlassen Port Zante. Wir fahren nur unter Vorsegel und Motor die Westküste von St. Kitts entlang. Der Wind ist schwach und nur wenige Wellen lassen uns gemütlich frühstücken.
Nachdem wir die Nordspitze umfahren haben, nimmt der Wind merklich zu. Nun können wir segeln. Die Fahrt ist sehr angenehm. Es scheint die Sonne und kein Wölkchen trübt den Himmel. Nach zirka 40 Seemeilen erreichen wir um 15.00 unseren Wegpunkt, den ich kurz vor der Reede vor Gustavia gesetzt habe.
Die Insel Saint Barthélemy war für einige Zeit unter schwedischer Herrschaft. Die Franzosen haben die Insel dann nach einigen Jahrzehnten wieder zurückgekauft. Doch haben sie die Bauwerke und Namen von den Schweden übernommen und bis heute erhalten. Daher der schwedische Name Gustavia für die Hauptstadt der Insel.
In der Bucht liegen unzählige Schiffe, große und kleine. Wir suchen vergeblich einen Ankerplatz und hängen uns dann an eine der wenigen freien Bojen. Das Dingi kommt ins Wasser, der Motor wird montiert und wir fahren an Land. Es dauert eine ganze Weile, bis wir das Büro des Hafenmeisters, der auch gleichzeitig Zoll und Einwanderungsbehörde ist, gefunden haben. Wir füllen zwei Formulare aus und zahlen für drei Tage 21,00 EUR an Gebühren.
Dann werfen wir einen vorsichtigen Blick in die schmalen Gassen von Gustavia. Banken und Juweliere, Boutiquen, natürlich nur mit Markenware, Restaurants mit Polstermöbel. Alles wirkt sehr gediegen und teuer. Wir betreten ein Geschäft, dass dem Anschein nach Lebensmittel führt, aber eher ein Juwelier zu sein scheint. Der Verkäufer fragt nach unseren Wünschen. Wir suchen nach einem guten Stück Fleisch oder Bratwürstel. Der Verkäufer führt uns zur Kühltruhe. Hier liegen ganz oben auf fein säuberlich eingepackt ein paar Portionen Fleisch. Ich schaue auf den Preis und traue meinen Augen nicht: 69,00 EUR. Das kann doch nur ein Irrtum sein. Der Verkäufer erklärt mir, dass es sich um einen ganz besonderen Leckerbissen dabei handelt. Für unsere Bordkasse aber doch etwas zuviel. Auch mit Hühnerfleisch in Dosen um nur 25,00 EUR können wir uns nicht anfreunden, denn davon hatten wir in letzter Zeit genug.
Doch 100m weiter gibt es dann einen richtigen Supermarkt. Wir kaufen Lammleber. Heute gibt es geröstete Leber mit Petersilkartoffel. Dann sitzen wir noch in einem Biergarten. Kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit kehren wir zu unserem Schiff zurück. Gerade noch rechtzeitig. Denn als wir uns an Deck befinden, ruft uns eine Stimme zu, dass wir uns von der Boje entfernen sollen - die ist privat. Doch das wussten wir schon vom Hafenkapitän.
Wir fahren etwas näher zu den Stegen heran und werfen an günstiger Position unseren Anker. Die Leber schmeckt herrlich. Frankreich hat seine Vorteile.
21.03.2009 – Frühlingsbeginn
Von einem Frühlingsbeginn ist hier nichts zu spüren. Es ist warm und sonnig wie immer. Der Himmel ist strahlend blau.
Wir genießen die Atmosphäre in der Reede. Im Wasser ist fast so viel Verkehr wie an Land. Ständig flitzen kleine und größere Beiboote über das Wasser. Wir sitzen im Cockpit, als ein kleines gelbes Ruderboot an uns vorbeizieht. Ein Mann in unserem Alter ruft uns ein paar Worte auf Französisch zu. „Je ne parle pas francais!“ ruf ich zurück. Er erblickt unsere Flagge und fragt: “Kommt ihr aus Österreich? Ich bin in Wien aufgewachsen. Nun hab ich zwanzig Jahre in Südamerika gelebt, doch die Dritte Welt ist uns irgendwann auf die Nerven gegangen. Nun leben wir seit vier Monaten auf St. Barth.“ Er spricht nach dieser langen Zeit noch immer perfekt deutsch. Ein neues Schiff will er kaufen, denn derzeit lebt er auf etwa 6,5m Länge Wasserlinie. Da kann es schon eng werden. „Um 13.00 Uhr findet heute eine Regatta statt und anschließend eine Party für die vielen Yachties, die hier in der Reede vor Gustavia liegen.“
Doch Werner und auch ich sind zu keiner Regatta zu überreden. Wir fahren um 15.00 nach Gustavia, kaufen ein wenig zum Essen ein und verbringen einen ruhigen Nachmittag.
Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Fleischsoße aus echtem Rinderhaschee, natürlich selbst zubereitet. Wir sitzen danach gemütlich am Schiff und spielen eine Runde Domino. Nicht allzu spät gehen wir heute schlafen, denn für Morgen ist eine Inselrundfahrt geplant.
22.03.2009 – Ein unruhiger Morgen
Es beginnt draußen gerade hell zu werden, als mich ein Klopfen am Rumpf weckt. Es herrscht die totale Flaute. Ich werfe einen Blick aus meiner Luke und muss mit Schrecken feststellen, dass unser Nachbar bedenklich Nahe gerückt ist. Schnell bin ich an Deck. Werner ist wenige Momente später draußen. Alle verfügbaren Fender hängen wir an die Backbordseite. Noch haben wir keine gute Idee, wie wir die Situation in den Griff bekommen. Motor starten und Anker hoch. Ein neuer Ankerplatz muss gefunden werden. Wir fahren weit nach außen, bis wir endlich genug Freiraum haben, um erneut den Anker fallen zu lassen. Nun stehen wir um einiges weiter weg vom Dingisteg, dafür müssen wir uns keine Sorgen mehr machen, dass wir wieder mit einem Schiff an einer Boje kollidieren.
Nun ist es kurz vor 08.00. Zu spät, um nochmals unter die Decke zu kriechen. Wir richten uns ein gemütliches Frühstück her und kurz nach neun fahren wir mit dem Dingi an Land.
Sonntags sind die Straßen wie ausgestorben. Alle Geschäfte haben geschlossen. Doch zum Glück gibt es Ausnahmen. Ein Autoverleih hat doch geöffnet. Wir mieten bei „Barth’Loc“ einen Chevrolet Spark, einen richtiger Kleinwagen, um 71,00 EUR, samt Versicherung und Benzin. Die Besitzerin des Geschäfts zeigt uns auf einer Karte, welche Route wir am besten nehmen.
Zuerst müssen wir durch Gustavia. Die straßen sind schmal und kurvenreich. Ständig geht es bergauf und bergab. Man fährt an der Küste von einer Bucht zur nächsten und dazwischen muss man einen Bergrücken überqueren. Der Kleinwagen mit Automatik stöhnt ordentlich, wenn es so richtig steil wird. Hier gibt es keinen Schnee und so baut man die Straßen senkrecht bergauf.
Der Weg führt zuerst nach NW. Zu wunderschönen Stränden wie den Anse de Flamands. Bei der La Petit Anse endet die Straße und wir wenden und kehren zurück zu jenem Knotenpunkt, von wo man in alle Richtungen fahren kann. Hier über diesen Verkehrskinoten fliegen während des Tages unzählige Kleineflugzeuge und landen unmittelbar dahinter auf dem belebten Flughafen. Die Straße führt parallel entlang der Start- und Landebahn. Nach dem Flugplatz mit vielen Lokalen und Einkaufsmöglichkeiten geht es weiter entlang der Küste der Bay St. Jean. Unzählige Autos, mindestens die Hälfte davon sind Leihfahrzeuge, parken links und rechts neben der schmalen Fahrbahn. Boutiquen, Restaurants, Hotels und noble Villen säumen den Straßenrand.
In der Anse Lorient lässt der Verkehr spürbar nach. Wir lassen uns heute nichts entgehen und fahren so nah wie möglich zu jedem Strand. Einer ist schöner als der andere. Es geht zur Anse de Marigot, Anse de Grand Cul de Sac, Anse a Toiny und und und. Jeder Strand ist einzigartig, die meisten außerdem fast menschenleer. Die Landschaft ist trotz ihrer Trockenheit sehr Grün. An vielen Stränden im NO wachsen Palmen, dort wo keine Palmen gedeihen gibt es Strauchwerk. An den Berghängen stehen Kakteen und auch an den entlegensten Orten stehen die schönsten Villen.
An der Anse de Salines tummeln sich aber doch viele Menschen im weißen Sand. Und am Anse de Gouverneur hat uns die Vermieterin empfohlen, zu baden. Denn hier sind wir sicher ungestört. Doch am Sonntag sind die wenigen Einwohner von St. Barth am Strand und grillen.
Es war nicht einfach, eine Möglichkeit zu finden, wo wir unseren Durst stillen können und eine Kleinigkeit zu essen bekommen. In St. Jean werden wir fündig. Ein kleines Geschäft bietet italienische Spezialitäten an. Wir bestellen uns jeder ein üppig belegtes Panini und tauschen jeweils eine Hälfte.
Um 15.00 Uhr endet die Runde wieder in Gustavia. Sämtliche Straßen der Insel haben wir zumindest einmal befahren. Da wir aber kein Brot haben und der MATCH-Supermarkt beim Flughafen am Sonntag erst um 16.00 öffnet, verbringen wir die Stunde bei einem Bier und Sprite im Hafen von Gustavia. Knapp vor 16.00 holen wir unseren Wagen beim Autoverleih nochmals ab und fahren in Richtung Flughafen.
Nur wenige Meter weiter in einer engen Kurve steht ein Mann auf der Fahrbahn und deutet mit den Armen, stehen zu bleiben. Ein Motorrad liegt auf der Fahrbahn, ebenso ein kaputter Kotflügel, Glassplitter und andere Autoteile. Ein Junger Bursche liegt auf der Fahrbahn und windet sich vor Schmerzen. Der Unfalllenker kommt auf uns zu und bittet uns, ihm schnell zum Hafen zu führen, denn er hat seinen Pass dort liegen. Schnell hat sich eine Kolonne gebildet und wir fahren vorschriftswidrig gegen die Fahrtrichtung. Doch anders wären wir von hier nicht weggekommen.
Nach diesem Schrecken besorgen wir schnell frisches Baguette und bringen den Leihwagen zurück. Dann fahren wir mit dem Dingi zu unserem Schiff. Nun spüren wir beide die Müdigkeit. Denn heute sind wir schon früh auf den Beinen gewesen.
Übrigens will ich noch von einer kleinen Eigenheit unserer Tattoo berichten. Seit geraumer Zeit lässt sich das Licht im Bad nur mehr mit einem einfachen Trick zum leuchten bringen. Auch der Wechsel der Leuchtstoffröhre hat daran nichts geändert. Zuerst betätigt man den Lichtschalter. Nun beginnt die Röhre rechts ganz leicht zu leuchten. Man nimmt die Verkleidung ab und fährt mit zwei Fingern sanft von rechts nach links entlang des Leuchtstabes, und siehe da – die Lampe leuchtet nun in voller Stärke.
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